Energiewende

Offshore-Gipfel soll Startschuss für grünes Wirtschaftswunder geben

Offshore-Gipfel soll Startschuss für grünes Wirtschaftswunder geben

Offshore-Gipfel: Startschuss für grünes Wirtschaftswunder

Ritzau/nb
Esbjerg
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Der Klimagipfel in Esbjerg wird für den deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) der erste Besuch in einem der nordischen Länder seit seinem Amtsantritt im vergangenen Jahr (Archivfoto). Foto: Pool/Reuters

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Dänemark möchte gemeinsam mit Deutschland, Belgien und den Niederlanden die grüne Energiewende einen wesentlichen Schritt voranbringen. Auf einem Klimagipfel in Esbjerg soll am Mittwoch eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet werden. Bis 2050 sollen 230 Millionen Haushalte mit grünem Strom versorgt werden.

Die Nordsee spielt eine Schlüsselrolle in der Frage, wie Europa in den kommenden Jahren unabhängig von fossilen Brennstoffen werden kann.

Die Regierungschefs von Deutschland, Belgien und der Niederlande kommen deshalb am Mittwoch gemeinsam mit der Vorsitzenden der EU-Kommission zum Klimagipfel nach Esbjerg. Gastgeberin ist Staatsministerin Mette Frederiksen (Soz.).

Dort wollen sie eine Vereinbarung unterzeichnen, mit der die Kapazität für die Energiegewinnung aus Offshore-Windparks auf mindestens 150 Gigawatt bis zum Jahr 2050 erhöht werden soll.

Wenn wir das Windpotenzial der Nordsee in vollem Maße ausschöpfen wollen, müssen wir das gemeinsam tun. Die Nordsee bietet viele Möglichkeiten, und deshalb wollen wir die enge Zusammenarbeit jetzt in Gang setzen.

Staatsministerin Mette Frederiksen (Soz.)

Genügend Strom für 230 Millionen Haushalte

Das angestrebte Volumen würde ausreichen, um etwa 230 Millionen europäische Haushalte mit grünem Strom zu versorgen und würde Investitionen von mehr als 1.000 Milliarden Kronen mit sich bringen, wie „Jyllands-Posten“ schreibt.

„Wenn wir das Windpotenzial der Nordsee in vollem Maße ausschöpfen wollen, müssen wir das gemeinsam tun. Die Nordsee bietet viele Möglichkeiten, und deshalb wollen wir die enge Zusammenarbeit jetzt in Gang setzen“, sagt Staatsministerin Mette Frederiksen.

Nordsee soll „grünes Kraftzentrum“ werden

Mit dem Treffen sollen die Ambitionen, die Nordsee zu „einem grünen Kraftzentrum“ zu machen, gestärkt werden, sagt Wirtschaftsminister Simon Kollerup (Soz.).

„Wenn sich Dänemark und die übrigen Länder unabhängig von russischem Öl und Gas machen wollen, müssen grüne Alternativen entwickelt werden, nachhaltigere Wege in der Versorgung der Unternehmen, grüne Privathaushalte, Thermostate und Energiequellen. Wenn wir uns zum Nordsee-Gipfel in Esbjerg treffen, geht es deshalb um die Möglichkeit für einen grünen Kickstart eines umfassenden Wirtschaftswunders“, so Kollerup.

Wenn wir uns zum Nordsee-Gipfel in Esbjerg treffen, geht es deshalb um die Möglichkeit für einen grünen Kickstart eines umfassenden Wirtschaftswunders.

Simon Kollerup (Soz.), Wirtschaftsminister

Regierungschefs aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden

An dem Toptreffen nehmen der deutsche Bundeskanzler, Olaf Scholz (SPD), der niederländische Premierminister, Mark Rutte, und der belgische Premierminister, Alexander De Croo, teil. Außerdem hat die Vorsitzende der EU-Kommission, Ursula von der Leyen, ihre Teilnahme zugesagt. Daneben werden die EU-Energiekommissarin Kadri Simson und die Klima- und Energieminister der Länder – in Deutschland ist dies der Südschleswiger Robert Habeck (Grüne) – in Esbjerg zusammentreffen, um die regionale Zusammenarbeit zu stärken.

Gewinnung von Energie aus Offshore-Windparks in großem Stil

Das genaue Ergebnis des Gipfels ist im Vorfeld noch unklar.

„Politiken“ zufolge sollen die vier Länder gemeinsam mit der Vorsitzenden der EU-Kommission eine Erklärung dazu verabschieden, wieviel Gigawatt durch Offshore-Windparks aus der Nordsee bis 2050 erzeugt werden soll. Allerdings liegen noch keine Angaben dazu vor, um welche Größenordnung es sich handeln soll.

Ein Strategiepapier der EU-Kommission aus dem Jahr 2020 sah vor, dass die EU-Mitgliedsstaaten im Jahr 2050 auf der Grundlage von Offshore-Windparks 300 Gigawatt Energie erzeugen können sollen.

Die Nordsee ist vermutlich der beste Ort in der ganzen Welt für Offshore-Windparks. Dort weht es sehr, sehr viel.

Ulrik Stridbeck, Chef für Energieökonomie beim Energieunternehmen Ørsted

Nordsee bietet großes Potential

Nach Überzeugung von Ulrik Stridbeck, Chef für Energieökonomie beim Energieunternehmen Ørsted, bietet die Nordsee ein großes Potential, um Europa in Zukunft mit grüner Energie zu versorgen. Ørsted wird gemeinsam mit Mærsk und Vestas ebenfalls am Treffen in Esbjerg teilnehmen.

„Die Nordsee ist vermutlich der beste Ort in der ganzen Welt für Offshore-Windparks. Dort weht es sehr, sehr viel. Es herrschen sehr gute Verhältnisse am Meeresboden, da das Meer nicht so tief ist, und zudem wohnen entlang der Nordsee zahlreiche Menschen“, sagte Stridbeck am Dienstag gegenüber „P1“ von „Danmarks Radio“.

Unabhängigkeit von fossiler Energie nur mit Offshore-Windparks

Er verwies zudem darauf, dass die EU ohne Offshore-Windparks „in sehr großen Mengen“ auch weiterhin von fossiler Energie abhängig sein würde.

Mette Frederiksen hatte den Gipfel bereits mit der Invasion Russlands in die Ukraine am 24. Februar in Verbindung gebracht. Seitdem suchen die EU-Mitgliedsstaaten nach Wegen, ihre Abhängigkeit von russischem Gas zu reduzieren.

Im April hatte die Regierung ihre Initiative „Danmark kan mere II“ präsentiert. Demnach besteht die Möglichkeit, bis zu 35 Gigawatt Energie aus Offshore-Windparks in der Nordsee bis 2050 zu gewinnen.

Die Energiebehörde schätzt diese Menge auf 40 Gigawatt.

Dänemark kann Führungsrolle zeigen

Der Wirtschaftsverband Dansk Erhverv bezeichnet den Klimagipfel als „perfekten Anlass, um dem Rest der Welt zu zeigen, dass dänische Unternehmen führend bei Offshore-Windparks und Windtechnologie im Allgemeinen sind“.

„Wir müssen uns das Ziel setzen, bis 2040 40 Gigawatt aus Offshore-Windparks gewinnen zu können. Dadurch nutzen wir unsere fantastischen Ressourcen über der Nordsee voll und ganz aus“, so der Chef für den Bereich Klima und Energie, Ulrich Bang, von Dansk Erhverv.

Potential für 35-40 Gigawatt Energie aus Offshore-Windparks

  • Dänemark gewinnt gegenwärtig 2,3 Gigawatt Strom aus Meereswind. Er kommt aus 14 Offshore-Windparks.
  • Daneben wurden politische Vereinbarungen über die Schaffung weiterer Offshore-Windparks getroffen, die 16 Gigawatt an grünem Strom liefern sollen. 10 Gigawatt davon sollen aus der Nordsee kommen. Zu diesem Zweck soll eine künstliche Insel angelegt werden.
  • Die Energieinsel soll zunächst als Knotenpunkt für Offshore-Windparks mit einer Kapazität von 3 Gigawatt dienen. Dies entspricht dem Energieverbrauch von 3 Millionen Haushalten. Die Menge wäre doppelt so hoch wie die Menge an Energie, die alle heutigen Offshore-Windparks in Dänemark zusammen produzieren können.
  • Die Regierung sieht jedoch ein Potential für die Nutzung von bis zu 35 Gigawatt aus Offshore-Windparks in der Nordsee bis zum Jahr 2050. Laut einer Einschätzung der Energiebehörde liegt der Wert bei bis zu 40 Gigawatt.
  • Die EU benötigt bis 2050 300 Gigawatt Energie aus Offshore-Windparks, um ihre Klimaziele zu erreichen. Ein Teil davon soll durch Energieprojekte in der Nordsee gedeckt werden.

Quellen: Staatsministerium, Regierungsinitiative „Danmark kan mere II“, „Politiken“, Energiebehörde

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