Neues Museum

Schatztruhe unter dem Dünen-Sand

Schatztruhe unter dem Dünen-Sand

Schatztruhe unter dem Dünen-Sand

Siegfried Matlok
Siegfried Matlok Senior-Korrespondent
Blåvand
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Kulturministerin Mette Bock rechts), Architekt Bjarke Ingels (daneben) und Kronprinz Frederik (links) bei der Einweihung des Tirpitz-Museum. Foto: Scanpix

Das Tirpitz-Museum in Blåvand soll ein neuer internationaler Leuchtturm für die Kommune Varde, für die Westküste und für ganz Dänemark werden. Eröffnet wurde es am Donnerstag vom Kronprinz und der Kulturministerin. Siegfried Matlok war für den Nordschleswiger dabei.

Alfred Peter Friedrich Tirpitz

• ab 1900 von Tirpitz
• geboren 19. März 1849 in Küstrin
• verstorben 6. März 1930 in Ebenhausen in Oberbayern

Tirpitz war ein deutscher Großadmiral, von 1897 bis 1916 Staatssekretär des Reichsmarineamts und später Politiker der Deutschnationalen. Großadmiral Alfred von Tirpitz gilt als Begründer der deutschen Hochseeflotte. Ziel war es, eine Flotte zu schaffen, die zwar die Stärke der britischen Flotte nicht erreichen, jedoch für die Seemacht Großbritannien zumindest eine Risikodrohung im Falle eines Krieges gegen das Deutsche Reich darstellen sollte. So kam es zum Deutsch-Britischen Wettrüsten. Tirpitz, der die Kriegszielfrage als die Hauptfrage des Weltkrieges betrachtete, drängte auf Annexionen hauptsächlich im Westen, um „Deutschland als Weltmacht weiter zu entwickeln“.

1917 war Tirpitz Mitgründer und Vorsitzender der alldeutsch und nationalistisch orientierten Vaterlandspartei. Sie war eine außerparlamentarische Bewegung von rechts. Erstmals wurde das Konzept der außerparlamentarischen Mobilisierung von rechts realisiert. Auf ihrem Höhepunkt, im Sommer 1918, hatte die Partei über 1,25 Millionen Mitglieder. Intern gab es Aufrufe zum Staatsstreich von rechts unter der Führung von Hindenburg und Ludendorff, notfalls auch gegen den Kaiser. Tirpitz hat mit dem Flottenverein, den Staatsstreichplänen 1915 und der Vaterlandspartei bewiesen, dass er zur politischen Agitation mit dem Instrument einer Massenpartei und dem Mittel der Propaganda sowie zum Staatsstreich gegen den Kaiser und zur Militärdiktatur bereit war.
Von 1924 bis 1928 war Tirpitz als Abgeordneter der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) Mitglied des Reichstags, aus dem er sich 1928 zurückzog und seine politische Arbeit beendete.

Quelle: Wikipedia

Kronprinz Frederik und Kulturministerin Mette Bock haben Donnerstag in Blåvand das Tirpitz-Museum eingeweiht, und dabei gab es nur ein Wort, das in allen Reden vor den Festgästen und vor der internationalen Presse immer wiederholt wurde: Weltklasse. Die Vorsitzende des Kulturausschusses in der Kommune Varde, Lisbet Rosendahl, sprach von einer „Schatztruhe am westlichsten Punkt Dänemarks“, und Vardes Bürgermeister Erik Buhl betonte, nicht nur Varde könne auf dieses einmalige Projekt stolz sein und sich über das große internationale Echo freuen, dass das Museum bereits hervorgerufen hat, unter anderem sogar beim amerikanischen Nachrichtensender CNN.

„Prädikat Weltklasse“

Das Museum ist in der Dünenlandschaft unter dem Westküsten-Sand von außen nicht erkennbar, und vor allem die Symbiose, die der weltberühmte dänische Architekt Bjarke Ingels zwischen Natur und Architektur hergestellt hat, verdient das Prädikat Weltklasse. Im alten kalten Tirpitz-Bunker, der schon früher Museumszwecken diente, ist nun ein modernes Museum entstanden mit einer schwebenden Beton-, Stahl-und Glaskonstruktion und Kosten in Höhe von rund 150 Millionen Kronen, sozusagen dreigeteilt: Im größten Teil befindet sich „eine Armee aus Beton“, wie die Überreste des Atlantikwalls bezeichnet wurden, die während des Zweiten Weltkrieges von der deutschen Besatzungsmacht gebaut wurde, um einen erwarteten Angriff der Alliierten an der dänischen Westküste zu verhindern.
In den Ausstellungsbunkern werden „die Geschichten über gewöhnliche Menschen gezeigt, die in ungewöhnlichen Zeiten lebten“.

Darunter das Schicksal des deutschen Soldaten Paul an der jütischen Westküste, der die Dänin Anna kennenlernte, sie heiratete und mit ihr bis zu seinem Tode in Dänemark lebte. Einen besonderen Platz hat auch ein Bunker aus Søndervig gefunden, den der damalige deutsche Soldat Gerhard Saalfeld bei einem Privatbesuch 2008 fast unverändert vorfand, nachdem sein nach 1945 schon im Sand versunkener Bunker durch einen Sturm wieder an die Oberfläche gekommen war.

„Das Unmögliche wurde möglich gemacht"

Darüber hinaus präsentiert das Museum eine Bernstein-Abteilung unter der Überschrift „Gold der Westküste“, und die dritte Abteilung erzählt die tausendjährige Geschichte der Westküste und den Kampf der Menschen gegen die Urgewalten der Nordsee.
„Das Unmögliche wurde möglich gemacht. Wir haben einen neuen Leuchtturm an der Westküste“, sagte Vardes Bürgermeister Buhl, der ebenso wie der zuständige Direktor der Varde-Museen, Claus Kjeld Jensen, auf die große Unterstützung hinwies, die das Projekt erhalten hatte, nachdem die Idee vor etwa fünf Jahren erstmalig ernsthaft diskutiert worden war. Gefördert wurde es durch die Stiftungen von A. P. Møller, Nordea und Augustinus, wobei allein A. P. Møller-Fonden mit rund 100 Millionen Kronen beigetragen haben soll.


Claus Kjeld Jensen berichtete über viele Hürden in den letzten zweieinhalb Jahren – vor allem weil ja die Naturschutzbestimmungen im Prinzip keine Baugenehmigung zulassen – und auch über ein ganz ungewöhnliches Hindernis: Bei den Bauarbeiten wurde eine gefährliche 25 Kilo schwere Tiefsee-Bombe entdeckt, deren Detonation sogar im knapp 30 km entfernten Esbjerg zu hören war.
Der Direktor der Nordea-Stiftung, Henrik Lehmann, erinnerte an das Schlachtschiff mit dem Namen Tirpitz, das 163.000 PS aufwies, aber nach seinen Worten hat dieses Tirpitz-Museum „noch mehr PS“ und deshalb sei die Hoffnung berechtigt, dass die Zahl der Museumsbesucher die Erwartungen von über 100.000 Personen sogar übertreffen wird. Gerade als die Kommune mit den zweithöchsten Übernachtungen von Feriengästen in ganz Dänemark setzt Varde auf Wachstum durch Touristen, denen nun „Weltklasse“ geboten wird.

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