Umwelt

Dänisches Projekt will 50.000 Geisternetze aus dem Meer bergen

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Freiwillige Taucher aus 84 dänischen Tauchvereinen sollen die Netze aufspüren und mithilfe von Bojen markieren.

Tausende alte Fischernetze liegen unentdeckt auf dem Meeresgrund. Ein neues Projekt will sie jetzt aufspüren – mit Hightech-Bojen und ehrenamtlichen Tauchern.

Ein ehrgeiziges Umweltprojekt will bis zu 50.000 verlorene Fischernetze aus den dänischen Meeresgewässern entfernen. Initiiert von der Codan-Stiftung, setzt das Vorhaben auf 1.000 speziell entwickelte Bojen, die Taucherinnen und Tauchern helfen sollen, sogenannte Geisternetze auf dem Meeresgrund zu orten und für die Bergung zu markieren.

Nach Angaben der Technischen Universität Dänemarks könnten sich rund um das Land Zehntausende dieser herrenlosen Netze befinden – Überbleibsel aus Jahrzehnten des Fischfangs, die weiterhin eine Gefahr für Meereslebewesen darstellen.

84 Tauchvereine beteiligt

Im Mittelpunkt der Aktion stehen freiwillige Taucherinnen und Taucher aus 84 dänischen Tauchvereinen. Sie sollen die Netze aufspüren und mithilfe der mit Luft gefüllten Bojen markieren. „Die Bojen steigen nach dem Befüllen an die Oberfläche auf und zeigen so die Position der Netze im Wasser an“, erklärt Thomas Alstrup, Sekretariatsleiter des Ocean Plastic Forum, einem Zusammenschluss von über 30 Organisationen gegen Plastikverschmutzung im Meer.

Die eigentliche Bergung der Netze übernehmen anschließend professionelle Taucherinnen und Tauchern. Gesucht wird in der Ostsee, dem Kleinen und Großen Belt sowie im Kattegat – Regionen, in denen jahrzehntelange Fischerei ihre Spuren hinterlassen hat.

„Wie viele Netze wir letztlich bergen können, lässt sich schwer vorhersagen“, sagt Alstrup. „Aber wir glauben, dass wir sehr viele entfernen können.“

Doppelt problematisch

Geisternetze gelten als doppelt problematisch: Einerseits fischen sie auch ohne menschliche Kontrolle weiter – Fische und Bodentiere verfangen sich und verenden. Andererseits zerfallen die Kunststoffnetze mit der Zeit zu Mikroplastik und belasten so das Ökosystem nachhaltig.

Für Thomas Kirk Sørensen, Meeresbiologe bei WWF Dänemark, geht die Problemlösung über reine Bergung hinaus. „Es muss für Fischer zur Routine werden, verlorene Fanggeräte zu melden – die meisten verlieren sie ja nicht absichtlich“, so Sørensen. Zusätzlich fordert er eine bessere Kennzeichnung der Netze, um deren Herkunft nachvollziehen zu können. „Das schafft einen Anreiz zur Meldung – und ist glücklicherweise Teil des neuen Fischereiabkommens“, betont er.