Natur und Umwelt

Meeresgarten Kollund: Ein Mitmachprojekt für den Teller und zur Rettung der Förde

Mann am Ufer hält eine gelbe Boje neben einem Ruderboot an einem sonnigen Seeufer.
Jens Ravnskjær mit der Lizenzboje seiner Muschelzucht vor Kollund

Biologielehrer und Naturfreund Jens Ravnskjær hat eine kleine Muschel- und Tangzucht vor Kollund gestartet und den Verein „Kollund Havhave“ gegründet. Für eine saubere Flensburger Förde hat er Großes vor und hofft, die Europäische Union als Partnerin und Förderin mit ins Boot zu bekommen.

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Zusammenfassung

  • Biologe Jens Ravnskjær baut im Meer vor Kollund unter anderem Muscheln an und hat den Verein „Kollund Havhave“ gegründet 
  • Ziele des Meeresgartens sind  bessere Wasserqualität, alternative und nachhaltige Lebensmittelproduktion sowie Wissensvermittlung.
  • Ravnskjær setzt auf Kooperation mit Bürgerinnen und Bürgern, Schulen sowie einem maritimen Netzwerk und peilt die Aufnahme in ein EU-Meeresschutz-Förderprogramm an.

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Vor etwa vier Jahren habe er angefangen, sich intensiver mit der Muschelzucht und dem Anbau verschiedener Algenarten zu beschäftigen, erzählt Jens Ravnskjær hinter dem Klubhaus des Rudervereins an der Kollunder Mole. 

Hier steigt er seit einiger Zeit regelmäßig in ein Boot, um nach seinen Muschelleinen zu sehen und auch Muscheln zu ernten. Mit seinem Muschel- und Algen-Projekt, für das just der Verein „Kollund Havhave“ („Kollunder Meeresgarten“) gegründet worden ist, verfolgt der Biologielehrer große Ziele. 

Mann lädt auf einem Holzsteg Ausrüstung und Kisten in ein kleines Boot am steinigen Ufer.
Mit einem Ruderboot an der Kollunder Mole begibt sich Jens Ravnskjær regelmäßig zu seinem kleinen Meeresgarten mit Muschelzucht.
Biologielehrer Jens Ravnskjær mit den netzstrumpfartigen Leinen, in denen vor Kollund Miesmuscheln heranwachsen. Mit der Hobbyzuchtlizenz darf der Umweltschützer eine zehn Meter lange Hauptleine in Küstennähe anbringen. An dieser Hauptleine hängen die Netzstränge mit jungen bis hin zu ausgewachsenen Muscheln. Anfangs hatte er noch zwei Meter lange Netze an die Hauptleine gebunden. Wegen drohender Überlastung – das Muschelgewicht betrug zeitweise 200 Kilogramm – hat er die Stränge auf etwa einen Meter gekürzt.

Kollund Havhave

Zielsetzung

  • Zu einem gesünderen Meeresumfeld in der Flensburger Förde beizutragen
  • Das Wissen der Bevölkerung über das Meer zu stärken
  • Lernen, Engagement und Gemeinschaft über Generationen hinweg zu fördern
  • Als Bindeglied zwischen Zivilgesellschaft, Behörden und Forschung zu agieren

Arbeitsweise und Zusammenarbeit

Kollund Havhave arbeitet projektbasiert und in offenen Partnerschaften. Der Verein versteht sich als eine verbindende Plattform, die:

  • lokale Initiativen koordiniert
  • Dialog und Zusammenarbeit mit Kommunen und relevanten Behörden ermöglicht
  • Forschungs- und Monitoringaktivitäten unterstützt
  • Schulen, Seniorinnen und Senioren sowie Ehrenamtliche in praxisnahe Aktivitäten einbindet

Mit der Kombination aus Naturwiederherstellung, alternativen Möglichkeiten der Lebensmittelproduktion, Wissensvermittlung sowie Forschung – und das alles mit Kooperationspartnerinnen und -partnern auf deutscher und dänischer Seite – hofft er, in das EU-Meeresschutz-Förderprogramm „BlueActionBANOS“ aufgenommen zu werden. 

Allein nicht zu stemmen

Konzepte und Anträge für das grenzüberschreitende Unterfangen sind längst erstellt. Als wichtiges Detail fehlte noch eine Rückmeldung von der Kommune Apenrade (Aabenraa). Die hätte Ravnskjær gern als Partnerin. „Zum einen als formale Unterstützerin, zum anderen auch als Garantiestellerin für Zwischenfinanzierung im Falle einer Aufnahme in das EU-Programm. Ohne dieses Mitwirken der Kommune sehe ich für den EU-Antrag keine Chance“, sagte der Meeresexperte wenige Tage vor der wichtigen Sitzung des Technischen Ausschusses. 

Von dort kommen für den Initiator positive Nachrichten. Der Ausschuss stimmte auf seiner jüngsten Sitzung zu, das Unterfangen formell und auch mit Zwischenfinanzierung zu unterstützen.

Ein vordergründiges Ziel der Meeresgarten-Mission ist es, den Zustand der unter Sauerstoffschwund leidenden Flensburger Förde zu verbessern. Dazu können Miesmuscheln durch ihre Fähigkeit beitragen, Plankton, Bakterien und organische Reste herauszufiltern. Algen wiederum produzieren durch Fotosynthese Sauerstoff.

Durchsichtiger Behälter mit im Wasser liegenden Miesmuscheln auf einem Holzgeländer im Freien.
Lebensmittel und Anschauungsobjekt für sauberes Wasser gleichermaßen: Mit Muscheln in einem durchsichtigen Gefäß demonstrierte Jens Ravnskjær Gästen, welche Filterkraft die Muscheln haben. Der Biologe kippte Schlagsahne ins Wasser, das sich in eine milchige Flüssigkeit verwandelte. Innerhalb von nur einer Stunde hatten die Muscheln die Sahne herausgefiltert.

Über den Tellerrand Flensburger Förde hinaus

Ravnskjær denkt aber nicht nur an die Flensburger Förde. „Man sollte auch an die Apenrader Förde denken, der es ebenfalls nicht gut geht.“

Der Biologe hat bereits ein größeres Netzwerk aufgebaut und steht im engen Austausch mit Kollegen einer Meeresgärtnerei in Flensburg und mit „Havhøst“ (Meeresernte) – ein Zusammenschluss von maritimen Nutzgärten an dänischen Küsten.

Bei der Muschel- und Seetangzucht zur Stärkung der Biodiversität vor Kollund und an anderen Küstenabschnitten sollen Bürgerinnen und Bürger, Schulen und Interessenorganisationen einbezogen, für das Thema sensibilisiert und zum Mitmachen animiert werden, so die Philosophie von „Kollund Havhave“. Neben dem praktischen Anbau stehen Informationen und Lösungsansätze für ein besseres Meeresklima im Mittelpunkt.

Gruppe von Menschen beobachtet im Freien einen Mann, der in einer Wanne mit Substrat arbeitet.
Neben der Zucht von Muscheln als Lebensmittel und Reinigungskraft geht es Jens Ravnskjær bei seinem Projekt vor allem auch um Wissensvermittlung. Erst kürzlich hatte der Biologe eine Ausflugsgruppe zu Gast, der er zeigte, dass man Kartoffeln in einer Kompostmischung aus Seegras und Erde anpflanzen kann.

„Es soll nicht darum gehen, Muschel-Schleppfischerei oder die Landwirtschaft als die mutmaßlichen Übeltäter an den Pranger zu stellen. Das Thema ist bereits allgegenwärtig. Ich möchte mich bei dem Projekt hier auf praktische Maßnahmen konzentrieren, die den Gewässern zugutekommen“, betont Jens Ravnskjær.

Blaupause für den Meeresschutz

Seine Hoffnung ist, dass das Kollunder Meeresgarten-Projekt eine weitere Blaupause für andere kleine Aufzuchtanlagen in der näheren Umgebung und darüber hinaus wird. „Je mehr solche kleinen Gärten entstehen und bekannt werden und je mehr sich Ehrenamtliche daran beteiligen, desto mehr kann man erreichen“, skizziert Ravnskjær seine Idee.

Mann im Adidas-Sportshirt steht bei Sonnenschein an einem Ufer mit Wasser und Hügel im Hintergrund.
Hat mit seinem Projekt „Kollund Havhave" Großes vor: Jens Ravnskjær.

Wer hobbymäßig Muscheln für den Eigenverbrauch züchten möchte, braucht eine Erlaubnis. Er und „Kollund Havhave“ beraten gern bei der Beantragung solcher Lizenzen, und man gebe auch gern Tipps für das Züchten von Muscheln und Tang, so der Biologe, der nun gespannt der Antwort der EU auf seinen Antrag entgegenfiebert.