Flensburg

Der Museumsberg feiert seinen 150. Geburtstag – und zeigt die Superlative aus seiner Sammlung

Flensburgs Oberbürgermeister Fabian Geyer (Mitte) sieht im kommunalen Museum die „Güte eines Landesmuseums“.

Im Jahr 1876 nahm die Kunstsammlung auf dem Flensburger Museumsberg ihren Anfang. Das Museum feiert sein Jubiläum mit einer großen Sonderausstellung. In der geht’s um Visionen und Utopien. Ein Einblick.

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Zusammenfassung

  • Der Flensburger Museumsberg feiert seinen 150. Geburtstag mit einer großen Jubiläumsausstellung.
  • Die Schau „150 Jahre Museumsberg – Visionen und Utopien“ beleuchtet Geschichte, Zukunftsideen und besondere Exponate des Hauses.
  • Zu sehen sind unter anderem Sammlungs-Superlative, historische Raritäten und Reflexionen über die Rolle des Museums im deutsch-dänischen Grenzraum.

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Sogar Ministerpräsident Daniel Günther hatte seine Teilnahme zugesagt, dann aber doch die besser mit dem Thema vertraute Kulturministerin Dorit Stenke geschickt. Der Flensburger Museumsberg feierte am Samstag seinen 150. Geburtstag – mit hochrangigen Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Stadtgesellschaft, Militär und Kirche.

Das Haus sei ein „Symbol der deutsch-dänischen Freundschaft“, urteilte die Ministerin, womit sie auf das Sammlungsgebiet anspielte, den historischen Landesteil Schleswig. 

Das Gebiet liegt im Grenzraum von Deutschland und Dänemark. Oberbürgermeister Fabian Geyer sprach dem Haus „die Güte eines Landesmuseums“ zu.

Eine Aussage, die sich mit Größe und Alter des Hauses begründen lässt: Mit rund 30.000 Exponaten gilt der Museumsberg als größtes kommunales Museum in Schleswig-Holstein und zählt zu den ältesten Kunstgewerbemuseen in Europa. Gegründet wurde die Sammlung 1876 von dem Flensburger Möbelfabrikanten Heinrich Sauermann.

Museum als Ort der Visionen und Utopien

„Ein Museum ist nicht nur ein Ort, um Kunst zu sehen. Es bietet Inspiration, Erholung, politischen Dialog, Visionen und Utopien“, sagte Museumsdirektor Michael Fuhr – und untermauerte diesen Anspruch mit einem Blick in die Zukunft im ersten Ausstellungsraum der neuen Jubiläumsausstellung „150 Jahre Museumsberg – Visionen und Utopien“.

Der Künstler David von Bassewitz hat die dortigen Wände mit Zeichnungen von künstlichen Wesen und vielen schnell gezeichneten Strichen gefüllt. Eine mögliche Deutung: Wissensvermittlung durch künstliche Intelligenz wird die Präsentation in den Museen künftig beeinflussen. Die Besucher sind aufgefordert, eigene Ideen digital oder analog abzugeben.

Der zweite Raum zeigt Utopien und reale Pläne zum Bau des Flensburger Museums. So viel wird deutlich: Das ohnehin recht stattliche Stammhaus, das heutige Heinrich-Sauermann-Haus, hätte noch viel bombastischer ausfallen können. Auch waren mal unterirdische Erweiterungspläne im Gespräch.

Die Ministerin aus Kiel fragte, ob die Stadt Flensburg bereitwillig auf die Forderung des Museumsgründers eingegangen sei. Heinrich Sauermann hatte der Stadt seine Sammlung unter der Bedingung angeboten, dass sie ein Gebäude dafür baue. Der damalige Bürgermeister, Wilhelm Toosbüy, habe sich sehr gefreut, versicherte Michael Fuhr.

Raum drei zeigt Superlative aus der Sammlung: das kleinste und das größte Ausstellungsstück zum Beispiel sowie die Fälschung eines Bildes von Emil Nolde. Die Liste lässt sich fortsetzen: die älteste Deutschland-Flagge (von 1848/49), das teuerste Ausstellungsstück – eine Schüssel für 300 Millionen Mark, angekauft während der Inflation im Jahr 1923. Das Thema Beutekunst und Provenienzforschung wird mit Teilen aus der Silbersammlung eines jüdischen Kaufmanns aufgegriffen.

Blick auf besondere Stücke der Sammlung

Raum vier ist mit Höhepunkten aus 15 Jahrzehnten Sammeltätigkeit bestückt. Auf dem Schwerpunkt-Gebiet „Ekensunder Künstlerkolonie“ werde man weiter sammeln, versprach Michael Fuhr. Dinge zu veräußern, nur weil sie weniger gut zur Sammlung passten, komme nicht in Frage. „Wir sind gesetzlich verpflichtet, das kommunale Erbe zu bewahren“, so Fuhr.

Bis in die 1950er-Jahre sei noch im Rathaus entschieden worden, welche Kunst eingekauft werde, wurde berichtet. Eine Skulptur von Ernst Barlach, schwebender Gottvater, wurde zweimal gekauft. 1937 war die Figur von den Nationalsozialisten als entartet eingestuft und aus dem Museum entfernt worden. 1963 kaufte das Museum sie erneut.

Im letzten Raum befindet sich eine Auswahl an Plakaten von Sonderausstellungen, die der Museumsberg im Laufe seines Bestehens durchgeführt hat. Es waren fast 800. Im Flur sind Darstellungen der Museumsdirektoren zu sehen: Ernst Sauermann als Büste in Gold, Michael Fuhr im Ganzformat an einer Tür. Es ergeben sich interessante Deutungsmöglichkeiten – Bilder sagen ja oft mehr als Worte.

Die Ausstellung „150 Jahre Museumsberg – Visionen und Utopien“ läuft bis zum 25. Oktober 2026.