Pflege

Grenzpendelnde stärken dänische Pflegeheime

Lars Geipel (l.) aus Harrislee (Harreslev) arbeitet im Kollunder Pflegeheim „Birkelund“.

In Dänemark sind die Arbeitsbedingungen attraktiver. Deutsche Pendlerinnen und Pendler füllen wichtige Lücken im Personalbestand. Die Herausforderungen und Chancen dieser grenzüberschreitenden Zusammenarbeit werden beleuchtet.

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Zusammenfassung

  • Deutsche Grenzpendlerinnen und Grenzpendler wie Lars Geipel arbeiten in dänischen Pflegeheimen, weil Arbeitsbedingungen und Bezahlung dort attraktiver sind.
  • In der Kommune Apenrade stammen 93 Beschäftigte in der Sozial- und Gesundheitsverwaltung aus Deutschland und schließen wichtige Personallücken.
  • Die dänischen Einrichtungen erwarten Dänischkenntnisse und fördern gleichzeitig die Integration in Sprache und Kultur, um die Zusammenarbeit zu stärken.

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Jeden Morgen fährt Lars Geipel mit seinem VW Passat zur Arbeit auf der anderen Seite der Grenze – zum Birkelund Pflegeheim in Kollund in der Kommune Apenrade (Aabenraa). Der Sozial- und Gesundheitsassistent ist einer von vielen, die jeden Tag über die Grenze pendeln, um ihrer Arbeit nachzugehen. „Wir sind wirklich viele, die in der Kommune Apenrade arbeiten“, sagt Lars Geipel.

Nach seiner Schulzeit in seiner Heimatstadt Harrislee (Harreslev) begann er eine Ausbildung zum Sozial- und Gesundheitsassistenten in Dänemark. „Und dann bin ich hier geblieben. Die Stelle in Kollund ist perfekt, nur eine Viertelstunde Fahrt zur Arbeit. Bei uns im Pflegeheim sind wir fünf wie ich, die aus Deutschland zur Arbeit fahren“, sagt Lars Geipel.

 Wir würden sie nur ungern missen

 Seiner Meinung nach sind die Arbeitsbedingungen in Dänemark besser, da es unter anderem bessere Hilfsmittel gibt, sodass man schweres oder umständliches Heben vermeiden kann.

Laut der dänischen Gewerkschaft „FOA Sønderjylland“ ist auch das Gehalt in Dänemark deutlich besser: Ein Sozial- und Gesundheitsdienstleistungsgehalt liegt bei gut 28.500 Kronen (3.815 Euro) brutto zuzüglich 15,26 Prozent Rente, und nach 10 Jahren steigt es auf gut 33.900 Kronen (4.537 Euro) zuzüglich Rente. Zum Vergleich: Mehrere deutsche Jobbörsen zeigen, dass beispielsweise ein Pflegeassistent im Durchschnitt 2.859 Euro pro Monat vor Steuern verdient.

 Selbst nach Abzug der dänischen Steuern bleibt mehr übrig, so die Rückmeldung, die FOA von seinen Mitgliedern erhält. Lars Geipel hat daher auch nicht die Absicht, seinen derzeitigen Job gegen einen vergleichbaren Job in Deutschland einzutauschen. 

Lars Geipel vor seinem Arbeitsplatz, dem Pflegeheim Birkelund in Kollund.

Und Mitarbeiter wie Lars Geipel, die südlich der Grenze arbeiten, sind wichtig, damit die Dienstpläne stimmen. Das sagt Helle Marie Jensen, Leiterin der Pflegeheime in der Kommune Apenrade.

 „Wir hätten eine Lücke, wenn sie nicht hier wären. Wir haben in allen Pflegeheimen einige Mitarbeiter aus Deutschland, sowohl in der Abend- als auch in der Tagesschicht, sodass wir sehr ungern auf sie verzichten würden“, sagt sie.

Die Kommune Apenrade ist diejenige der drei nordschleswigschen Kommunen entlang der Grenze, die die meisten Mitarbeitenden hat, die über die Grenze pendeln, um in der Altenpflege oder der häuslichen Pflege zu arbeiten. 

Laut Kasper Stoof, kommunaler Teamkoordinator für Kommunikation, hatte die Kommune am 3. Februar insgesamt 93 Mitarbeitende mit Wohnsitz in Deutschland, was 4,5 Prozent der Belegschaft der Sozial- und Gesundheitsverwaltung entspricht. In den beiden anderen Kommunen, Tondern und Sonderburg, liegen die entsprechenden Zahlen bei 15 bzw. 50 Mitarbeitenden. Die Zahlen sind relativ stabil.

Helle Marie Jensen, Leiterin der Pflegeheime in der Kommune Apenrade, betont, dass es in Dänemark schwierig sei, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Pflege älterer Menschen oder anderer hilfsbedürftiger Personen zu finden. Das sei auch in Deutschland der Fall.

Laut dem Statistischen Bundesamt und der Bundesagentur für Arbeit werden beispielsweise in Deutschland im Jahr 2025 umgerechnet 130.000 Stellen benötigt.

Dänisch sprechen und verstehen

Laut Helle Marie Jensen lassen sich Mitarbeitende, die über die Grenze kommen, grob in zwei Gruppen einteilen: Ein Teil sind Däninnen und Dänen, die irgendwann ihren Wohnsitz über die Grenze verlegt haben, und der andere Teil sind deutsche Staatsbürgerinnen und -bürger. „Natürlich haben sie ihren Akzent, aber wir verlangen, dass sie Dänisch sprechen und verstehen können”, sagt sie.

Jensen betont, dass man sich in der Altenpflege der Kommune sehr darum bemüht, den Mitarbeitenden einen Zugang zur dänischen Kultur zu verschaffen. Neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen lernen, wie man in Dänemark die Feiertage begeht.

 „Das kann etwa sein, wie man Grünkohl in Deutschland und in Nordschleswig isst. Isst man ihn mit Zucker oder Salz? Bei uns ist das ja ein bisschen anders. Aber das funktioniert super. In den Pflegeheimen ist man ja immer mit jemandem zusammen, sodass sie sich daran orientieren können, wie man es hier macht. Das ist also kein Problem“, sagt sie.