Kunstgeschichte

Darum malte Franciska Clausen ein Porträt von Hitler

Das Foto von Erik Smedegaard zeigt die Apenrader Künstlerin Franciska Clausen vor einigen ihrer Porträts, die sie nach ihrer Rückkehr aus Berlin und Paris in der nordschleswigschen Heimat geschaffen hat.

Eine neue Studie beleuchtet das Werk der Künstlerin Franciska Clausen. Ihr Schaffen spiegelt Einflüsse der Avantgarde wider, blieb jedoch lange unbeachtet. 

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Zusammenfassung

  • Ein neues Buch des Kunsthistorikers Jens Tang Kristensen rückt die in Apenrade geborene Malerin Franciska Clausen vierzig Jahre nach ihrem Tod wieder in den Fokus.
  • Clausen, geprägt von einem offenen Elternhaus und Studien in Berlin und Paris, entwickelte eine eigenständige moderne Bildsprache zwischen Kubismus, Konstruktivismus und Neuer Sachlichkeit.
  • Trotz später Anerkennung und kontrovers diskutierter Werke wie dem Hitler-Porträt zeigt das Buch ihren Kampf um künstlerische Freiheit und die Bedeutung ihres Erbes für Apenrade.

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Am 5. März 1986 starb in Apenrade (Aabenraa) eine Künstlerin, die ihrer Zeit oft voraus war – und doch lange im Schatten stand. Heute, 40 Jahre nach ihrem Tod, rückt ein neues Buch ihr Leben und Werk wieder ins Licht. Der Kunsthistoriker Jens Tang Kristensen hat eine umfassende Studie über die Malerin vorgelegt, die in Apenrade geboren wurde und hier auch ihre letzten Jahre verbrachte: Franciska Clausen.

Aufgewachsen im „Clausens Palæ“

Franciska Clausen kam am 7. Januar 1899 in Apenrade zur Welt. Ihr Vater, ein wohlhabender Kaufmann, ließ 1900 in der Vestergade ein großes Haus errichten. Schon bald sprach man im Ort nur noch vom „Clausens Palæ“. Das Elternhaus war dänisch geprägt – obwohl Nordschleswig damals noch zum Deutschen Reich gehörte. Erst 1920, nach der Volksabstimmung, kam der Landesteil zu Dänemark.

Kristensen beschreibt in seinem Buch eine Kindheit in einem gebildeten, offenen Elternhaus. Bildung spielte eine große Rolle, ebenso ein Verständnis von Gleichwertigkeit, das für Mädchen jener Zeit nicht selbstverständlich war. Diese Haltung habe Clausen früh gestärkt. Sie erhielt Zeichenunterricht und fand rasch ihren eigenen Zugang zur Malerei.

Ein Selbstporträt von Franciska Clausen aus dem Jahren zwischen 1916 und 1919

Lehrjahre bei den Großen der Moderne

Bald zog es die junge Frau hinaus. Berlin und Paris wurden zu wichtigen Stationen. Dort lernte sie bei prägenden Figuren der Avantgarde wie László Moholy-Nagy, Fernand Léger, Piet Mondrian oder Alexander Archipenko. Auch das Umfeld der Pariser Gruppe „Cercle et Carré“ prägte sie.

Ihr Lebenswerk spiegelt diese Begegnungen wider. Es zeigt Elemente aus Kubismus, Konstruktivismus, Neuer Sachlichkeit, Surrealismus und Purismus. Manche Bilder entziehen sich jedoch klaren Zuschreibungen. Gerade das wurde ihr zum Hindernis. Sie passte nicht in Schubladen, ließ sich nicht eindeutig verorten.

Zwischen Anerkennung und Ausgrenzung

In Dänemark erhielt sie lange nur wenig Beachtung. Als Frau in einer von Männern dominierten Kunstwelt galt sie vielen eher als Assistentin oder Muse – vor allem im Umfeld von Léger. Eigene Positionen wurden übersehen oder kleingeredet. Um ihren Lebensunterhalt zu sichern, malte sie über Jahre Porträts.

Kristensen, der bei Museum Sønderjylland für die Sammlung ihrer Werke verantwortlich ist, sieht darin ein strukturelles Problem jener Zeit. Clausen habe konsequent ihren eigenen Weg gesucht, sei aber in Dänemark isoliert geblieben.

Das Hitler-Porträt von Franciska Clausen

Ein Beispiel für ihren künstlerischen Eigensinn ist ein Porträt Adolf Hitlers aus den 1950er-Jahren, das im Buch abgebildet ist. Kristensen betont ausdrücklich, das Bild sei kein politisches Bekenntnis. Vielmehr habe Clausen damit zeigen wollen, dass Kunst sich nicht verbieten lasse. Es gehe um das Recht, die Welt frei und ohne Vorurteil darzustellen – auch wenn das Motiv provoziert. „Es soll nicht als politisches oder psychologisches Porträt betrachtet werden, sondern wirft ein neues Licht auf Franciska Clausens objektives Bestreben, die Welt vorurteilsfrei darzustellen, und ihren ultimativen Kampf für die künstlerische Meinungsfreiheit, in der keine Bilddarstellungen verboten werden können oder dürfen“, interpretiert Kristensen das Bild und seinen Zweck.

Späte Würdigung

Erst spät erhielt ihr Werk größere Aufmerksamkeit. 1986, in ihrem Todesjahr, wurde eines ihrer Werke in der renommierten Ausstellung im Louisiana Museum of Modern Art gezeigt. Eine späte Anerkennung für eine Künstlerin, die ihr Leben lang um ihren Platz rang.

Heute, vier Jahrzehnte nach ihrem Tod, stellt sich die Frage neu: Was bedeutet Franciska Clausen für Apenrade? Sie war eine Frau aus der Vestergade, die den Mut hatte, in die großen Kunstzentren Europas zu gehen. Sie lernte bei den führenden Köpfen der Moderne und brachte diese Impulse zurück in den Norden.

Das neue Buch von Jens Tang Kristensen lädt dazu ein, Clausen nicht nur als historische Figur zu betrachten. Es zeigt eine Künstlerin, die konsequent ihren eigenen Blick verfolgte – auch gegen Widerstände. Für Apenrade liegt darin eine Chance: das kulturelle Erbe der Stadt selbstbewusst zu erzählen und eine Frau sichtbar zu machen, die früh internationale Wege ging.

Das neue Buch über Franciska Clausen erscheint am 5. März 2026.

Das Buch: Franciska Clausen

Titel: Franciska Clausen

Autor: Jens Tang Kristensen

Verlag: Frydenlund

Ersterscheinung: 5. März 2026

135 Seiten, illustriert

Preis: 199,95 Kronen

Teil der Serie „Kunstnens kvinder“ mit bisher erschienenen Titeln „Elisabeth Jerichau„ und „Nicoline Tuxen“