Sommerwetter

Wie Wolkenbrüche scheinbar aus dem Nichts entstehen

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Das „Grøn Koncert“ nach der Evakuierung am Donnerstag. Der Wetterdienst hatte nicht so hohe Regenmengen vorhergesagt.

Das dänische Sommerwetter ist unberechenbar – aber warum fällt es so schwer, dramatische Ereignisse wie Starkregen exakt vorherzusagen?

Am Donnerstag mussten die Veranstaltenden das „Grøn Koncert“ in Esbjerg abbrechen, weil ein heftiger Wolkenbruch über der Stadt niederging. Der Starkregen löste so umfassende Überschwemmungen aus, dass die Polizei davon abriet, sich außer Haus zu begeben.

Der Wetterdienst DMI hatte am Donnerstagvormittag jedoch nur die niedrigste Warnstufe ausgegeben – und die galt nicht spezifisch für Esbjerg, sondern für das ganze Land. An den Tagen zuvor hatte DMI wiederholt vor „sehr gefährlichem Wetter”, der höchsten Stufe gewarnt.

Videnskab.dk“ hat bei Mette Wagner, Meteorologin und Dienstleiterin beim dänischen Wetterdienst DMI, nachgefragt, warum es so schwer ist, Wolkenbrüche präzise zu prognostizieren.

„Eine einzelne Schauerzelle genau vorherzusagen ist in etwa so, als wolle man sagen, welches Popcorn zuerst platzt – oder wo die erste Blase in einem Topf mit kochendem Wasser aufsteigt“, sagt sie.

Insgesamt ist der Sommer unbeständig. Deshalb klingen Sommerwetterprognosen häufig vage: Sonne und Regen mit örtlichen Schauern, eventuell sogar Starkregen und vereinzelten Gewittern.

„Dass sich das Wetter so verhält, ist eigentlich nicht ungewöhnlich – im Gegenteil, es ist eher die Regel als die Ausnahme“, so Wagner.

Heiße Luft macht die Atmosphäre instabil

Wenn es warm ist und die Luftfeuchtigkeit steigt, wird die Atmosphäre instabil – sie gerät aus dem Gleichgewicht.

Warmes, feuchtes Wetter begünstigt das Aufsteigen von Luftmassen, da warme Luft leichter ist als kalte.

Steigt die feuchte Luft auf, dehnt sie sich aus und kühlt ab. Kühlt sie stark genug ab, kann sie weniger Feuchtigkeit halten – der Wasserdampf kondensiert, und es bilden sich Wolken.

Wird der Prozess fortgesetzt, wächst die Wolke, bis sie so viel Feuchtigkeit enthält, dass Regen daraus fällt.

Schauer entstehen scheinbar aus dem Nichts

Selbst wenn ein Sommertag klar und sonnig beginnt, kann es am Nachmittag noch regnen – eine typische Erfahrung im dänischen Sommer.

„Wenn im Tagesverlauf die Temperaturen steigen, erreicht die Atmosphäre ihren sogenannten Auslösepunkt – dann beginnen sich die Kumuluswolken zu bilden“, erklärt Mette Wagner.

Deshalb treten Schauer meist am Nachmittag auf – aber wo und wann genau, ist schwer vorherzusagen.

Mitunter regnet es sogar, obwohl die Wetter-App noch Trockenheit meldet. Auch das hängt mit den instabilen Luftmassen zusammen.

„In einer instabilen Atmosphäre können Schauer aus dem Nichts entstehen. Das geht manchmal so schnell, dass man es nicht rechtzeitig registrieren kann“, sagt Wagner.

Warum Starkregen schwer vorherzusagen ist

In einem früheren Artikel erklärte Bent Sass, Leiter des Zentrums für meteorologische Modelle beim DMI, warum gerade Starkregen eine besondere Herausforderung für die Vorhersage darstellt:

„Wasser ist dabei das große Problem. Stickstoff, Wasserstoff und Sauerstoff liegen in der Atmosphäre in stabilen Verhältnissen vor – aber die Menge an Wasserdampf schwankt stark. Und es ist extrem schwierig, genau zu messen, wie viel Wasser sich in der Atmosphäre befindet, weil es in Form von Wolken, Eiskristallen oder Wassertropfen auftreten kann.“

Trotzdem sei das Radar des DMI ein zuverlässiges Instrument zur kurzfristigen Regenprognose, betont Mette Wagner. Auf dem Live-Pixel-Kartensystem des DMI leuchten gelbe, blaue oder rote Punkte auf der Karte auf, sobald Regen im Anmarsch ist.

Eine Auswertung aus dem Jahr 2024 zeigt: In den allermeisten Fällen liegen die Vorhersagen des DMI richtig.

Zusätzlich empfiehlt Wagner, regelmäßig den „Kommentar des Meteorologen“ auf der DMI-Website zu lesen.

„Dort erfährt man, wie die aktuelle Luftmasse beschaffen ist, wie sie sich anfühlt – und welche Auswirkungen sie auf das Wetter hat“, sagt sie gegenüber „Videnskab.dk“.