„Ich wollte es ausprobieren“ – wie sich Puppenspielerin Maya Raue in Dänemark selbstständig gemacht hat

Maya beantwortet im Büro Mails, schreibt Konzepte und Rechnungen, erledigt ihre Buchhaltung und schneidet kurze Videos für ihre Social-Media-Kanäle. Außerdem probt sie für die Uraufführung ihres neuen Stücks mit ihren Handpuppen.

Selbstständig in Dänemark: Maya Raue ist Puppenspielerin, lebt auf Südalsen und hat ihre Selbstständigkeit bewusst in Nordschleswig aufgebaut. In einem Sonderburger Gemeinschaftsbüro vertieft sie Kontakte in die dänische Arbeitswelt, während sie mit ihren Stücken weiter vor allem in Deutschland auftritt.

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Zusammenfassung

  • Puppenspielerin Maya Raue lebt auf Südalsen und hat ihre Selbstständigkeit bewusst in Dänemark aufgebaut.
  • Sie profitiert von klaren steuerlichen und sozialstaatlichen Regelungen, von denen auch ihre Kinder, etwa beim dänischen Studiengeld, profitieren.
  • Im Gemeinschaftsbüro Domicilet in Sonderburg hat sie ihr berufliches Zuhause, während sie freiberuflich auch durch Norddeutschland tourt.

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Maya Raue lebt seit Dezember 2022 auf Südalsen (Sydals) und hat sich entschieden, ihre Selbstständigkeit nicht in Deutschland, sondern in Dänemark anzusiedeln. „Als ich damals aus Hamburg kam, habe ich gesagt: Ich probiere das einfach aus und schaue in zwei, drei Jahren, wie es ist“, beschreibt sie ihren Schritt. 

Viele Reaktionen in Deutschland fielen zunächst skeptisch aus. „Viele haben gesagt: Maya, bist du bescheuert, mach dich doch in Deutschland selbstständig“, erzählt sie. Sie will jedoch weder Tage an der Grenze zählen noch doppelte Bürokratie bewältigen, meldet ihr Gewerbe in Dänemark an, klärt Fragen zu CVR-Nummer, mit der Steuerbehörde Skat oder digitalen Portalen.

Von so einem Gemeinschaftsbüro wie hier habe ich in Hamburg immer geträumt.

Maya Raue

Heute erlebt sie diese Entscheidung als Vorteil für den Alltag ihrer Familie. „Ich zahle Steuern in Dänemark und alles läuft über das dänische Krankenversicherungssystem – unabhängig davon, ob ich angestellt oder selbstständig bin“, sagt Maya Raue. 

Ihre Kinder profitieren von dieser Klarheit im System. „Da ich meine Selbstständigkeit in Dänemark aufgebaut habe und hier Steuern zahle, haben meine Kinder die gleichen Rechte wie dänische Kinder“, sagt sie und nennt als Beispiel ihren Sohn, der als Abiturient Anrecht auf das dänische Studiengeld (SU) hat.

Statt im Wohnzimmer zu Hause kann sich Maya Raue im Gemeinschaftsbüro einen Platz an einem Schreibtisch nehmen.

Seit rund zwei Jahren nutzt sie das Gemeinschaftsbüro des kommunalen Wachstumsrats „Domicilet“ in Sonderburg (Sønderborg) als berufliches Zuhause. Hier findet sie Struktur, Austausch und einen festen Ort für ihre Arbeit. Maya Raue arbeitet seit vielen Jahren freiberuflich, und tourt durch Schleswig-Holstein, Hamburg und Süddänemark.

Auftritt in Kappeln nach Uraufführung in Sonderburg

Im März steht ihr neues Stück „Kollin Kläff und die Schatztruhe“ beim Figurentheaterfestival in Kappeln auf dem Programm. Wer möchte, kann bei der Uraufführung in Sonderborg dazu kommen, was im kleinen Rahmen im „Domicilet“ stattfindet. 

Gleichzeitig entwickelt die Künstlerin Formate für das Grenzland. Sie hat ein deutsch-dänisches Stück konzipiert, das beide Sprachen verbindet und sich besonders für die Region eignet. „Ganz auf Dänisch habe ich noch nicht gespielt“, sagt Maya Raue. Sie spielt nicht nur in deutschen Kindertagesstätten, Schulen, und Kulturhäuser , sondern auch in Süddänemark, sei es im Tourismusbereich oder in deutschen Kitas in Dänemark. 

Auch Gomathi Siva Sankaran (links) ist selbstständig und nutzt das Domicilet regelmäßig zum Arbeiten. In der Gemeinschaftskantine können sich alle Nutzerinnen und Nutzer an der Kaffeemaschine bedienen.

Für die Organisation dieser grenzüberschreitenden Selbstständigkeit bildet das Gemeinschaftsbüro im Domicilet einen wichtigen Fixpunkt. Maya nutzt dort das günstigste Modell der Start-up-Abteilung: Sie hat keinen festen Schreibtisch, sondern kommt mit dem Laptop und sucht sich bei Bedarf einen freien Platz. „Ich nutze das kleinste Modell, komme mit meinem Laptop und schaue, wo ein Tisch frei ist“, erklärt sie. 

Unkosten im Monat: rund 180 Kronen. Etwa einmal im Monat, je nach Tourplan, arbeitet sie vor Ort, erledigt Buchhaltung, beantwortet Mails und schneidet kurze Videos für ihre Social-Media-Kanäle.

Austausch über die Herausforderungen

Das „Domicilet“ hilft ihr, private und berufliche Sphäre zu trennen. Zuvor arbeitet sie häufig am heimischen Wohnzimmertisch, während Familie und Arbeit ineinanderlaufen. Heute fährt sie nach Sonderburg, setzt sich im offenen Büro oder in der Cafeteria an einen Tisch, schreibt Konzepte, stellt Rechnungen und plant Touren. 

„Von so einem Gemeinschaftsbüro wie hier habe ich in Hamburg immer geträumt“, erzählt sie rückblickend. „Hier habe ich das jetzt – und es fühlt sich an wie in den Büchereien in Sonderburg: Man fühlt sich einfach wohl.“

Kollin Kläff (links) ist die Hauptperson in Maya Raues Puppentheater.

Neben Infrastruktur und Arbeitsplatz bietet das Gemeinschaftsbüro ihr ein Netzwerk. Sie frühstückt freitags manchmal mit anderen, trinkt Kaffee in der Cafeteria und kommt ins Gespräch mit Gründerinnen und Gründern aus unterschiedlichen Branchen. 

Einige Mitglieder im Gemeinschaftsbüro sind Rentnerinnen, die sich nach der Rente selbstständig gemacht haben – etwa als Übersetzerin oder als Beraterin rund um Jobsuche und Gewerkschaft. „Es geht nicht darum, dass alle im gleichen Bereich arbeiten“, sagt Maya, „sondern dass wir über die Herausforderungen in der Selbstständigkeit sprechen können. Dieser Austausch tut mir gut und hilft, den Fokus auf kreative Prozesse zu halten.“

Es ist viel förderlicher, mit Menschen zusammen zu sein, die sagen: Ich freue mich auf das, woran ich arbeite – statt mir ihre ganzen Ängste über Selbstständigkeit rüberzuschwappen.

Maya Raue

Maya Raue erlebt die anderen Selbstständigen im Gemeinschaftsbüro als Menschen, die ihren Weg verstehen und ähnliche Fragen kennen, statt ihr reflexhaft Sorgen über die Risiken der Selbstständigkeit zu spiegeln. Sie beschreibt, dass Gespräche dort eher um konkrete nächste Schritte, Ideen und kreative Prozesse kreisen, anstatt um Ängste, was alles schiefgehen könnte. 

„Es ist viel förderlicher, mit Menschen zusammen zu sein, die sagen: Ich freue mich auf das, woran ich arbeite – statt mir ihre ganzen Ängste über Selbstständigkeit rüberzuschwappen“, erzählt sie.

„Kollin Kläff und die Schatztruhe“

  • „Kollin Kläff und die Schatztruhe“ ist Mayas neues Puppenstück, in dem sie einen Schatz voller Puppenspieltricks zum Nachmachen für Kinder und Erwachsene öffnet. 
  • Die Uraufführung beginnt am 1. März um 11 Uhr im Gemeinschaftsbüro Domicilet am Ellegardvej 36 in Sonderburg. Eine Anmeldung unter Tel. 5524 6208 ist erwünscht.
  • Mehr über das Puppentheater hier.
Maya Raue lebt mit ihrer Familie auf Südalsen, baute ihre Selbstständigkeit in Dänemark auf und tourt mit ihren Stücken durch Kitas, Schulen und Kulturhäuser. Ihr neues Stück heißt „Kollin Kläff und die Schatztruhe“.

Ihr Arbeitsalltag pendelt zwischen Touren in Deutschland, Familienleben auf Südalsen und Bürotagen in Sonderburg. Wenn sie nicht unterwegs ist, probt sie mit ihren Handpuppen, entwickelt neue Figuren, schreibt an Texten und baut parallel ihre Präsenz in den sozialen Medien aus. 

Integration erlebt sie als Prozess, der über Alltagskontakte läuft. „Ich kann gar nicht sagen, dass ich hier viel Dänisch spreche, weil viele Dänen sich wiederum freuen, mit mir Deutsch zu üben“, erzählt sie, „aber mit zwei, drei Leuten spreche ich Dänisch, vor allem beim Kaffee oder Frühstück.“ Sie nimmt an Workshops im Haus teil – etwa zu Marketing – und macht mit, auch wenn sie nicht jedes Wort versteht. „Selbst wenn ich im Marketing schon viel weiß, ist immer etwas dabei, was ich noch nicht weiß“, sagt sie, „und wenn es nur die Sprache ist, die ich mitnehme.“