Flensburg

Rettung für das Deutsche Haus: Ratsversammlung appelliert an Land und Bund

Das Deutsche Haus am Berliner Platz in Flensburg wurde im Jahr 1930 eröffnet.

Das Deutsche Haus war vor fast 100 Jahren ein Geschenk der Reichsregierung an die Bürger von Flensburg. Ab 2028 soll die Veranstaltungsstätte geschlossen werden. Beteiligt sich jetzt der Bund an der dringend notwendigen Sanierung?

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„Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt Peter Thomsen. Seit 30 Jahren betreibt er mit seiner Firma Förde Show Concept das Deutsche Haus, holt regelmäßig bundesweit bekannte Musiker, Comedians und andere Künstler nach Flensburg. Nach aktuellem Stand ist das ab 2028 erst einmal vorbei. Die Stadt Flensburg als Eigentümer der historischen Veranstaltungsstätte hat den Pachtvertrag zum Ende des nächsten Jahres gekündigt.

Das Deutsche Haus muss bald 100 Jahre nach seiner Eröffnung von Grund auf saniert werden, und dafür soll es für zumindest zwei Jahre komplett geschlossen bleiben.

Allerdings sind noch eine ganze Reihe von Fragen offen. Aus Thomsens Sicht lautet die dringendste Frage: Muss die Komplettschließung wirklich sein? Kann man nicht in Bauabschnitten arbeiten und das Haus zumindest temporär immer wieder öffnen? „Sonst wandern die Künstler nach Kiel ab und kommen nie wieder zurück“, warnt er.

Kosten zwischen 20 und 30 Millionen Euro

Im Flensburger Rathaus stellt man sich unterdessen eine ganz andere Frage: Wer soll die Sanierung bezahlen? Oberbürgermeister Fabian Geyer spricht von Kosten zwischen 20 und 30 Millionen Euro, wenn man sich auf das Notwendigste beschränkt, was im Wesentlichen der Brandschutz wäre.

In der Finanzplanung für die nächsten Jahre hat Stadtkämmerer Henning Brüggemann das Deutsche Haus bislang jedoch noch gar nicht eingeplant. Vor diesem Hintergrund appelliert die Ratsversammlung jetzt nahezu einstimmig an das Land Schleswig-Holstein und an den Bund, Verantwortung zu übernehmen. „Eine Übernahme des Löwenanteils, mindestens jedoch drei Viertel der erforderlichen Mittel, entspricht sowohl der historischen Mitverantwortung als auch der überregionalen Bedeutung des Gebäudes“, heißt es in dem Text. Die Resolution soll unter anderem an Kulturstaatsminister Wolfram Weimer übermittelt werden.

Geschenk der Weimarer Republik an Flensburg

Das Deutsche Haus wurde zur Zeit der Weimarer Republik errichtet, nachdem sich 1920 die Menschen in der Region nördlich von Flensburg in einer Volksabstimmung für einen Wechsel nach Dänemark entschieden hatten, die Stadt Flensburg aber mit deutlicher Mehrheit für einen Verbleib in Deutschland gestimmt hatte. Das Deutsche Haus war ein Geschenk der Regierung in Berlin an die Flensburger als Dank für ihre „deutsche Treue“. In der Resolution der Ratsversammlung heißt es nun: „Die Verantwortung für das Deutsche Haus ist historisch geteilt entstanden und heute regional wirksam. Sie kann nicht ausschließlich der Stadt Flensburg auferlegt werden.“

Auch wenn die Finanzierung noch nicht geklärt ist, möchte Geyer auf jeden Fall Anfang 2028 mit der Sanierung beginnen – unabhängig davon, ob es Fördermittel gibt oder nicht. Die Sanierung soll dann auch nicht länger als zwei Jahre dauern. Stadtbaurat Stefan Niemöller habe „die ganz klare Aufgabe, das hinzubekommen“, sagte der Oberbürgermeister in einem Pressegespräch vor der Sitzung der Ratsversammlung. An das Land appelliert Geyer, zumindest anzuerkennen, dass die Stadt Flensburg hier eine Aufgabe von überragender Bedeutung hat. Dann wäre es möglich, zusätzliche Kredite aufzunehmen, ohne dass die Kommunalaufsicht die Genehmigung für den Haushalt verweigert.

Peter Thomsen plant unterdessen längst über das kommende Jahr hinaus. Bekannte Künstler und ihre Agenturen planen ihre Tourneen oft Jahre im Voraus. Thomsen ist mit vielen im Gespräch. „Aber ich kann natürlich nichts unterschreiben, solange der Vertrag für das Deutsche Haus gekündigt ist.“