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Lieder will mehr als nur Tore

Jens Kragh Iversen
Jens Kragh Iversen Sportredaktion
Hadersleben/Haderslev
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Mart Lieder war in Brøndby nur schwer zu bremsen. Foto: Liselotte Sabroe/Ritzau Scanpix

Der 28-jährige Niederländer will ein wichtiger Spieler für die SønderjyskE-Mannschaft werden.

Für die Brøndby-Verteidiger war das Heimspiel gegen SønderjyskE ein Albtraum, nicht zuletzt wegen Mart Lieder. Der 28-jährige Niederländer war beim 4:2-Sieg an den ersten drei Toren beteiligt und scheint in der Superliga immer mehr anzukommen. Eine Überraschung war der Sieg in Brøndby für ihn nicht.

„Nein, wir haben gesehen, wo wir den Raum finden können, um Brøndby weh zu tun. Wir haben ein gutes Team, das jeden Gegner schlagen könne. Wir hätten zum jetzigen Zeitpunkt durchaus mehr Punkte haben können – ich kann zumindest einige Spiele finden, wo wir mehr verdient hätten“, meint Mart Lieder, der seit Saisonbeginn für die Hellblauen stürmt und aus den ersten neun Spielen drei Tore gemacht hat.

Der Stürmer kommt mit der Empfehlung von 30 Toren aus 31 Spielen in der zweitbesten niederländischen Spielklasse für den FC Eindhoven. Lieder will sich aber nicht nur an der Zahl der erzielten Tore messen lassen.

„Selbstverständlich will ich als Stürmer Tore erzielen, aber auf eine bestimmte Zahl habe ich mich nicht festgelegt. Ein Ziel habe ich mir nicht gesteckt. Ich will ein wichtiger Spieler für diese Mannschaft werden“, meint Mart Lieder, der das nicht nur so sagt, sondern in den vergangenen Wochen auch Taten hat folgen lassen und sehr mannschaftsdienlich aufgetreten ist.

Der Niederländer musste sich zu Saisonbeginn auch in diesen Spalten Kritik anhören, dass er zu eigensinnig spielte, nicht zuletzt beim 2:1-Sieg gegen Vendsyssel, doch sein Trainer nahm ihn in Schutz.

„Wir haben lange Zeit einen großen, egoistischen Stürmer vom Typ Elkjær vermisst, der die anderen wegschiebt, um selbst das Tor zu erzielen. Diese Eigensinnigkeit dürfen wir nicht ganz aus ihm rausnehmen, aber es wäre schon gut, wenn er ab und zu nach rechts oder links blickt und einen Mitspieler anspielt“, sagte Claus Nørgaard Mitte August.

„Ich mache vor dem Tor eine Momentaufnahme. Wenn ich nicht an die Möglichkeit glaube, ein Tor zu erzielen, oder wenn ein Mitspieler eine bessere Chance hat, das Tor zu erzielen, spiele ich auch ab – das hat man in den anderen Spielen auch gesehen“, nimmt der Niederländer den Vorwurf der Eigensinnigkeit gelassen.

Tess Wester und Mart Lieder haben sich in Odense niedergelassen. Foto: Tim Kildeborg Jensen/Ritzau Scanpix

Der 28-Jährige kann auf 56 Einsätze in der niederländischen Ehrendivision für Vitesse Arnheim, FC Dordrecht und RKC Waalwijk sowie ein einjähriges Auslands-Abenteuer beim FC Aarau in der Schweiz zurückblicken. Für ihn ist SønderjyskE die zweite Auslandsstation. Dass er in Dänemark landete, war kein Zufall. Seine Lebensgefährtin, die niederländische Handball-Nationaltorhüterin Tess Wester, unterschrieb einen Vertrag bis zum Sommer 2021 bei Odense HC, doch Lieder wehrt sich dagegen, dass er nur im Schlepptau seiner Lebensgefährtin nach Dänemark gekommen ist. Der Wechsel zu SønderjyskE sei auch für seine Karriere ein Schritt in die richtige Richtung.

„SønderjyskE muss sich da nicht verstecken. Das ist ein guter Klub. Das Stadion wird ausgebaut, die Stimmung ist gut und das Training auch. Es gibt keinen Unterschied zwischen SønderjyskE und einem Klub in der Ehrendivision. Ich hatte mich vorher bei Simon Poulsen erkundigt, der ja auch in Eindhoven gespielt hat. Wir haben dort einen gemeinsamen Kumpel“, erzählt Lieder, der in Dänemark auch das vorgefunden hat, was er erwartet hatte: „In Holland dreht sich alles um den Ball, das spielerische steht im Vordergrund. Hier spielt die Physis eine große Rolle, die harte Arbeit und das Laufen ohne Ball. Daran muss ich mich eben gewöhnen.“

Mart Lieder hat bei SønderjyskE bis zum Sommer 2020 unterschrieben.

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