Deutsche Minderheit

BDN beschließt Sexismus-Politik

BDN beschließt Sexismus-Politik

BDN beschließt Sexismus-Politik

Apenrade/Aabenraa
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Ruth Candussi, Parteisekretärin der Schleswigschen Partei, ist froh, dass der Hauptvorstand den Vorschlag der Arbeitsgruppe angenommen hat. Foto: Karin Riggelsen

Auf der Hauptvorstandssitzung in der vergangenen Woche wurde das von der Arbeitsgruppe Gleichstellung ausgearbeitete Papier einstimmig angenommen.

Die deutsche Minderheit in Dänemark hat ihre eigene Sexismus-Politik. Der Hauptvorstand des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN) hat in der vergangenen Woche ein von der Arbeitsgruppe Gleichstellung ausgearbeitetes Papier verabschiedet, welches künftig vorgibt, wie sowohl auf hauptamtlicher als auch auf ehrenamtlicher Ebene innerhalb der Minderheit mit Sexismus und sexueller Belästigung umgegangen wird und wie dem vorgebeugt werden kann.

„Wir sind einfach nur froh und erleichtert, dass nach den vielen Stunden Arbeit, die wir in den vergangenen Monaten in diese Sache hineingesteckt haben, der Vorschlag vom Hauptvorstand einstimmig angenommen wurde“, sagt Ruth Candussi, Parteisekretärin der Schleswigschen Partei und Mitglied der Arbeitsgruppe Gleichstellung des BDN.

Viele Monate Arbeit

Nachdem das Thema Sexismus und sexuelle Belästigung im August vergangenen Jahres durch einen Artikel des „Nordschleswigers“ über die jungen Spitzen in der Minderheit schlagartig auf die Tagesordnung gekommen war, hatte sich die Arbeitsgruppe darangemacht, eine entsprechende Politik für die Minderheit zu formulieren. „Vor allem der Anfang war schwer. Es hat etwas gedauert, bis wir in Schwung gekommen sind, weil wir uns erst einmal schlaumachen und uns von anderen inspirieren lassen mussten, wie wir das genau angehen können. Die letzten Monate waren allerdings sehr produktiv. Wir haben sehr viel formuliert, diskutiert und wieder umformuliert und sind glücklich, dass wir nun ein Papier präsentieren konnten, das der Hauptstand so angenommen hat“, so Candussi.

Die Arbeitsgruppe Gleichstellung

Die Arbeitsgruppe Gleichstellung wurde 2019 vom Hauptvorstand des BDN gebildet. Ihre Aufgabe ist es, die Arbeit mit der 2019 beschlossenen Gleichstellungspolitik in der deutschen Minderheit zu begleiten und Maßnahmen zu unterstützen. Der AG gehören an: Uwe Jessen (BDN), Käthe Nissen (DSSV), Ruth Candussi (SP), Katharina Kley (Junge Spitzen), Karin Müller (Sozialdienst), Anne-Sofie Dideriksen (extern), Marion Petersen (BDN), Lasse Tästensen (DJN), Lene Jepsen (BDN).

Darin formuliert sind neben der klaren Vorgabe, dass „an den Arbeitsplätzen und in den Vereinen der deutschen Minderheit Sexismus und sexuelle Belästigungen nicht toleriert werden“, Maßnahmen zur Prävention und dem Vorgehen in Fällen von Sexismus und sexueller Belästigung. Zudem gibt es auch eine Anleitung, wie im hauptamtlichen und im ehrenamtlichen Bereich die Sanktionen bei Vorfällen aussehen werden. Zu diesen heißt es in dem Papier: „Die Leitung kann gegenüber einem/r Mitarbeiter/in den Umständen entsprechend reagieren in Form einer Verwarnung oder einer anstellungsrechtlichen Sanktion. Das kann eine Abmahnung, eine Kündigung oder fristlose Kündigung sein.“

Der ausformulierte Handlungsplan hat demnach drei Ziele:

  • Die Sicherheit und Geborgenheit für alle Mitarbeiter und Vereinsmitglieder einer Minderheitenorganisation gewährleisten.
  • Sexismus und sexuelle Belästigung sowie den Folgen vorbeugen.

  • Alle Mitarbeiter und Vereinsmitglieder einer Minderheitenorganisation sollen wissen, was in konkreten Fällen von Sexismus und sexueller Belästigung zu tun ist, und wo sie Hilfe bekommen können.

Arbeit noch nicht beendet

So weit die Theorie und die Worte auf einem Stück Papier. Doch wie sollen das Vorhaben und die Politik nun praktisch umgesetzt werden?

„Es wird die Aufgabe der Arbeitsgruppe sein, genau dies jetzt auszuarbeiten. Unsere Arbeit ist noch nicht beendet. Wir haben jetzt eine Grundlage geschaffen, mit der wir im System deutsche Minderheit arbeiten wollen. Nun geht es darum zu überlegen, wie man sie umsetzt“, sagt die Parteisekretärin der SP.

Tatsache sei, dass es nicht damit getan sei, so ein Papier zu beschließen und die Vereine und Verbände nun damit allein zu lassen.

Nachhaltig etwas verändern

„Wenn wir wirklich etwas nachhaltig ändern und bewegen wollen, müssen wir die Thematik auf allen Ebenen der Minderheit vermitteln, von den Schulen bis hin zum Sozialdienst. Wir müssen uns überlegen, welche Werkzeuge wir einsetzen wollen.“

Als Beispiele nennt sie Kurse, Infoabende und das Verteilen von Informationsmaterial. „Klar ist natürlich, dass es nicht mit einer einzelnen Veranstaltung getan ist. Wir müssen überlegen, was wir tun können, um Sexismus und sexueller Belästigung wirklich nachhaltig vorzubeugen“, sagt Ruth Candussi.

Bereits kurz nach Ostern will sich die AG Gleichstellung treffen, um erste Ideen zu sammeln.

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