Baukultur

Gaststätte im Verfall: Bürgerinitiative will Gebäude an der Westküste retten

Gaststätte im Verfall: Bürgerinitiative will Gebäude an der Westküste retten

Gaststätte im Verfall: Bürgerinitiative will Højkro retten

Süderseiersleff/Sønder Sejerslev
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Die Fenster sind mittlerweile mit Holzplatten verrammelt worden. Früher standen sie sperrangelweit offen. Foto: privat

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Bevor der Højkro dem totalen Verfall preisgegeben wird, haben sich engagierte Bürger und Bürgerinnen zusammengetan und wollen am Dienstag einen Freundeskreis gründen. Trine Steinbeck aus Süderseiersleff will teilnehmen.

Der Højkro in Süderseiersleff bei Hoyer (Højer) war früher eine Traditionsgaststätte. Nach dem Verkauf an Theresa Thøgersen von Röm (Rømø), die dort ein Hotel und einen Campingplatz betreibt, ist das Gasthaus zusehends verfallen. Heute ist es nur noch ein Schatten seiner selbst. Es steht seit zehn Jahren leer.

Die Schäden sind so umfassend, dass Gebäudeteile schon auf den nahegelegenen Friedhof gefallen sind. Dem natürlichen Verfall folgten Vandalen. Im Inneren sieht es aus, als sei ein Tsunami durch das Gebäude gefegt. Es steht seit 1950 unter Denkmalschutz.

Das Innere der Gastwirtschaft ist verwüstet. Foto: Brigitta Lassen
Die frühere Gastwirtschaft Foto: Brigitta Lassen

Da sich die Gaststätte im Privatbesitz befindet, konnte die Denkmalschutzbehörde auch nicht eingreifen. Nun ist es Bürgerinnen und Bürgern zu viel geworden. Auf die Initiative von Simon Peter Christiansen aus Ballum haben sie sich zunächst in der Facegruppe Højkros Venner zusammengetan. Mehr als 767 Personen haben sich bis Montag angeschlossen.

Gründungsgeneralversammlung

Am Dienstag soll auf dem Ferienhof Klægager ein Freundeskreis gegründet werden. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr. Eine, die bestimmt an der Gründungsgeneralversammlung teilnehmen will, ist Trine Steinbeck aus Süderseiersleff.

Regen und Schnee konnten früher durch die kaputten und offenstehenden Fenster dringen. Foto: Brigitta Lassen

„Natürlich gehe ich hin. Ich freue mich auf dieses Treffen und dass etwas mit dem Højkro passiert. Ich habe dort Anfang der 1990 Jahre auch einige Monate gearbeitet. Bei der damaligen Gastwirtin Tove Sørensen habe ich das Kochen gelernt. Aber eine Gaststätte wird es nie mehr. Es ist viel zu schwer, Personal zu finden“, meint sie.

Trine Steinbeck nimmt an der Generalversammlung teil. Foto: privat

Der Krug und sein Verfall sei der Dorfbewohnerschaft ein Dorn im Auge, erzählt sie. „Man sollte dort einen Bed- and Kitchen-Betrieb einrichten, in dem die Gäste selbst ihr Frühstück machen“, so ihr Vorschlag.

Die jetzige Besitzerin will ebenfalls an der Generalversammlung teilnehmen. Mit ihr befindet sich Christiansen im Dialog. Andere seien auch mit Ideen an ihn herangetreten, erklärt Christiansen auf Facebook. Er schätzt, dass bis zu 200 Personen an der Generalversammlung teilnehmen werden.

Ziel ist es, den Erhalt der Gaststätte zu sichern. Sieben Personen sollen in den Vorstand gewählt werden.

    Gepflegt sah das Gasthaus früher aus. Foto: Archiv Süderseiersleff

    Die letzten Besitzer, die dort als Gastwirte wirkten, waren Tove Sørensen und ihr Mann Karl. Sie kauften den unter Denkmalschutz stehenden Betrieb 1954 und führten ihn bis ins hohe Alter. Im Jahr 2000 verkauften sie ihn dann aber aus Altersgründen.

    Thøgersen gab auf, den Betrieb weiterzuführen und soll mehrfach versucht haben, Käufer und Investoren zu finden. Auch ihre Bemühungen, eine Pächterin oder einen Pächter zu finden, scheiterten.

    Königlich privilegiertes Gasthaus

    Das heutige Haupthaus des Højkros wurde Mitte des 17. Jahrhunderts gebaut. Im Jahr 1640 wurden ihm königliche Privilegien verliehen. Das bedeutet, dass diese Gasthäuser vom dänischen König ausgezeichnet und von der Königsfamilie bei Ausflügen und im Urlaub als Domizil genutzt wurden.

    Nachweisbar ist, dass dort schon im Jahr 1130 Gastwirtschaft betrieben wurde, als die Kirche in Emmerleff als unmittelbarer Nachbar gebaut wurde. Der Gasthof gehörte früher zu den Besitztümern von Schackenborg in Mögeltondern (Møgeltønder), bis ein Kopenhagener Kaufmann ihn kaufte. Ab 1867 wurden dort auch Gerichtsprozesse der Harde Hoyer durchgeführt. Die Gebäude stehen seit 1950 unter Denkmalschutz.

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