Kommunalwahl

Bürgermeister Popp: „Nach einer Stunde zeigten alle auf mich“

Bürgermeister Popp: „Nach einer Stunde zeigten alle auf mich“

Popp: „Nach einer Stunde zeigten alle auf mich“

Tondern/Tønder
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Jørgen Popp Petersen ist neuer Bürgermeister der Kommune Tondern. Foto: Jane R. Ohlsen

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Eine Mehrheit im Tonderner Stadtrat steht hinter SP-Mann Jørgen Popp Petersen als neuem Bürgermeister. Die Verantwortung für die politische Unruhe in Tondern ist bei Frandsen platziert worden.

Die Schleswigsche Partei hat ihren ersten Bürgermeister seit den Kriegsjahren: Jørgen Popp Petersen nutzte die Gunst der Stunde – sprich: den Ärger im Tonderner Stadtrat –, um sich die nächsten vier Jahre an die Spitze der Kommune zu setzen.

„Der Nordschleswiger“ erwischte ihn am frühen Morgen nach dem ersten Radio-Interview – und vor dem Zubettgehen.

„Ich habe überhaupt noch nicht geschlafen. Ich lege mich gleich hin und mache das Telefon aus“, sagte Popp – müde, aber erleichtert und vor allem zufrieden.

Die Schleswigsche Partei hatte am Dienstag ihre Stimmenzahl mehr als verdoppelt auf 2.711.

Alternative zu Streithähnen

Der Landwirt aus Seewang (Søvang) war im Vorfeld der Kommunalwahlen mehrfach als Bürgermeister-Alternative zu den Streithähnen Henrik Frandsen (Tønder Listen) und Martin Iversen (Venstre) erwähnt worden. Am Wahlabend dann der klare Sieg der Tønder Listen über Venstre. Frandsen erzielte ein Rekordergebnis, Iversens persönliche Stimmenzahl war dagegen enttäuschend – ein klares Wähler-Signal.

Doch die sechs übrigen Parteien im Stadtrat wollten einen Neuanfang – und geben somit gleichzeitig Frandsen die Verantwortung für die Unruhe und den Ärger im Stadtrat in den vergangenen vier Jahren. Die Probleme führten zunächst dazu, dass Venstre intern auf Martin Iversen als Spitzenkandidat setzte. Henrik Frandsen verließ danach seine Partei und gründete aus Protest die Tønder Liste.

„Ja, die Tønder Liste und Frandsen hatten eine gute Wahl, aber alle anderen Parteien haben im Wahlkampf gesagt, dass sie einen Neuanfang wollen. Immerhin haben wir gemeinsam 21 Mandate“, sagt Jørgen Popp Petersen.

Lösung ohne Frandsen

Es sieht aus, als hätten alle Parteien einen Hauptschuldigen für die Probleme der vergangenen Jahre ausgemacht?

„Ja, es war recht schnell klar für die sechs Parteien, dass es eine Lösung ohne Frandsen als Bürgermeister geben würde. Wir wollen aber die breite Zusammenarbeit, und ich sehe daher gerne, dass die Tønder Liste sich uns noch anschließt, damit wir eine noch breitere Konstituierung bekommen“, erklärt der kommende SP-Bürgermeister.

Wann wurde dir klar, dass du Bürgermeister werden würdest?

„Nach etwa einer Stunde haben alle auf mich gezeigt. Ich denke, das hat zum einen mit meinem persönlichen Wahlergebnis zu tun, zum anderen damit, dass die anderen Parteien wissen, was sie bekommen und wofür ich stehe“, sagt Jørgen Popp Petersen.

Er hatte über 1.900 Stimmen bekommen und holte nach Frandsen (3.761) die meisten Stimmen. Martin Iversen und die Sozialdemokratin Barbara Krarup Hansen erhielten nur um die 500 bis 600.

Warum sollte es für dich leichter werden, die politische Arbeit in Tondern zu leiten, als für Frandsen?

„Zunächst, weil die anderen Parteien im Stadtrat alle einen Neubeginn haben wollen und mir vertrauen. Und weil die Tønder Liste hoffentlich auch die breite Zusammenarbeit möchte, und wir am Ende alle das Beste für die Kommune Tondern wollen.

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Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Minderheit mit Mut zur Zukunft“