Grenzland-Mobilität

Buslinie 110: Mitfinanzierung durch Schleswig-Holstein nicht sicher

Buslinie 110: Mitfinanzierung durch Schleswig-Holstein nicht sicher

Buslinie 110: Mitfinanzierung durch Schleswig-Holstein nicht

Flensburg
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Wird von der Stadt Flensburg bezuschusst, aber nicht vom Land Schleswig-Holstein: die Buslinie 110. Foto: Martin Ziemer/Flensborg Avis

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Die Buslinie 110 wird als eine der wenigen grenzübergreifenden ÖPNV-Verbindungen von der Stadt Flensburg kofinanziert. Bei vielen Akteuren besteht der Wunsch, dass das Land Schleswig-Holstein den Erhalt der Linie in Zukunft finanziell unterstützt. Auch Flensburgs Stadtdezernent Stephan Kleinschmidt wünscht sich eine gemeinsame Lösung.

Unabhängig von der aktuellen Prüfung, ob Studierende die Buslinie 110 von Flensburg nach Sonderburg (Sønderborg) künftig im Rahmen ihres Semestertickets ohne Zusatzkosten nutzen können, ist die Finanzierung der grenzüberschreitenden Buslinie nur noch in diesem Jahr in trockene Tücher gewickelt. 

Derzeit entsteht für den Betreiber Sydtrafik durch die Fahrt der Linie 110 auf deutscher Seite jährlich ein Defizit von 175.000 Euro (rund 1,3 Millionen Kronen). Etwa 2.000 Euro davon werden für ZOB-Nutzungsentgelte und etwa 12.000 Euro für das Umsteigerecht an Aktiv-Bus fällig, damit die Fahrgäste beispielsweise mit dem Stadtbus zum Citti-Park weiterfahren können.

Die Stadt Flensburg bezuschusste die Buslinie im Jahr 2023 mit 25.000 Euro, im Jahr 2024 sind es 50.000 Euro. Ende 2023 sollte eine erneute Abstimmung nach der Evaluation der Nutzungszahlen erfolgen. Spätestens im 2. Quartal 2024 sollen die Ergebnisse eigentlich vorgestellt und auf deren Basis im Herbst eine Entscheidung über die weitere Mitfinanzierung gefällt werden. Ausgang offen. 

Schon im Oktober forderte die Stadt Flensburg eine Unterstützung bei der Finanzierung durch das Land Schleswig-Holstein. Dafür gibt es auch eine breite Zustimmung, passiert ist jedoch noch nichts. Bei Sydtrafik freut man sich zwar über die Kofinanzierung der Stadt Flensburg, würde aber ebenfalls eine finanzielle Unterstützung aus Kiel begrüßen.

„Die Stadtverwaltung hatte damals beim Beschluss der Förderung zugesagt, die Linie evaluieren zu wollen. Diese Evaluierung fehlt bis heute“, moniert der Grüne Fraktionsvorsitzende Leon Bossen. Im Rahmen dieses Dialoges werde man dann natürlich auch über die weitere Förderung sprechen.

Die Haltung ist momentan eher ablehnend, dabei müsste der grenzüberschreitende ÖPNV eigentlich im Interesse des Landes sein.

Sybilla Nitsch

Stärkere Beteiligung Dänemarks gewünscht

Bossen würde gerne eine Beteiligung beider Länder an der Linie sehen. „Natürlich würde ich mir wünschen, dass die dänische Seite sich stärker für die Förderung des grenzüberschreitenden ÖPNVs einsetzt. Gleiches gilt aber übrigens für die schleswig-holsteinische Seite.“

„Die deutsch-dänische Grenzregion ist ein echter Fund, aber sie braucht Engagement, um sich weiterzuentwickeln“, so Bossen. Deshalb dürfe die Entwicklung dieser Linie und des grenzüberschreitenden ÖPNVs im Ganzen nicht nur an die Kommunen ausgelagert werden. „Es braucht auch den starken Einsatz von Schleswig-Holstein und Dänemark.“

Ablehnende Haltung beim Land Schleswig-Holstein

Sybilla Nitsch vom Südschleswigschen Wählerverband (SSW) sagte dem „Nordschleswiger“ am Telefon, dass die Landesregierung leider nicht der Meinung sei, Schleswig-Holstein müsse die Buslinie finanziell unterstützen. So sehe man in Kiel eher eine regionale Zuständigkeit, sagt die Politikerin.

„Die Haltung ist momentan eher ablehnend, dabei müsste der grenzüberschreitende ÖPNV eigentlich im Interesse des Landes sein.“ Nitsch betont, dass auch etwa das Verkehrsunternehmen Nah.SH ein Interesse an grenzüberschreitenden Buslinien und einer Teilfinanzierung hätte.

Wenn wir uns einig sind, dass diese Linie wichtig für die Menschen im Grenzland ist, dann müssen wir eine Lösung finden.

Stephan Kleinschmidt

Im Wirtschafts- und Digitalisierungsausschuss des Landtages wurde das Thema immer wieder vertagt – zuletzt am 17. Januar. Die nächste Beratung zur Finanzierung der Buslinie 110 soll nun im März stattfinden. „So lange sehe ich noch Chancen“, sagt Nitsch. Sie hofft, dass der erneute Vorstoß aus Flensburg das Thema noch einmal nach oben auf die Tagesordnung hievt.

Stephan Kleinschmidt: Alle müssen Beitrag leisten

Für den Flensburger Stadtdezernenten Stephan Kleinschmidt ist klar, dass alle einen Beitrag leisten müssen – auch das Land Schleswig-Holstein. „Wenn wir uns einig sind, dass diese Linie wichtig für die Menschen im Grenzland ist, dann müssen wir eine Lösung finden.“

Das habe man in Flensburg auch gemacht, obwohl das ÖPNV-System eine Förderung nicht vorsieht und die Stadt eigentlich nicht zuständig für die Linie ist. Man sei trotzdem aktiv auf Betreiber Sydtrafik zugegangen und habe mit der finanziellen Unterstützung einen Beitrag geleistet, die Linie zu sichern. „Wir haben da eine Brücke gebaut“, so Kleinschmidt. 

Die Stadt Flensburg habe ein Interesse am Erhalt der Linie und nehme daher auch aktiv an Verhandlungen mit verschiedenen Akteuren teil. 

Es braucht eine Verkehrswende

Auch die Grünen wollen die Linie gerne erhalten. „Für uns Grüne ist aber erst mal schon mal fest, dass uns der grenzüberschreitende ÖPNV wichtig ist“, so Bossen. Ein Großteil des Grenzverkehrs finde heute über den Individualverkehr statt. „Wir wollen und brauchen da mittelfristig die Wende, und das geht nur über Ausbau des grenzüberschreitenden ÖPNV – ein Rückbau bestehender Strukturen wäre deshalb aus unserer Sicht auf den ersten Blick falsch.“

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