Trekantsområdets Festwoche

Den „Beifang“ im Fokus: Klima-Kunstwerk feiert Weltpremiere

Den „Beifang“ im Fokus: Klima-Kunstwerk feiert Weltpremiere

Den „Beifang“ im Fokus: Klima-Kunstwerk feiert Weltpremiere

Hadersleben/Haderslev
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„Bycatch“ heißt das Kunstwerk, das die befreundeten Künstler Abie Franklin (l.) und Daniel Hölzl eigens für die Festwoche der Dreiecksregion entworfen haben. Foto: Annika Zepke

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Nicht nur Tretboote und Gänse zieren in dieser Woche den Haderslebener Innendamm, sondern auch weiße Wellenbrecher und Fischernetze. Die Gegenstände sind Teil einer Installation des Berliner Künstlerduos Abie Franklin und Daniel Hölzl. Welch wichtige Botschaft sich hinter dem Werk verbirgt, verraten die beiden im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“.

Wellenbrecher auf dem Haderslebener Innendamm mögen auf den ersten Blick überflüssig erscheinen, dienen die Beton-Blocksteine doch eigentlich zum Schutz von Ufer und Häfen vor starkem Seegang.

In dieser Woche haben sich aber dennoch weiße Tetrapoden auf den Damm verirrt. Wobei von verirren keine Rede sein kann: Die originalgetreuen Wellenbrecher sind Teil einer Kunstinstallation, die am Mittwochnachmittag in der Domstadt Premiere feierte und zugleich den Startschuss für die 9. Ausgabe der Festwoche der sogenannten Dreiecksregion lieferte.

Kunstwerk aus Berlin eröffnet die Festwoche

Verantwortlich für das Werk namens „BYCATCH“ sind die in Berlin lebenden Künstler Abie Franklin und Daniel Hölzl. Die beiden kennen sich aus ihrer Studienzeit an der Kunsthochschule Berlin Weißensee und hatten schon lange vor, ein gemeinsames Projekt zu starten, wie sie dem „Nordschleswiger“ am Rande der Eröffnungsfeier im Dammpark erzählen.

Die begehbare Kunstinstallation soll Spaß machen und zum Nachdenken anregen. Foto: Annika Zepke

Die Festwoche der Dreiecksregion, „Trekantsområdets Festuge“, schien dafür wie gemacht, zumal Hölzl bereits im vergangenen Jahr bei der Festwoche mit seinen Installationen Aufsehen erweckte.

Nebeneffekte im Blick

Mit ihrem Kunstwerk BYCATCH, das nicht durch Zufall nach dem in der Fischindustrie geläufigen Begriff „Beifang“ benannt wurde, wollen sie nun auf unerwünschte Nebeneffekte von menschlichen Eingriffen in die Natur aufmerksam machen.

Vor allem den Küstenschutz nehmen die beiden mit ihrer schwimmenden Kunstinstallation aus aufblasbaren Tetrapoden und Fischernetzen in den Fokus – und in die Kritik.

Kunst hat die Rolle, auf leichte Art und Weise Zugang zu sehr komplexen Themen zu finden. Also geht raus und spürt den Wind und das Wasser!

Abie Franklin, Künstler

„Die Wellenbrecher werden an den Küsten dazu verwendet, um das Wegspülen des Sandes zu stoppen. Das hilft jedoch nichts gegen steigende Meeresspiegel. Im Gegenteil, dadurch steigt dieser nur noch weiter“, erklärt der aus Österreich stammende Daniel Hölzl. „Man versucht, Landverluste zu verhindern und ertränkt sich dadurch sozusagen selbst.“

Ähnlich und doch grundverschieden

Die jungen Künstler haben nach eigener Aussage viel zu dem Thema recherchiert und sich daher bewusst für ein Kunstwerk entschieden, das zwar optisch den Wellenbrechern gleicht, sich in seiner Aufmachung jedoch drastisch von den Beton-Blocksteinen an den Küsten des Landes unterscheidet.

„Unsere Installation ist luftig leicht, sie passt sich an die Natur an. Sie ist ständig in Bewegung“, sagt Franklin, der eigentlich aus Israel kommt, „nicht so, wie die Tetrapoden aus Beton, die gegen die Natur arbeiten.“

Die beiden Künstler Abie Franklin (l.) und Daniel Hölzl kennen sich aus ihrer Studienzeit an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Foto: Annika Zepke

Für ihr Kunstwerk haben die beiden gewebten Stoff mit einer PVC-Beschichtung gewählt. „Das ist zwar leider auch Plastik, aber immerhin ist es recycelbar und in Deutschland produziert“, betont Hölzl. Zumal das Kunstwerk in Zukunft keineswegs in den Müll wandern soll.

Betreten ausdrücklich erwünscht

„Das hier war erst der Anfang“, sind Abie Franklin und Daniel Hölzl sich einig. Denn schon bald zieht BYCATCH weiter: Im Rahmen der Festwoche wird das Werk noch im Hafen von Fredericia und in der Koldinger Au zu erleben sein.

Bis zum 29. August können aber erst einmal die Haderslebenerinnen und Haderslebener in den Genuss der begehbaren Installation kommen. „Es soll Spaß machen“, erklärt Abie Franklin das Konzept des Werkes. „Kunst hat die Rolle, auf leichte Art und Weise Zugang zu sehr komplexen Themen zu finden. Also geht raus und spürt den Wind und das Wasser!“

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Walter Turnowsky ist unser Korrespondent in Kopenhagen
Walter Turnowsky Korrespondent in Kopenhagen
„So sieht Klimawandel aus“