Soziales

Kommunen im Einsatz gegen Pflegenotstand

Kommunen im Einsatz gegen Pflegenotstand

Kommunen im Einsatz gegen Pflegenotstand

Apenrade/Aabenraa
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Bis 2020 fehlen nach Schätzungen der Kommunen bis zu 40.000 ausgebildete Arbeitskräfte in der Altenpflege in Dänemark. Foto: Sara Gangsted / Ritzau Scanpix

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Der Verband „Kommunernes Landsforening“ (KL) hat einen neuen Handlungsplan präsentiert: mehr Ausbildung, mehr Qualität bei der Arbeit und Halten derzeitiger Beschäftigter. „Sosu“-Schulen kritisieren Hindernisse für ausländische Ausbildungswillige.

Der Verband der 98 dänischen Kommunen, „Kommunernes Landsforening“ (KL), hat mit der Vorlage eines Handlungsplans auf den sich abzeichnenden zunehmenden Mangel an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Pflege älterer Menschen reagiert. „Es gibt kein Patentrezept, das die Rekrutierungs-Herausforderungen löst. Wir haben die gut erreichbaren Früchte bereits alle gepflückt“, beschreibt der für die Pflege in kommunaler Regie zuständige Vorsitzende des Ausschusses für Löhne und Personal des Verbandes KL, Michael Ziegler.

Der konservative Kommunalpolitiker Michael Ziegler leitet bei KL den Ausschuss für Löhne und Personal. Foto: KL

Als Einsatzgebiete nennt der Verband die erhöhte Aufnahme von Auszubildenden an den Schulen für Sozial- und Gesundheitsassistentinnen und -assistenten (Sosu). Ebenso die Motivation von mehr Personal mit den erforderlichen Kompentenzen für den Beruf und den verstärkten Einsatz von „digitalen Wohlfahrtslösungen“, heißt es in einer Mitteilung von KL.

Viele wechseln den Job

Ein großes Problem ist es, dass viele als „Sosu“ ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schon nach wenigen Jahren ihre Einsatzgebiete in Pflegecentern und Heimpflege meist für ältere Menschen verlassen. In der neuesten Ausgabe der KL-Zeitschrift wird die sich zuspitzende Lage beim Personalmangel in der Altenpflege mit Zahlen untermauert: In den kommenden zehn Jahren erhöht sich die Zahl der Menschen in Dänemark, die älter als 80 Jahre sind, um 160.000. Zugleich verlassen viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den kommunalen Pflegebereich, weil sie das Pensionsalter erreichen. Bis 2030 werden 40.000 Sosu-Kräfte fehlen.

Vollzeit statt Teilzeit

Zu den vielen Anregungen des Kommunenverbandes, die im Handlungsplan zu finden sind, zählt die Zielsetzung, mehr Beschäftigte für den Einsatz in Vollzeit statt in Teilzeit zu motivieren. Außerdem wird auf verbesserte Lohnbedingungen in Verbindung mit dem jüngsten Tarifvertrag und verbesserte Aufstiegsmöglichkeiten hingewiesen. Nicht erwähnt wird das Thema Rekrutierung von ausländischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, das beim Einsatz gegen den Pflegenotstand in Deutschland ganz oben auf der Tagesordnung steht. Ganz oben im Handlungsplan heißt es, die Zahl der neu ausgebildeten Sosu-Kräfte müsse deutlich erhöht werden.

In Apenrade ist die Sosu-Ausbildungsstätte modernisiert worden. Foto: Sosu-Syd

Es wird auf günstige Fördermöglichkeiten für Arbeitslose hingewiesen, die 110 Prozent Arbeitslosentagegeld erhalten, wenn sie eine Sosu-Ausbildung absolvieren. Erwähnt wird allerdings auch, dass eine hohe Ausbildungsqualität erforderlich sei, damit die neu Ausgebildeten auch die Voraussetzungen erfüllen können, die es im Senioren- und Gesundheitsbereich gibt.

Ausbildungschance für Ältere

Außerdem wird darauf verwiesen, dass bei Personen im höheren Alter eine Sosu-Ausbildung gefördert wird, aber auch, dass an den Schulen die Abbrecherquote sehr hoch ist. Die Zeitung „Jyllands-Posten“ berichtet am Mittwoch, dass zum Ärger der Sosu-Schulen, in Nordschleswig gibt es Ausbildungsangebote in Hadersleben (Haderslev), Tondern (Tønder), Apenrade und Sonderburg (Sønderborg), ein Potenzial von Interessentinnen und Interessenten mit ausländischer Staatsbürgerschaft von einer Sosu-Ausbildung abgehalten werde.

„Nutzergebühr" bremst Ausbildungswillige

Ursache sei die Bestimmung, dass ausländische Bewerberinnen und Bewerber eine Nutzergebühr in Höhe von 40.000 bis 60.000 Kronen für einen fünfmonatigen „Einführungsverlauf“ leisten müssen, wenn sie in ihrem Heimatland bereits eine Ausbildung mittlerer Länge oder ein längeres Studium absolviert haben. Die Vorsitzende des Verbandes der Sosu-Schulen, Lisbeth Nørgaard, spricht von einer paradoxen Verschwendung von Kompetenz. Laut „Jyllands-Posten“ halten sich viele Partnerinnen und Partner von osteuropäischen Mitarbeitenden in der Landwirtschaft, in Schlachtereien und Serviceberufen in Dänemark auf, die oftmals in pädagogischen Berufen ausgebildet sind oder sogar Wirtschafts- und Jurastudien in ihren Heimatländern abgeschlossen haben, die aber in Dänemark nicht anerkannt werden.

Folketingspolitikerinnen fordern Verbesserungen

Oft seien Frauen betroffen, die Interesse hätten, in den Sosu-Bereich zu wechseln. „Die osteuropäischen Frauen können ihre Ausbildung aus dem Heimatland nicht nutzen, und sie können auch nicht in eine Beschäftigung wechseln, wo wir nach Arbeitskräften schreien“, so der Bürgermeister der Kommune Varde, Erik Buhl (Venstre), zu „Jyllands-Posten“. In seiner Nachbarkommune Vejen und in anderen Orten hat die kommunale Kasse laut der Zeitung mehrfach die Gebühren für den fünfmonatigen Einführungskursus übernommen, um dort lebenden Personen eine Sosu-Ausbildung zu ermöglichen. Sowohl die Gesundheits- und Seniorensprecherin der Sozialistischen Volkspartei (SF), Kirsten Normann Andersen, als auch die zuständige Sprecherin der Konservativen im Folketing, Mette Abildgaard, fordern gezielten Einsatz, um ausländisches Personal für den Einsatz in der Altenpflege in Dänemark zu rekrutieren. Die SF-Politikerin fordert einen Plan, damit besonders auch die sprachlichen Voraussetzungen dieser Gruppe gefördert werden.

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