Grüne Umstellung

Upcyceln und reparieren statt wegwerfen

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„Smitten“ ist eine isländische Dating-App, die seit einigen Jahren verstärkt von dänischen Jugendlichen genutzt wird. Der englische Name führte anfangs auf dem dänischen Markt zu Missverständnissen. Auf Dänisch bedeutet Smitten „die Ansteckung“. Auf Englisch heißt es „geschlagen“. Auf dem Workshop haben die Jugendlichen mit der Doppeldeutigkeit des Begriffes gespielt, als sie den langweiligen Fischerhut mit ein paar Farbklecksen und einem Aufdruck in ein regelrechtes Fashion Item verwandelten.

Jugendliche aus dem Grenzland erfuhren beim dritten grenzüberschreitenden Jugendklimatag, wie sie Klimafreundlichkeit in ihren Alltag einbauen können.

Fahrrad statt Auto. Reparieren, statt neu zu kaufen. Müll reduzieren. Umweltbewusster essen. Das waren schon mal vier Ideen dafür, wie man seinen Alltag klimafreundlicher gestalten kann. Rund 500 Neunt- und Zehntklässler aus deutschen und dänischen Schulen im Grenzland nahmen in dieser Woche an einem grenzüberschreitenden Jugendklimatag teil. Diese Veranstaltung ist von der Kulturvereinbarung Sønderjylland-Schleswig initiiert worden und wird von ihr auch mitfinanziert. Gastgeberin war in diesem Jahr die Kommune Apenrade.

Die örtliche Arena war zu diesem Zweck in eine große Workshopmeile verwandelt worden. An den 19 Ständen setzten sich die Schülerinnen und Schüler unterschiedlich mit der Thematik auseinander.

Ein Thema, unterschiedliche Herangehensweisen

In einem Workshop wurde ein Podcast erstellt. Gegenüber versuchten Jugendliche, eine Lichterkette wieder zum Leuchten zu bringen, während eine andere Gruppe aus alter Kleidung coole Anziehsachen kreierte.

Lebensmittelverschwendung war natürlich auch ein Thema, mit dem sich die Neunt- und Zehntklässler beschäftigten. Es wurde kunterbunt durcheinander Deutsch und Dänisch gesprochen.

Repair Café zu Besuch

Der Stand des Repair Cafés war ständig gut besucht. Die Zweisprachigkeit von Werner Sternberg (l.) war beim grenzüberschreitenden Jugendklimatag von Vorteil.

Das Repair Café Apenrade, das alle 14 Tage, jeweils dienstags in den geraden Jahreswochen, von 17 bis 19 Uhr im NygadeHuset seinen kostenlosen Service anbietet, hatte eigens für den Jugendklimatag schon am Vormittag in der Arena eine „Filiale“ geöffnet.

Einige Jugendliche hatten von zu Hause Dinge mitgebracht, die nicht mehr funktionierten. Darüber hinaus waren die Repair-Café-Bastler selbst zum „Shopping“ auf dem Wertstoffhof gewesen. Aus den Containern mit defekten Sachen hatten sie vornehmlich Elektrogeräte mitgenommen, die aus irgendwelchen Gründen ihren Geist aufgegeben hatten.

Tipps und Tricks von Fachleuten

Die Jugendlichen erhielten zwar Hilfestellung von den Experten, mussten aber selbst die Reparaturen durchführen.

Aufgabe der Jugendlichen war es nun – unter der Anleitung der Experten – auf Fehlersuche zu gehen. „Habt keine Angst. Öffnet die Geräte, schaut einfach mal rein, wie sie von innen aussehen“, lautete der vornehmste Tipp von Werner Sternberg aus dem Repair Café.

So wurden Bohrer, Winkelschleifer, Computerschirme und Weihnachtsdeko-Gegenstände mutig geöffnet. Manchmal war dann schon auf den ersten Blick die Fehlerquelle lokalisiert. In anderen Fällen gab ein Widerstandsmesser einen guten Hinweis darauf, ob es am Stromkreislauf liegen könnte. Ganz häufig konnte das defekte Gerät wieder zum Laufen gebracht werden.

Zurück in den Kreislauf

Der junge Mann auf dem Foto erhielt großes Lob für seine saubere Lötung. Dass die Lichterkette dennoch nicht leuchtete, frustrierte ihn ein wenig. Allerdings hatte just diese Weihnachtsdeko eine Reihenschaltung. Da eine Elektrokerze fehlte, funktionierte die gesamte Lichterkette nicht.

In einem Fall muss nur ein kleines Ersatzteil bestellt und anschließend eingebaut werden. Das Teil kostet nur wenige Kronen. Es scheint aber eine Schwachstelle dieses Elektrogeräte-Herstellers zu sein, denn nicht zum ersten Mal haben die Männer des Repair Cafés genau dieses Teil auswechseln müssen, damit das Werkzeug wieder funktionstüchtig ist.

Es gab allerdings auch das ein oder andere Teil, wo auch das Expertenteam des Repair Cafés feststellen musste: „Das geht nicht mehr zu reparieren. Das kann ausgeschlachtet werden. Was gebraucht werden kann oder noch einen Wert hat, wird in den Kreislauf zurückgeführt. Der Rest landet im Müll.“

Upcycling von Kleidung

Arwos hatte viele Garderobenmeter T-Shirts, Kleider und unterschiedliche Accessoires mitgebracht. Einige Sachen erhielten durch coole Aufdrucke neues Leben, aus anderen wurden komplett neue Anziehsachen entworfen.

Der Wertstoffhof der Kommune Apenrade hatte auch andere Stände mit Material versorgt. Arwos selbst hatte mehrere Garderobenstangen mit T-Shirts, Kleidern und Hosen gefüllt. „Wir haben den Jugendlichen verschiedene Drucktechniken gezeigt“, erzählt Theis Kylling Hommeltoft. Der Lokalpolitiker ist hauptberuflich als Vermittlungskonsulent bei der Apenrader Versorgungsgesellschaft Arwos tätig. Eine seiner Aufgaben ist es, den Menschen den Sinn und die Vorteile einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft nahezubringen. Dazu gehören auch nachhaltige Kleidergewohnheiten. So wurde aus einem schon verwaschenen, einfarbigen T-Shirt ein stylishes Shirt mit cooler Aussage und aus dem langweiligen Fischerhut ein trendiges Unikat. Der achtsame Umgang mit Konsumgütern kann durchaus auch Spaß machen und von den Jugendlichen mit dem Lob „krass“ gutgeheißen werden.

Ziel der Veranstaltung ist es, das Wissen über Klima und die grüne Umstellung zu stärken.