Natur und Umwelt

Greifer, Glück und jede Menge Zigarettenkippen: Unser Abenteuer beim „Ren Dag“

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Am Ende wurden die Dosen und Flaschen mit Pfand aussortiert und im Flaschenautomat zu barer Münze eingetauscht. Der Erlös wurde unter den teilnehmenden Kindern verteilt.

Müll sammeln kann mehr sein als nur Arbeit – es kann auch ein Abenteuer sein! Gemeinsam haben wir in Apenrade nicht nur die Natur gesäubert, sondern auch das Frühlingserwachen der Vögel gefeiert und uns über unerwartete Funde wie Pfandflaschen und einen 50-Kronen-Schein gefreut.

In Apenrade hieß es am Sonntag, 6. April, wieder: Ärmel hochkrempeln und mit Greifern bewaffnet den Frühjahrsputz für die Umwelt starten! Die jährliche Müllsammelaktion „Ren Dag“, organisiert von der Lokalredaktion Apenrade des „Nordschleswigers“ und unterstützt vom Apenrader Ver- und Entsorgungsunternehmen „Arwos“ sowie dem dänischen Naturschutzbund, Danmarks Naturfredningsforening, lockte auch in diesem Jahr einige engagierte Helferinnen und Helfer an. Bei bestem Frühlingswetter machten sich zehn Mitarbeitende und Lesende, darunter auch drei Kinder, auf die Jagd nach Unrat.

„Auf den ersten Blick sieht tatsächlich alles ganz gut aus“, stellt Praktikantin Carlotta Hofmann aus Magdeburg fest. Doch wer genauer hinsieht, entdeckt die vielen kleinen Müllreste, die nicht nur die Natur verschandeln, sondern auch Menschen, allen voran Kindern, und Tieren zum Verhängnis werden können – Plastikschnipsel, Zigarettenkippen, Chewing Bags und Verpackungen aus Einwegplastik. Diese sollen nicht nur gesammelt, sondern auch gezählt werden, denn in diesem Jahr stand die Sammlung von E-Zigaretten und Einwegverpackungen besonders im Fokus der Aktion.

Gruppenbild mit Müll an der Sammelstation hinter dem Alten Rathaus: 9,1 Kilogramm klingt vielleicht nicht nach viel. Wenn man aber bedenkt, dass eine Zigarettenkippe oder ein Einkaufsbon häufig nur ein oder zwei Gramm wiegen, haben die Teilnehmenden an der „Ren-Dag“-Aktion des „Nordschleswigers“ sich viele Male bücken oder den Greifer betätigen müssen.

Hoffnungsschimmer für die Zukunft

Tödliche Kippen

Für einen Einjährigen kann nach Angaben der R + V Versicherungen in Wiesbaden schon eine einzige verschluckte „Kippe“ tödlich sein. Im Ernstfall müssen Eltern, die befürchten, dass ihr Kind mehr als eine halbe Zigarette gegessen hat, sofort einen Notarzt oder die nächstgelegene Giftnotrufzentrale anrufen. Zur Ersten Hilfe kann dem Kind eine mit etwas Wasser zerstoßene Kohletablette verabreicht werden.
Ähnliches gilt für Nikotin-Beutel, die sogenannten Chewing Bags.

Quellen: DAK Gesundheit und Kinderärzte im Netz

Um es vorwegzunehmen: Wir haben nicht wirklich sortiert. Die Dosen und Flaschen wurden zwar gesondert gesammelt, alles andere aber verschwand in den großen Müllsäcken. E-Zigaretten haben wir sogar überhaupt keine gefunden.

Mit tatkräftiger Unterstützung der „Grejbanken“ der Kommune Apenrade, die neben Greifern auch Arbeitshandschuhe und Warnwesten zur Verfügung stellte, wurde das Sammeln zum Gemeinschaftserlebnis. Nach einer gemeinsamen Stärkung im Medienhaus, wo ein gemütliches Frühstück mit Brötchen, Käse und Aufschnitt wartete, ging es dann mit den Greifern auf Tour. „Die Kinder waren mit voller Begeisterung dabei“, freut sich Anke Haagensen von der Lokalredaktion Apenrade, die die Aktion des „Nordschleswigers“ organisiert hatte. „Es ist schön zu sehen, wie engagiert der Nachwuchs sich für die Umwelt ins Zeug legt. Das macht Hoffnung.“

Viele kleine Teile

Eventverleih „Grejbanken“

Die Kommune Apenrade bietet einen besonderen Service namens „Grejbanken“ an, der darauf abzielt, Bewegung, Wohlbefinden, Spiel und Lernen in Bildungs- und Freizeitkontexten zu fördern. Der kostenlose Service ist eine Mischung aus einer Bibliothek der Dinge und einem Eventverleih. Der Service ermöglicht den Zugang zu verschiedenen Sport- und Bewegungsgeräten und unterstützt so ein aktiveres Leben. „Grejbanken“ richtet sich an Grundschulen, private Schulen, gemeinnützige Vereine, Kultur- und Freizeiteinrichtungen sowie kommunale Verwaltungen in der Kommune Apenrade. Normalerweise können Firmen nicht den Service in Anspruch nehmen. Das „Ren-Dag“-Kit bildet die einzige Ausnahme.

Für die Statistik forderte der dänische Naturschutzbund eine genaue Mengenangabe. Zum Glück stellte sich Julie freiwillig auf die Waage. Da sie mit Schuhen, Handy und Klamotten genau 47 Kilogramm auf der mitgebrachten Personenwaage wog, konnte die gesammelte Menge schnell ermittelt werden: 9,1 Kilogramm.

Das Sammeln selbst war zwar mühsam, vor allem, weil viele der gesammelten Teile – wie Zigarettenkippen und Plastikreste – nur wenig wiegen, aber dafür umso mehr im Müllberg zusammenkamen. Insgesamt wurden 9,1 Kilogramm Müll eingesammelt, der an der Sammelstelle hinter dem Alten Rathaus abgegeben wurde. Zum Dank gab es nicht nur das gute Gefühl, etwas für die Umwelt getan zu haben, sondern auch ein kleines finanzielles Plus. „Wir fanden sogar einen 50-Kronen-Schein und einige Flaschen mit Pfand“, stellt Anke Haagensen fest. Das Geld wurde unter den Kindern aufgeteilt, die sich anschließend mit einem kleinen Eis oder Bonbons belohnen können.

Nette Anerkennung

Die Ausbeute des Jahres 2025

Neben dem Sammeln von Müll gab es auch viele aufmunternde Worte und Anerkennung. Die freundliche Einladung des Apenrader Schifffahrtsmuseums, die Helferinnen und Helfer zu einem kostenlosen Museumsbesuch einzuladen, weil auch der Bereich vor dem Museum vom Unrat befreit wurde, rundete den Tag ab.

„Es war eine tolle Aktion, und wir hatten auch viel Spaß dabei“, fasst es Teilnehmerin Irmgard Hänel zusammen.

„Am Ende des Tages fühlten wir uns nicht nur zufrieden, weil wir einen Beitrag zur Sauberkeit in unserer Stadt geleistet haben, sondern auch, weil die Vögel danach viel fröhlicher zwitscherten. – Na ja, vielleicht hatten sie ja auch nur Frühlingsgefühle“, vermutet Anke Haagensen schmunzelnd.

Den praktischen Bollerwagen hat uns übrigens die Bildungsstätte Knivsberg zur Verfügung gestellt.

Für alle, die sich beim nächsten „Ren Dag“ engagieren möchten, bleibt zu sagen: Jeder noch so kleine Beitrag zählt. In diesem Fall kamen nicht nur 9,1 Kilogramm Müll zusammen – sondern man lernte auch neue Leute kennen.