Musikvereinigung

Ein bewegtes Leben mit sehr viel Musik

Ein bewegtes Leben mit sehr viel Musik

Ein bewegtes Leben mit sehr viel Musik

Paul Sehstedt
Apenrade/Aabenraa
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Das musikalische Ehepaar von der Forstallé: Dora und Armin Feddersen. Foto: Paul Sehstedt

Nach 60 Jahren nahmen Dora und Armin Feddersen Abschied als aktive Sänger in der Musikvereinigung.

Musik verbindet und sie hat im Leben von Dora und Armin Feddersen, Apenrade, schon immer eine große Rolle gespielt. Sie brachte die beiden Lehrer vor fast sechs Jahrzehnten zusammen und auch in die Nordschleswigsche Musikvereinigung, von der sie vor kurzem Abschied genommen haben. Doch die guten Noten und Töne sind für das Ehepaar damit nicht verklungen, denn im Familienkreise setzen sie das gemeinsame Musizieren mit der Tochter und einer Enkelin fort; natürlich am Montagabend, den die Feddersens jetzt nicht mehr für die Proben mit dem Chor besetzt haben.

70 Jahre Gesangserfahrung

„Ich singe schon seit über siebzig Jahren in Chören“, erinnert sich Armin Feddersen, „auch in St. Andrews in Schottland, wo ich ein Jahr lang unterrichtet habe. Außerdem habe ich Cello gespielt.“ Der 89-Jährige kam 1959 zum ersten Mal ans Deutsche Gymnasium Nordschleswig (DGN) und wurde in die Musikvereinigung aufgenommen, die Anfang der fünfziger Jahre von Hanskarl Michalik (1922-1990) gegründet worden war.

„Damals waren wir noch ein reiner Volksgruppenchor mit einem soliden Musikbestand“, erzählt Feddersen, „und Michalik wagte sich an besondere Werke heran wie z. B. Porgy and Bess von Gershwin. Das war schwierig, weil an die Aufführungsrechte Vorgaben geknüpft waren. Michalik erhielt die Genehmigung unter der Auflage, dass vier farbige Sänger aus den US-Südstaaten die Solopartien singen sollten.“ Der Musikfreund kann sehr viel über sein Leben berichten, und ein Regal dicht bepackt mit Noten zeugt von den vielen Auftritten, die er mit der Musikvereinigung bestritten hat.

Das schönste an einem Chor ist die Gemeinschaft und das Erlebnis, eine Mitverantwortung für das Gesamtwerk zu tragen.

Armin Feddersen

Ehefrau Dora, ein Marinekind geboren 1934 in Wilhelmshaven, wuchs nach der Versetzung ihres Vaters nach Flensburg dort in einem Heim mit Flügel auf, aber das nötige Geld für den Unterricht hatte die Familie nicht. „An der Auguste-Viktoria-Schule lernte ich auf einem Schulinstrument Flöte zu spielen und war natürlich auch im Schulorchester“, sagt Dora Feddersen, die später als Lehrerin an der Ludwig-Andresen-Schule in Tondern die Fächer Sport und Musik unterrichtete.

Musik als Verbindung

„Nach der Heirat mit Armin 1953 wurde ich Luxushausfrau“, lacht die 85-Jährige. „Die Querflöte nutzten wir während des Aufenthaltes in Greenville als Kontaktinstrument, um mit den Amerikanern in Verbindung zu kommen. Deutsche waren damals sehr populär da drüben, und als mich eine Verkäuferin in einem Supermarkt nach meiner Herkunft fragte, umarmte sie mich herzlich, als ich ihr erzählte, dass ich aus Deutschland kam. Ganz im Gegensatz zu Nordschleswig, wo wir Deutschen in diesen Jahren als Feinde betrachtet wurden.“

Ein Cembalo, ein Klavier, ein Cello sowie drei Flöten zieren die Stube. Alles Zeugen dafür, dass in diesem Haus die Musik das Leben mitbestimmt. Dora sang anfangs Sopran, dann wechselte sie zu Alt, während Armin der Bass eher liegt als der Tenor. „Das schönste an einem Chor ist die Gemeinschaft und das Erlebnis, eine Mitverantwortung für das Gesamtwerk zu tragen“, sagte Armin Feddersen während des Abschiedsabends im DGN. „Wir erleben die Musik ganz anders als die Zuhörer und wir haben Werke gesungen, die durch 700 Jahre vom Mittelalter bis zum Jazz reichten. Dafür sind wir dankbar.“

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