Leitartikel

„Frauen haben das Wort“

DN
Apenrade/Aabenraa
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Gibt es innerhalb der deutschen Minderheit Bedarf, die Position der Frauen zu stärken? Fünf Frauen geben eine Antwort.

Anlässlich des Internationalen Frauentages geben wir heute an dieser Stelle Frauen aus der deutschen Minderheit in Nordschleswig das Wort. Sie geben ihre Antworten auf die Frage: Gibt es innerhalb der deutschen Minderheit Bedarf, die Position der Frauen zu stärken?

Claudia Knauer: Ganz gewiss auf der Führungsebene und bei den jungen SPitzen. Wenn ich mich nicht verzählt habe, sind von 29 Mitgliedern im Hauptvorstand – ob nun mit oder ohne Stimmrecht – sechs Frauen. Auf der Geschäftsführerebene sieht es nur knapp besser aus, und das Bild vom neuen Vorstand der jungen SPitzen zeigt sehr deutlich eine überwiegende Mehrheit der Y-Chromosom-Träger. Dabei gibt es starke junge Frauen in der Minderheit.

Marieke Heimburger: Da gibt es meiner Ansicht nach ganz klar einen Bedarf. Man sehe sich nur den BDN-Vorstand, die SP und den Sozialdienst an: Der Sozialdienst, eine „klassische Frauendomäne“. Das zeigt sich z. B. darin, dass im Verbandsvorstand des Sozialdienstes neun von zehn Bezirken von Frauen vertreten werden – und nur einer von einem Mann. Bei den Ausschussvertretungen gibt es dann zwei Männer und zwei Frauen. Die Doppelspitze wird jedoch von zwei Männern gestellt.

Der Sozialdienst entsendet vier Mitglieder in den Geschäftsausschuss des BDN – drei Männer und eine Frau. Im Hauptvorstand des BDN sind von 29 Mitgliedern nur 6 Frauen. Eigentlich seltsam, da Frauen, wie mir Stichproben (Tondern, Sonderburg, Hadersleben) belegen, in den Ortsvereinen deutlich in der Überzahl sind.

Von den zehn Stadtratsmitgliedern, die die SP in Nordschleswig stellt, sind sieben Männer und drei Frauen. Was nicht nur an den Stimmen des Wahlvolkes liegt, sondern auch daran, dass Frauen in der SP unterrepräsentiert sind. Die Machtstrukturen der deutschen Minderheit sind ganz klar von Männern dominiert und damit in meinen Augen realitätsfern und unzeitgemäß.

Ekaterina Khristoforova: Beruflich kenne ich mich in der deutschen Minderheit eher wenig aus. Meiner Meinung nach könnte man aber in der Politik die Position von Frauen stärken, da die Minderheit eher von den Männern vertreten zu sein scheint – was eigentlich gut funktioniert, aber nicht das Gefühl von Gleichberechtigung innerhalb der Minderheit stärkt.

Ruth Candussi: Ja. Ich würde mir wünschen, dass bei der Besetzung der zentralen Positionen der Entscheidungsträger bewusster damit gearbeitet wird, dafür auch Frauen zu werben und in einem solchen Prozess nicht voreilig zu konkludieren: Es habe sich ja keine Frau gemeldet …

Hannelore Holm: Das finde ich nicht, obwohl im BDN „nur“ Männer sind. Ich habe das Gefühl, dass sich Frauen im Gegensatz zu früher auf Positionen bewerben. Es gibt zum Beispiel viele Frauen an der Spitze der Schulen, die Schulrätin ist eine Frau und auch die Stellvertreterin. Der Bereich der Schulen und Kindergärten ist heute ein natürlicher Bereich für Frauen. Dabei war es früher eher eine Männerdomäne. Auch im Stadtrat sind die Frauen gut repräsentiert.

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