Kommentar

Eva Kjer wieder im Løkkeland

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Staatsminister Lars Løkke Rasmussen (Venstre) stellt die neuen Minister vor. Foto: Liselotte Sabroe/ Ritzau-Scanpix

Mit Eva Kjer Hansen und Tommy Ahlers gibt es wieder vier Minister aus Nordschleswig im Kabinett. Das neu gebildete Nordschleswig-Quartett – mit Verkehrsminister Ole Birk Olesen und  Gesundheitsministerin Ellen Trane Nørby – ist wichtig für den Landesteil, meint Gwyn Nissen. Ob der Tag für die Regierungsparteien allerdings genau so gut war wie für Nordschleswig, wagt unser Chefredakteur zu bezweifeln. Er sieht eine Chance verpasst, für die kommende Wahl wichtige Zeichen zu setzen.

Als Regierungschef Lars Løkke Rasmussen (Venstre) im Juni 2015 in Dänemark an die Macht kam, stellte er in seiner Mannschaft gleich vier nordschleswigsche Minister auf. Das war schon rekordverdächtig, doch nach nur sieben Monaten war das nordschleswigsche Quartett halbiert, als Carl Holst (V) nach nur drei Monaten und kurze Zeit später auch Eva Kjer Hansen (V) die Segel streichen mussten.

Mittwoch kehrte Eva Kjer Hansen nach ausgestandener Karenzzeit – und mit Akzept der Konservativen, die sie im Februar 2016 kippten – ins Løkkeland zurück und wurde zum vierten Mal seit 2004 Ministerin. Etwas überraschend war es schon, denn Eva Kjer Hansen hat sich seit ihrem Minister-Aus nicht mit interner Kritik gegen Venstre- und Regierungspolitik zurückgehalten. Statt sie ins Abseits zu befördern, hat Lars Løkke Rasmussen die Kritikerin mit ins Boot geholt.

Mit der Apenraderin in die Manege stieg auch Tommy Ahlers aus Aggerschau. Seit Dienstag ist er Mitglied der Partei Venstre, davor war er 1998 Folketingskandidat für die Konservativen in Nordschleswig. Bekannt wurde er allerdings landesweit als IT-Existenzgründer und als Investor im TV-Programm „Höhle des Löwen“.

Das neu gebildete Nordschleswig-Quartett – mit Verkehrsminister Ole Birk Olesen von der Liberalen Allianz und Gesundheitsministerin Ellen Trane Nørby (Venstre) – ist wichtig für den Landesteil. Die politische Präsenz Nordschleswigs auf Christiansborg ist dadurch wieder gestiegen. Ein guter Tag also für unsere Region.

Ob es auch ein guter Tag für Lars Løkke Rasmussen war? Die Meinungsumfragen in den kommenden Wochen werden es zeigen, doch so richtig haut die kleine Rochade keinem die Beine weg. Venstre muss den Weggang von Søren Pind – einem der markantesten dänischen Politiker der vergangenen Jahre verkraften – und setzt dabei zweimal auf politische Erfahrung – Eva Kjer Hansen und Jakob Ellemann-Jensen – sowie den Joker Ahlers.

Die Konservativen und die Liberale Allianz wollten dagegen nicht an der Rochade teilnehmen, und so bleibt es bei den leisen Venstre-Tönen, statt dass eine gesammelte Regierung ein Jahr vor der nächsten Folketingswahl mit Pauken und Trompeten zum Angriff bläst.

Damit scheint die Regierung die Chance verpasst zu haben, im bald beginnenden Wahlkampf ein Zeichen zu setzen. Der Wähler wird keine neuen Akzente entdeckt haben, sondern lediglich feststellen können, dass Regierungschef Løkke zu Änderungen gezwungen wurde, weil zwei seiner Minister müde geworden waren.

Kein wirklich guter Start ins Wahljahr, aber ein guter Tag für Nordschleswig.

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