Verkehr

A7-Ausbau in Hamburg und SH dauert noch mindestens zehn Jahre

Markus Lorenz/dpa/shz.de
Rendsburg
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Foto: shz.de/Horst Becker

Für den Neubau der Rader Hochbrücke soll in diesem Jahr das Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden.

Nach der Baustelle ist vor der Baustelle: Auch nach Freigabe der verbreiterten A7 in Schleswig-Holstein vor Weihnachten wird auf den Autobahnen im nördlichsten Bundesland und in Hamburg kräftig neu gebaut, erweitert und saniert. Verkehrssenator Michael Westhagemann (parteilos) und der Kieler Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) haben am Freitag mehr als ein Dutzend Projekte vorgestellt, bei denen sie 2019 planerisch und/oder baulich Gas geben wollen. Angesichts des reibungslosen A7-Ausbaus war die Laune der Ressortchefs prächtig. „Alles super gut gelaufen“, sagte Buchholz mit Blick auf den sechsstreifigen Abschnitt Bordesholmer Dreieck-Schnelsen. Westhagemann befand: „Das zeigt, dass wir Großprojekte können.“

Dennoch bleibt reichlich zu tun auf der A7. Mit dem endgültigen Abschluss des 2014 begonnen Ausbaus rechnet die Planungsgesellschaft Deges erst in rund einem Jahrzehnt. Deges-Chef Bernd Rothe: „Das Ende erwarten wir etwa 2028 mit der Fertigstellung des Lärmtunnels Altona.“

Nächste Etappen sind die vollständige Inbetriebnahme des ersten Lärmtunnels in Schnelsen Ende 2019; in Stellingen soll der zweite Ende 2020 folgen. Geht alles gut, beginnt auch der Bau der längsten Lärmhaube in Altona noch in diesem Jahr.

Die Vorarbeiten für die Erweiterung laufen bereits

Und: In Hamburg startet 2019 parallel das nächste A7-Mammutvorhaben – die Verbreiterung von sechs auf acht Spuren südlich des Elbtunnels bis Heimfeld. Die Vorbereitungen laufen an, der eigentliche Bau soll 2020 beginnen und 2024 abgeschlossen sein. Eine gute Nachricht gab es dabei für Autofahrer, die sich zwar auf jahrelange Einschränkungen, aber auf unverhofft wenige Sperrungen einstellen müssen.

Anders als nördlich der Röhre ist südlich davon passen beiden zusätzlichen Spuren zwischen die vorhandenen A7-Hochstraßenbrücken. Rothe: „Der Ausbau ist möglich, ohne die anderen Fahrsteifen sperren zu müssen.“ Ein Pilottest für die technische Machbarkeit der Lückenfüllung war erfolgreich.

Weitere Meilensteine 2019 in Hamburg sind die Eröffnung der verlegten Wilhelmsburger Reichsstraße sowie der Planfeststellungsbeschluss für den ersten Abschnitt der Hafenpassage (A26 Ost) zwischen A7 und A1. In beiden Fällen soll es Ende des Jahres soweit sein.

Auch die 1974 eröffnete Köhlbrandbrücke ist in die Jahre gekommen. Sie soll bis 2030 durch eine neue Querung ersetzt werden. Gegenwärtig werden eine neue Brücke oder ein Tunnel geprüft. Seit vergangenem Montag müssen Lastwagen mit mehr als 3,5 Tonnen einen Mindestabstand von 50 Metern auf der Brücke einhalten. Anfangs habe das zu Staus geführt, sagte Hamburgs Verkehrssenator Michael Westhagemann (parteilos). „Mittlerweile hat sich das ein bisschen gelöst.“

So soll die neue Rader Hochbrücke aussehen. Die Kosten werden auf 320 Millionen Euro kalkuliert. Diese Berechnung stammt aus dem September vergangenen Jahres. Foto: Deges

Planfeststellungsverfahren für neue Rader Hochbrücke

Für den Neubau der Rader Hochbrücke soll in diesem Jahr das Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden, wie Rothe sagte. Der erste Teil des Neubaus muss bis 2026 stehen, weil die alte Brücke marode ist. Sie soll abgerissen werden, sobald der Verkehr über das erste neue Teilbauwerk geführt werden kann. Es werde angestrebt, nicht nur die neue Brücke für sechs Fahrstreifen zu bauen, sondern auch den gesamten Abschnitt vom Kreuz Rendsburg bis Büdelsdorf auf sechs Spuren zu erweitern.

Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) hob hervor, dass für die Schleswig-Holsteiner nach der Erweiterung der Autobahn zwischen dem Dreieck Bordesholm und Hamburg auf sechs Spuren nun der Ausbau der A7 weiter südlich von großer Bedeutung sei.

Um den Hamburger Flughafen problemlos vom Raffinerie-Standort Heide mit Treibstoff beliefern zu können, müssten Gefahrguttransporter durch den Lärmschutztunnel Schnelsen fahren dürfen. Noch ist das nicht möglich, weil erst eine Tunnelröhre in Betrieb ist. Nach Fertigstellung der zweiten Röhre Ende 2019 soll der 550 Meter lange Tunnel die notwendige Sicherheitskategorie bekommen, wie Verkehrskoordinator Christian Merl sagte.

Das Problem mit der Rader Hochbrücke ist kein Einzelfall. Etwa 80 Prozent der deutschen Spannbetonbrücken, die in den 60er und 70er Jahren errichtet wurden, müssten erneuert werden, sagte Rothe. Sie seien damals vor Ort betoniert worden, was zu einer geringeren Qualität geführt habe. Statt 100 Jahre zu halten, betrage die Lebensdauer nur etwa 50 Jahre. Allerdings hätten die Verkehrslasten auch viel stärker zugenommen als damals prognostiziert.

A20 bleibt Dauerärgernis

Ebenfalls wird die A7 zwischen Warder und dem Rendsburger Kreuz erneuert sowie die Sanierung der A1 Höhe Neustadt fortgesetzt. Auf Fortschritte hofft Buchholz beim Dauerärgernis A20 – auch wenn in diesem Jahr nicht Bauarbeiter, sondern Planer und Juristen gefordert sind. Der Minister: „Es gilt jetzt, vollziehbares Baurecht zu erlangen.“ Buchholz appellierte an die Naturschutzverbände, sich an Planungen so früh wie möglich und konstruktiv zu beteiligen. Rothe wollte nicht bestätigen, dass die A20 bis 2030 gebaut werden könne. „Baurechtsverfahren sind in Deutschland nicht mehr kalkulierbar“, sagte der Deges-Bereichsleiter.

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