AfD wollte Obergrenze

Kiel bleibt dabei: Der Wolf wird in Schleswig-Holstein nicht bejagt

Kay Müller, shz.de
Kiel
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Archivbild eines jungen Wolfes. Foto: dpa

Der Wolf kommt nicht ins Jagdrecht. Alle Fraktionen lehnten den AfD-Vorstoß zu Problemwölfen ab.

Die AfD ist mit ihrem Vorstoß gescheitert, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen und eine „Obergrenze“ für die Tiere festzulegen. Alle anderen Fraktionen im Landtag lehnten gestern einen entsprechenden Antrag ab. Man wolle den Wolf nicht pauschal zum Abschuss freigeben, sondern eine ganzjährige Schonzeit verhängen, sagte der AfD-Abgeordnete Volker Schnurrbusch. Dadurch sei es aber leichter, mögliche „Problemwölfe“ zu erschießen. „Denn der Wolf merkt, dass er in der Nähe von Menschen leicht Nahrung findet – auch in der Nähe von Kindergärten.“

Grüne: AfD betreibt „populistische Angstmacherei“

Das rief Marlies Fritzen (Grüne) auf den Plan. Sie warf der AfD „populistische Angstmacherei“ vor. Schon jetzt gebe es die Möglichkeit, Wölfe, die die Scheu vor Menschen verloren haben, zu erschießen. „In Niedersachsen ist genau das geschehen – übrigens mit Zustimmung eines grünen Umweltministers.“

Seit 2007 werden wieder Wölfe in Schleswig-Holstein gesichtet. 2016 wurden drei Tiere nachgewiesen, 2017 waren es 18 und im laufenden Jahr schon 32. Insbesondere die Westküste ist betroffen.

Sandra Redmann (SPD) stimmte wie alle anderen Mitglieder des Landtages – außer denen der AfD – für einen Alternativantrag von CDU, FDP und Grünen, der die Fortsetzung und Weiterentwicklung des bestehenden Wolfsmanagements in Schleswig-Holstein festlegt. Es gebe möglicherweise noch Verbesserungsmöglichkeiten, wie die Höhe der Entschädigungen, die Schnelligkeit der Auszahlungen oder der Schutz der Tiere. „Es muss Ziel sein, Weidetierhaltung und Wolf zu ermöglichen. Der AfD geht es aber doch nur um die Entnahme“, so Redmann.

Umweltminister: „Wir dürfen die Tierhalter nicht allein lassen“

Hauke Göttsch (CDU) sagte, dass der Einsatz von Gummigeschossen geprüft werden solle, der in Oberösterreich erlaubt sei. Das könnte die Wölfe vertreiben. Vor allem die Schafe auf den Deichen müssten geschützt werden, da sie für den Küstenschutz unverzichtbar seien.

„Wir dürfen die Tierhalter nicht allein lassen“, sagte der neue Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne). Er schloss die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht nicht aus, allerdings nur als letzten Schritt. Die Umweltministerkonferenz arbeite an ein bundeseinheitlichen Regel, die den Abschuss auffälliger Wölfe regeln soll. Das Wolfsmanagement in Schleswig-Holstein sei ein ein „bundesweites Vorzeigemodell“. Gerade habe das Land die Zuwendungen dafür von 100.000 auf 250.000 Euro erhöht.

Die FDP will wie die AfD die Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht. Den AfD-Antrag bezeichnete der liberale Abgeordnete Oliver Kumbartzky allerdings als „Schnellschuss“.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Eine neue Laufbahn“