Barbara Schwaner-Heitmann

75 Jahre EUF - Keine kennt die Flensburger Uni wie sie

75 Jahre EUF - Keine kennt die Flensburger Uni wie sie

75 Jahre EUF - Keine kennt die Flensburger Uni wie sie

Antje Walther/shz.de
Flensburg
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Universität Flensburg
Die Pädagogische Hochschule Flensburg hat viele Jahre um ihren Erhalt gekämpft und sich schließlich zu einer Europa-Universität entwickelt. Foto: privat

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1962 begann sie ihr Studium und war danach 40 Jahre als Dozentin an der Universität Flensburg tätig.

Man kann Barbara Schwaner-Heitmann im Flensburger Forst antreffen, wo sie zügig mit Nordic Walking-Stöcken ihre Vorlieben auslebt. Dazu zählen der Sport und die Natur. Die heute 77-Jährige war sogar mal Landesfünfkampfmeisterin. In ihrem Beruf, sagt sie, wurde sie zu einer „pädagogischen Zehnkämpferin“ ausgebildet.

Schwaner-Heitmann kam in Memel, in Ostpreußen, zur Welt und floh mit ihrer Großmutter, so weit die Füße sie trugen. Sie lebte zunächst in der Gemeinde Wesselburenerkoog und lief jeden Tag vier Kilometer zur Schule, erinnert sie sich, „im Sommer manchmal barfuß“. Später zog sie nach Harrislee.

Barbara Schwaner-Heitmann
Barbara Schwaner-Heitmann als junges Mädchen. Foto: privat

Barbara Schwaner-Heitmann wollte nach einigen Abwägungen Lehrerin werden, so wie ihr gesamter Abi-Jahrgang, und nahm 1962 mit insgesamt 132 Erstsemestern an der Pädagogischen Hochschule (PH) in Flensburg ihr Studium auf. Ihr Studienziel war das Lehramt an Volksschulen, ihr Wahlfach „Leibeserziehung“. Das Gebäude von 1959 in der Mürwiker Straße war neu und „wunderschön mit viel Bewegungsfreiheit“, sagt die Harrisleerin.

Barbara Schwaner-Heitmann
Familiäres Studentenleben auf dem Campus Flensburg. Foto: privat

Deutsch, Mathe, ein Sachfach, außerdem Musik und bildnerische Erziehung, Religion wurden verpflichtend gelehrt, Psychologie, Philosophie, Pädagogik ebenso. Praktika von je sechs Wochen in der Stadt und auf dem Land mit bisweilen ersten bis neunten Klassen gleichzeitig, lehrten Zeitmanagement und zu differenzieren.

Die Wohnheimfeste in der Flensburger „Burse“ nennt die ehemalige Studentin und Dozentin „legendär“. Prüfungsdruck gab es keinen, denn das Land Schleswig-Holstein verpflichtete jeden, fünf Jahre im Landesdienst zu bleiben, erklärt Barbara Schwaner-Heitmann.

Mit 25 an die Hochschule als Dozentin

Blutjung bekam sie den Ruf an die Hochschule: „Zum 1. August 1968 wurde ich als Lehrbeauftragte ins Sportseminar berufen.“ Ihr Vorgesetzter und sie mussten sämtliche Inhalte in Theorie und Praxis vermitteln, ein Arzt übernahm die Sportmedizin. „Die wollten mich, weil sie mich kannten“, erzählt die frühere Leistungssportlerin.

Nach einer fast beschaulichen Anfangsphase trat die Hochschule in eine Zeit ein, in der sie um ihren Erhalt kämpfte. Schwaner-Heitmann berichtet von Plänen der Landesregierung, die Lehrerbildung in Kiel zu zentrieren und der aus ihrer Sicht falschen alleinigen Fokussierung, gute Fachvertreter heranzubilden. „Studenten wussten zwar viel, konnten aber weniger gut unterrichten.“

Starkes Wir-Gefühl in Abgrenzung zu Kiel

1989 brach ein Feuer aus, viele Bücher verbrannten. Kiel verweigerte den Neubau einer Bibliothek, weiß die 77-Jährige. „Mit einer emotionalen Rede verkündigte daraufhin der amtierende Präsident Wilfried Janßen unter Tränen seinen Rücktritt: Ohne Bücher sei keine Wissenschaft möglich!“ Der Kampf aber um den Erhalt der PH hatte ein starkes Wir-Gefühl aller an der Hochschule Beschäftigten erzeugt. Die erlösende Nachricht kann Barbara Schwaner-Heitmann auf den Tag genau zuordnen: „Am 4. Mai 1989 gaben Heide Simonis und Bildungsministerin Rühmkorf (in der renovierten Aula) der Hochschule eine Bestandsgarantie.“

Barbara Schwaner-Heitmann
Barbara Schwaner-Heitmann mag nicht nur Sport und die Natur, sondern auch Musik und Kunst. Foto: privat

Als bildungswissenschaftliche Hochschule folgte schließlich eine Phase des Aufbruchs. „Mastermind“ Prof. Hans-Günther Homfeldt hatte schon 1982 ein Team gebildet zur Erforschung des Themas Gesundheit. „Homfeldt hatte einen Riecher für Innovation“, schildert Schwaner-Heitmann und war Teil des Teams. Diese Fachvertreter aus Pädagogik, Ernährung, Bewegung, Naturerleben und Kleidung entwickelten ein Konzept, das sich an der Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung orientierte. „Wir Flensburger waren die ersten, die Gesundheitsthemen in Theorie und praktischem Handeln veröffentlichten“, betont die Bewegungsexpertin.

Da hat so viel Entwicklung von Flensburg ausgestrahlt, auf die wir stolz sind.

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Als Ausgangspunkt nennt sie, dass „Menschen viel über Gesundheit wissen, aber nicht danach handeln können.“ Ziel wurde also, die Gesundheitsförderung in den schulischen Alltag zu integrieren. Mit Vorträgen über das „Leuchtturm-Projekt“ war sie jahrelang bundesweit und auf europäischer Ebene unterwegs. „Da hat so viel Entwicklung von Flensburg ausgestrahlt, auf die wir stolz sind“, sagt sie heute noch.

Die Europa-Universität hat sich zu ihrem Bedauern von dem gesundheitswissenschaftlichen Studiengang getrennt und ein anderes Profil geschärft; dennoch seien Aspekte innerhalb der Fächer geblieben. Nach 46 Jahren als Teil der PH und Uni zieht Barbara Schwaner-Heitmann doch ein positives Fazit: „Charismatische und engagierte Persönlichkeiten prägten mich für mein Berufsleben. Ich wurde zum Denken und Handeln angeregt.“

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