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Kind von IS-Kämpfern sorgt für Streit in Dänemark

Kind von IS-Kämpfern sorgt für Streit in Dänemark

Kind von IS-Kämpfern sorgt für Streit in Dänemark

Kopenhagen
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Das Lager Al Hol in Syrien, aus dem der verletzte 13-jährige Junge, ein dänischer Staatsbürger, von einer dänischen Behördengruppe evakuiert wurde. Foto: Delil Souleiman/AFP/Ritzau Scanpix

Der Sohn eines IS-Kämpfers soll zurück nach Dänemark, denn es ist dänischer Staatsbürger. Das sorgt für Diskussionen.

Das dänische Außenministerium hat am Sonntag bestätigt, dass ein 13-Jähriger schwer verletzter Junge mit dänischer Staatsbürgerschaft aus einem Gefangenenlager im nördlichen Syrien evakuiert wurde. Der Junge erlitt eine Schussverletzung im Rücken während des Kampfes um die letzte IS-Bastion Baghouz. Nun wird der Junge in einem Krankenhaus in einem Drittland behandelt. Laut Danmarks Radio reisten die Eltern des Jungen, Unterstützer des Islamischen Staates, vor vier Jahren nach Syrien. Der Vater starb, die Mutter lebt und möchte mit ihren weiteren Kindern zurück nach Dänemark. Nach Recherchen des Senders befinden sich 25 Frauen und Kinder mit Verbindung nach Dänemark in Lagern für IS-Unterstützer im nördlichen Syrien. Eine dänische Delegation, geführt von einem Repräsentanten des Außenministeriums, hatte die Evakuierung durchgeführt.

Das Außenministerium teilte mit, es sei eine Behördengruppe (myndighedsgruppe) mit Teilnehmern aus verschiedenen Ministerien gebildet worden, die dazu Stellung nimmt, welche Lösung in jedem individuellen Fall die beste sei. Laut Ritzau war es nicht möglich zu ergründen, ob die Entscheidung auf Beamtenebene oder auf politischer Ebene getroffen wurde.

Rückholung könnte Präzedenzfall schaffen

Nach Ansicht zweier Experten kann die Rückholung des Kindes einen Präzedenzfall schaffen, auf den sich die IS-Unterstützer in den Lagern berufen könnten. Für die Nachrichtenagentur Ritzau war es schwer, einen Kommentar aus den Ministerien zu erhalten. Das Justizministerium verwies Ritzau, wie auch das Ausländer- und Integrationsministerium, auf das Außenministerium. Der amtierende Minister Anders Samuelsen wollte sich zu dem Thema nicht äußern.

Die Dänische Volkspartei (DF) ist strikt dagegen, dänische Kinder von IS-Kriegern nach Dänemark zu bringen – ungeachtet des Alters der Kinder. Søren Espersen (DF), vor der Wahl Vorsitzender des Außenauschusses, sagte der Nachrichtenagentur Ritzau, es wäre skandalös, wenn diese Behördengruppe den Beschluss eigenmächtig gefällt habe in einer Situation, in der es keine Regierung gebe. Es sei ebenso bedenklich, wenn der Außenminister diese Entscheidung getroffen habe. „Die Eltern haben die Entscheidung getroffen, keine Dänen mehr sein zu wollen“, stellt Espersen in Politiken fest.

In der Zeitung erinnert Martin Lidegaard von den Radikalen an die humanitäre Verantwortung. Es seien dänische Kinder, die in den Lagern zugrunde gingen, ungeachtet dessen, wie sie dort hingekommen seien und ungeachtet dessen, ob und welche Verbrechen die Eltern begangen hätten.

Auch die Sozialistische Volkspartei und die Einheitsliste sind für die Aufnahme der Kinder in Dänemark. Mette Frederiksen, Vorsitzende der Sozialdemokraten, reagierte ausweichend. Sie sagte, sie wolle sich nicht zu jedem Einzelfall äußern.

Nach Recherchen der Zeitung Politiken haben mindestens elf Länder Kinder aus syrischen Lagern in das jeweilige Land geholt, darunter Russland, Frankreich, Schweden, Norwegen, die Niederlande und Australien.

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