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Elektroautos auf der Überholspur: Dänemark steigert Prognosen für E-Mobilität

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Schnellladestation
Der E-Auto-Boom in Dänemark könnte durch einen mangelhaften Infrastrukturausbau gestoppt werden, meinen Experten.

Über 50 Prozent der neuen Autos in Dänemark sind elektrisch – und die Zahlen steigen weiter. Experten warnen allerdings davor, dass auch die Infrastruktur mit dem Boom Schritt halten muss, um ihn nicht zu bremsen.

Die Elektromobilität nimmt in Dänemark rasant Fahrt auf: Mehr als die Hälfte der Neuzulassungen im Jahr 2024 – genau 50,2 Prozent – entfallen auf reine Elektroautos. Der Durchbruch der E-Autos hat die Branchenorganisation Mobility Denmark dazu veranlasst, ihre Prognosen für den Bestand an Elektrofahrzeugen drastisch nach oben zu korrigieren. Bis 2030 könnten demnach bereits 1,6 Millionen Elektroautos auf Dänemarks Straßen unterwegs sein – eine Entwicklung, die weit schneller voranschreitet als ursprünglich angenommen.

Grüne Wende erfordert massiven Ausbau der Infrastruktur

„Die Däninnen und Dänen haben Elektroautos endgültig angenommen“, erklärt Mads Rørvig, Geschäftsführer von Mobility Denmark. Gleichzeitig mahnt er: „Um die grüne Wende zum Erfolg zu führen, sind massive Investitionen in Ladeinfrastruktur und Werkstätten erforderlich.“ Ohne diese Maßnahmen sei es unmöglich, der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden und eine reibungslose Umstellung auf nachhaltige Mobilität zu gewährleisten.

Besonders der Ausbau von Ladestationen und die Aufrüstung des Stromnetzes stehen dabei im Fokus. Schnellladestationen entlang der Autobahnen, Parkplätze mit integrierten Ladepunkten sowie ein belastbares Stromnetz sind unerlässlich, um die steigenden Anforderungen zu bewältigen. „Es muss für alle praktisch und zugänglich sein, ein Elektroauto zu nutzen. Nur dann können wir die Klimaziele erreichen“, so Rørvig.

Ungewisse Zukunft: Was passiert mit den Steueranreizen?

Der Optimismus wird jedoch durch Unsicherheiten getrübt. Mobility Denmark weist darauf hin, dass die aktuelle Prognose davon ausgeht, dass Steuervergünstigungen für Elektroautos weiterhin bestehen bleiben. Sollten geplante Steuererhöhungen ab 2026 tatsächlich umgesetzt werden, könnte das Wachstum deutlich gebremst werden.

„Wir sehen in unseren Nachbarländern, was passiert, wenn Anreize zu früh gestrichen werden“, betont Rørvig. In Deutschland und Schweden stagnieren die Verkaufszahlen von Elektroautos, seit finanzielle Vorteile reduziert wurden. In Dänemark hofft man, diesen Fehler zu vermeiden, um das Wachstum nachhaltig zu sichern.

Klimaziele und gesellschaftliche Transformation

Die ehrgeizige Zielsetzung von 1,6 Millionen Elektroautos bis 2030 stellt Dänemark vor eine doppelte Herausforderung: Die notwendige Infrastruktur muss in Rekordzeit aufgebaut werden, und das Stromnetz muss Schritt halten. Diese Investitionen sind nicht nur entscheidend für die Attraktivität von Elektroautos, sondern auch für das Erreichen der nationalen Klimaziele.

„Der Erfolg der Elektromobilität hängt von einer ganzheitlichen Strategie ab, die die Bedürfnisse der Autofahrerinnen und Autofahrer ebenso berücksichtigt wie die technischen und ökologischen Anforderungen“, fasst Rørvig zusammen. Dänemark sei auf dem besten Weg, eine Vorreiterrolle in der grünen Mobilität einzunehmen – vorausgesetzt, die politischen Rahmenbedingungen bleiben stabil, so der Experte.