Mutiertes Coronavirus

EU-Gesundheitskommissarin: Corona-Infektionen bei Nerzen nicht nur ein dänisches Problem

Corona-Infektionen bei Nerzen nicht nur ein dänisches Problem

Corona-Infektionen bei Nerzen: Kein rein dänisches Problem

Ritzau/hm
Brüssel
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In den Niederlanden wurden im Sommer eine Million Nerze getötet. Der Bürgermeister von Ravels, einer von der Nerzzucht geprägten Stadt in den Niederlanden, meint nicht, dass von den nun bestehenden Nerzbeständen eine Gefahr ausgeht. Foto: Piroschka Van De Wouw/Reuters

Nach der Entdeckung eines mutierten Coronavirus in Nordjütland töten Nerzzüchter in ganz Dänemark auf Anweisung der Regierung ihre Tiere. Eine weltweit beachtete Aktion. Doch Dänemark ist nicht das einzige Land mit Nerzfarmen.

Auch wenn die EU-Kommission die Corona-Infektion bei Nerzen in dänischen Zuchtanlagen genau verfolgt, macht Stella Kyriakides, EU-Kommissarin für Gesundheit, deutlich, dass das Problem kein rein Dänisches ist.

„Es ist eine Situation eingetreten, die die EU-Kommission und der ECDC (die EU-Seuchenschutzbehörde Anm. d. Red.) sehr genau beobachten. Ich möchte betonen, dass eine Infektion von Nerzen in Zuchtanlagen auch in anderen Mitgliedsländern und Drittstaaten beobachtet wurde“, sagte die EU-Kommissarin auf einer Pressekonferenz.

Infizierte Nerzbestände in fünf EU-Staaten

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte am Freitag mitgeteilt, dass bislang fünf EU-Mitgliedsstaaten Corona-Infektionen in Zuchtanlagen von Nerzen gemeldet hatten. Neben Dänemark, mit den größten Nerzbeständen in der EU, berichteten Italien, Schweden, Spanien und die Niederlande von derartige Fälle.

In den Niederlanden wurden vor einiger Zeit bereits die Nerzzuchten geschlossen und eine Million Tiere getötet, nachdem sich dort Angestellte infiziert hatten. In Spanien wurden rund 100.000 Nerze gekeult. Auch in Schweden ist es zur Infektion von Angestellten gekommen, nachdem sich Tiere auf bislang neun Farmen infiziert hatten.

In den Niederlanden haben nach Aussage eines dortigen Bürgermeisters die Nerzzüchter Richtlinien der Behörden bekommen, zudem sind die Nerzfarmen von der Außenwelt abgeschnitten.

Die EU-Kommissarin Kyriakides stellte in Aussicht, dass die EU- Seuchenschutzbehörde ECDC eine Risikoabschätzung in dieser Sache in den kommenden Tagen veröffentlichen werde.

Angst vor mutierten Viren

Der öffentliche Fokus auf Nerzfarmen rührt daher, dass Nerze für das Coronavirus empfänglich sind und sich das Virus auf diesen Farmen mit vielen Tieren schnell verbreiten kann. Das Virus mutiert in den Tieren, und diese veränderten Viren können auch Menschen anstecken.

Einer der mutierten Erreger, entdeckt in einer Zucht in Nordjütland, hatte sich derart verändert, dass Antikörper von Menschen, die bereits im Vorfeld eine Infektion durchgemacht hatten, nicht mehr in vollem Maß wirkten. Nun besteht die Furcht, dass sich das auch negativ auf eine kommende Impfung auswirken könnte.

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