„Null-Fehler-Kultur“

Dänische Schüler und Studenten sollen lernen, Fehler zu machen

dodo
Kopenhagen
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Foto: Gonzales Photo/Ritzau Scanpix

Der Druck auf Schüler und Studenten wächst – und damit auch die Angst, Fehler zu machen und zu scheitern. Doch es sei auch wichtig, solche Erfahrungen zu machen, sagt Ausbildungsminister Tommy Ahlers, der der sogenannten „Null-Fehler-Kultur“ nun den Kampf ansagen will.

Die Zugangsvoraussetzungen für die Universitäten in Dänemark steigen. Dies führt dazu, dass viele Gymnasiasten im Land nur noch zufrieden sind, wenn sie wirklich die allerbesten Noten haben. Viele sehen sich als Teil einer Leistungskultur, in der immer höhere Erwartungen an sie gestellt werden. Das führt dazu, dass die Schüler Angst haben, Fehler zu machen und dies schade dem Drang, neue Dinge auszuprobieren, schreibt das Dänische Center für Unterrichtsmilieu in einem neuen Bericht.

Ausbildungs- und Forschungsminister Tommy Ahlers (Venstre) will dagegen nun etwas tun und der „Null-Fehler-Kultur“ an dänischen Ausbildungseinrichtungen den Kampf ansagen. „Wir müssen Anfangen das Problem ernst zu nehmen. Eine Idee könnte sein, an den Universitäten Kurse anzubieten, in denen die Studenten lernen, dass es gut ist, Fehler zu machen“, so der Minister zu TV2.

Vorbild USA

Vorbild ist die USA. Dort zeigte eine Untersuchung im vergangenen Jahr, dass mehr als die Hälfte der Studenten an den Universitäten an erhöhten Stresssymptomen leiden. Mehrere Unis haben dort bereits damit begonnen, ihre Studenten darin zu unterrichten, dass es okay sei, nicht immer alles richtig zu machen.

„Wenn man gelernt hat zu Scheitern, versteht man es besser Chancen wahrzunehmen, nachzuforschen und neugierig zu sein. Studenten und Schüler können nicht gut lernen, wenn sie nicht verstanden, wie es ist zu scheitern“, sagt Rachel Smith vom College in Massachusetts.

Tommy Ahlers hofft, dass sich dänische Bildungseinrichtungen davon inspirieren lassen und versuchen, auch für dänische Schüler und Studenten das Scheitern salonfähiger zu machen. Im Berufsleben führe eine dauerhafte Angst davor, Fehler zu machen, dazu, dass man weniger kreativ und innovativ sei, so der ehemalige Geschäftsmann.

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