Geschichte

Flensburg nach Ende des Krieges: Nächster Schritt für Vermittlungszentrum

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Erst viele Tage nach der Kapitulation des Naziregimes wurden Rüstungsminister Albert Speer (links), Hitler-Nachfolger Karl Dönitz und der Unterzeichner der Kapitulation am 7. Mai in Reims, Generaloberst Alfred Jodl, in Flensburg festgenommen. (Ein Foto aus Hans Christian Davidsens Buch)

Flensburg spielte eine besondere Rolle in den Wochen vor und nach Kriegsende am 8. Mai 1945. Jetzt unternimmt die Stadt den ersten Schritt, diese Geschichte zu erzählen. Wie das geschehen soll und wo ein Vermittlungszentrum platziert werden könnte, soll auch unter Beteiligung der Universität in Sonderburg geklärt werden.

Flensburg soll ein Vermittlungszentrum bekommen, um Interessierten die Geschichte der Stadt und der Region in den letzten Wochen des NS-Regimes zu vermitteln. Das hatte der Kulturausschuss im vergangenen Jahr beschlossen.

Offen ist, wo und wie die Geschichte erzählt werden soll. In einem ersten Schritt gab der Kulturausschuss der Kommune der Verwaltung den Auftrag, die Planung anzugehen und herauszufinden, wie die Kommune mit dem Projekt weiterkommt.

In diesem Jahr sind mehrere Schritte geplant, sagt Ellen Kittel, Abteilungsleiterin für Ausbildung, Sport und Kultur, während eines Treffens des Kulturausschusses am Donnerstagnachmittag.

Stadt will Voruntersuchung in Auftrag geben

Für das Projekt sind 2025 63.400 Euro vorgesehen. Eine Voruntersuchung soll klären, wie ein Vermittlungszentrum aussehen könnte.

Zusätzlich soll eine Dialoggruppe mit politischen Repräsentantinnen und Repräsentanten eingerichtet werden. Sie soll auf einer Konferenz im Stadtarchiv Flensburg in Zusammenarbeit mit der Europa-Universität Flensburg, der Christian-Albrechts-Universität Kiel und der Süddänischen Universität in Sonderburg (Sønderborg) die Frage klären, wie die Geschichte vermittelt werden kann. In diesem Jahr ist das Ende des Zweiten Weltkriegs 80 Jahre her.

Während der Konferenz soll auch die Frage nach dem Standort für ein solches Vermittlungszentrum geklärt werden.

SSW hält Speicherlinie für die beste Lösung

Lars Erik Bethge vom Südschleswigschen Wählerverband, der Mitglied im Kulturausschuss ist, hält das Alte Arresthaus im Hinterhof der Polizeistation an der Speicherlinie für den besten Ort. Ob sich das auch machen lasse, müsse man sehen, sagte er im Ausschuss.

Flensburg hatte eine besondere Rolle in den letzten Wochen nach Kriegsende. Nach der Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945 regierten die Nationalsozialisten noch aus der Fördestadt. Zwischen 2.000 und 3.000 Nazis tauchten von hier aus unter. Es war hinter der heutigen Polizeiwache, wo Hitlers Nachfolger Karl Dönitz verhaftet wurde.

Laut Lars Erik Bethge ist es ebenso wichtig, nicht nur die Geschichte der Verbrecher zu vermitteln, sondern auch die der Opfer. Es sei wichtig, dass die Kommune das Projekt priorisiert. „Ich glaube, es ist unglaublich wichtig, dass wir dafür sorgen, den Prozess fortzusetzen“, sagte er „Flensborg Avis“.

Hans Christian Davidsen, Kulturredakteur von „Flensborg Avis“ und Autor mehrerer Bücher, sprach im vergangenen Jahr bei der Neujahrstagung der deutschen Minderheit in der Akademie Sankelmark über die sogenannte „Rattenlinie Nord“ und die Ereignisse von Ende April bis zum 23. Mai 1945. Der gebürtige Haderslebener fragte: „Warum sind die Ereignisse so unsichtbar?“ Schon im Januar 2024 wünschte er sich ein zentrales Dokumentationszentrum und Infotafeln an Täter- und Opferplätzen in Flensburg und dem Umland. Sein Wunsch wird nun offenbar gehört.