Mensch & Umwelt

Mehr Biomasse als erlaubt: Gegenwind für die Biogasanlage in Sode

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Nach Meinung der Kommune Hadersleben hat der Betreiber der Biogasanlage in Sode gegen Umweltauflagen verstoßen.

Ostern berichtete die Zeitung „Finans“ als erstes Medium, dass in der Biogasanlage in Sode mehr Biomasse entgegengenommen wurde, als von der Kommune genehmigt. Deutlich mehr. Nun reagiert die Kommune, die nach eigenen Worten erst spät zu den Zahlen kam.

Die Biogasanlage in Sode bei Heisagger (Hejsager), vom Unternehmen Biocirc betrieben, steht in der Kritik. Wie die Zeitung „finans.dk“ nach Ostern als erste berichtete, hatte das Unternehmen mehr als das Doppelte an Biomasse entgegengenommen, als von der Kommune erlaubt. Finans.dk bezieht sich dabei auf Dokumente aus der Kommune Hadersleben, die sie einsehen konnte. Dort hörte man nach eigener Aussage erst im März davon, dass erlaubte und tatsächlich angelieferte Menge Biomasse stark voneinander abwichen. Das Unternehmen ist anderer Ansicht.

Reaktion der Kommune

Die Kommune drohte mit Strafanzeige und erbat sich bis zum 1. Mai eine Antwort darauf, wie das Unternehmen die Biogasproduktion in den rechtlichen Rahmen bringen will. Die Antwort kam. Wie sie ausfiel, machte die Kommune nicht öffentlich, nur die Reaktion der Kommune war, dass sie an der Einhaltung der Regeln festhält.

Carsten Leth Schmidt, Vorsitzender des Ausschusses für Technik und Klima, ist alles andere als begeistert vom Betragen des Unternehmens. Auch befremdet es ihn, dass die tatsächlichen Zahlen in der Vergangenheit seinen Worten nach an die Energiebehörde gingen und nicht an die Kommune Hadersleben. Dass die Behörde dann jahrelang nicht tätig wurde, ist für ihn nicht nachvollziehbar. Die Kommune, so Leth Schmidt, sei erstmals zu der Zeit, als sich „Finans“ mit dem Unternehmen beschäftigte, von diesem mit Zahlen beliefert worden, weil Biocirc die Anlage gerne habe erweitern wollen. Dann sah auch die Kommune die Diskrepanz.

Leth Schmidt frustriert

Ein automatischer Abgleich von erlaubter und tatsächlicher Menge an Biomasse müsse doch möglich sein, so Leth Schmidt, selbst Landwirt, der als Landwirt nach eigenen Worten aufs Kilo kontrolliert werde, was den Stickstoffeintrag angehe. „Das ist schon frustrierend, wenn ich sehe, dass es dort über Jahre so ging.“

„Die Genehmigung der Anlage im Jahr 2018 war schon eine schwere Geburt“, erinnert er sich. Es sei damals zu Protokoll genommen worden, dass aufgrund des zu erwartenden Lärms, Gestanks und Verkehrs die Höchstmenge an Biomasse 200.000 Tonnen nicht überschreiten sollte.

Den Wunsch nach Erweiterung der Biogasanlage in Sode war für Carsten Leth Schmidt bislang nachvollziehbar. „Es sollte eine Anlage gebaut werden, mit der Gras in Energie und in Eiweiß umgewandelt werden kann.“ Für ihn eine zukunftsträchtige Sache. Aber er stellt verärgert fest: „Fast vier Jahre lang sind in der Anlage viel größere Mengen verarbeitet worden als erlaubt.“

Die Kommune Hadersleben erwägt weitere Schritte gegen das Unternehmen, etwa das Stellen einer Strafanzeige. Darüber befunden ist gegenwärtig noch nicht.

Biocirc: Hilfe bei der Grünen Umstellung

Biocirc habe der lokalen Landwirtschaft bei der Grünen Umstellung helfen wollen, so das Unternehmen in einer Stellungnahme. Um den Transport so klein wie möglich zu halten, habe man das Augenmerk auf lokale Zulieferende gerichtet. 67 Prozent der Gülle würden aus einem Umkreis von zehn Kilometern angeliefert, der Rest komme aus der Kommune Hadersleben und aus den Nachbarkommunen, rechnet Biocirc vor.

Das Unternehmen stellt fest: Wie aus unserem Dialog mit der Kommune hervorgeht, sind wir der Auffassung, dass wir uns an die Umweltauflagen gehalten haben. „Wir führen einen engen und kontinuierlichen Dialog sowohl mit der Kommune als auch mit unseren lokalen Partnern, und unsere Erfahrung zeigt, dass die Zusammenarbeit generell gut funktioniert“, schreibt Biocirc.