Geschichte und Kultur

Pattburg als Dreh- und Angelpunkt des Heerwegs und des Gendarmenpfades

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Für das Gelände vor dem Museum in Pattburg gibt es besondere Pläne.

Am Zoll- und Grenzmuseum in Pattburg soll ein Hotspot für die zwei geschichtsträchtigen Wander- und Transportrouten Heerweg und Gendarmenpfad entstehen. Angedacht ist eine Kombination aus Naherholungsgebiet und Vermittlungscenter. Der vorläufige Entwurf stößt auf Zustimmung.

„Da steckt ganz viel Synergie drin, auch grenzüberschreitend“, sagt Städteplaner Kasper Espersen von der Kommune Apenrade (Aabenraa). Er ist Feuer und Flamme für ein Projekt, an dessen Realisierung die Kommune in Zusammenarbeit mit dem Dörferrat „Bov Lokalråd“ arbeitet.

Auf dem Gelände neben dem Zoll- und Grenzmuseum in Pattburg soll im Rahmen der Gebietsentwicklung (områdefornyelse) eine Kombination aus Treffpunkt, Startpunkt und Vermittlungscenter entstehen.

Ziel ist es, auf den historischen Heerweg, auch Ochsenweg genannt, und auf den ebenfalls geschichtsträchtigen Gendarmenpfad (gendarmsti) hinzuweisen und die Routen in den Mittelpunkt zu rücken. Beide Wander- und Spazierrouten verlaufen durch den Pattburger Raum.

Für den Bereich am Pattburger Museum ist eine Um- und Neugestaltung vorgesehen.

Die Jakobswege Nordschleswigs

Der „Zoll- und Grenzgarten“, so der Arbeitstitel, ist als eine Art Hotspot der historischen Strecken gedacht. Wenn auch das touristische Wandern, Spazieren sowie Radfahren und nicht unbedingt das Pilgern den Fokus haben, werden Erinnerungen wach an die verschiedenen Routen des legendären Jakobswegs mit Ziel Santiago de Compostela in Spanien. Jahr für Jahr ziehen die Jakobsweg-Routen im Süden Europas Hunderttausende Pilgerinnen und Pilger aus aller Welt an.

Der Hotspot auf dem Gelände des kommunal betriebenen Museums am Bovvej soll aus einem kleinen Naturgebiet mit See, Sitzgelegenheiten, Schildern und historischen Infotafeln bestehen.

„Das gesamte Vorhaben am Museum passt hervorragend zum Heerweg-Vermarktungsplan, für den sich 14 Kommunen, durch die der Weg führt, zusammengetan haben, darunter auch Apenrade“, ergänzt Stadtplaner Espersen.

3D-Modell des Heerweggartens vor dem Museum

Erinnerung an deportierte Grenzgendarmen

Laut Entwurf ist auch ein Abschnitt mit Pfählen vorgesehen. Jeder Pfahl wird laut Idee einem der dänischen Grenzgendarmen gewidmet, die während der Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg vom Hitler-Regime in KZs deportiert worden waren. Etliche kamen fernab der Heimat ums Leben.

„In Rothenkrug und Klipleff entstehen zudem weitere kleinere Heerweg-Hotspots in der Kommune Apenrade", so Kasper Espersen.

Ortsentwicklung und Heerweg-Hotspot Hand in Hand

Abschnitt mit Pfählen, die an deportierte Grenzgendarmen erinnern sollen

Beim Museumsprojekt in Pattburg spiele auch der Entwicklungsplan für die angrenzende Ladenmeile „Torvecenter“ hinein. Die Gestaltung des Grenz- und Zollgartens und die Um- und Neugestaltung des Torvecenters sollen nach Möglichkeit in enger Abstimmung erfolgen, damit der Ortsteil miteinander verschmilzt, skizziert Espersen einen weiteren Ansatz.

Die Errichtung des Hotpots werde in Etappen vorgenommen. Welche Maßnahmen als Erstes umgesetzt werden, gelte es im weiteren Planungsprozess noch abzuklären.

„Ich kann mir gut vorstellen, dass im Frühjahr kommenden Jahres parallel zur Neugestaltung des Torvecenters die ersten Arbeiten am Grenz- und Zollmuseum erfolgen“, so Espersen.

Großer Fan des Hotspots ist nicht zuletzt Mads Mikkel Tørsleff, Leiter des Zoll- und Grenzmuseums, erwartet doch auch er Synergieeffekte für das Museum.

Museumsleiter angetan

„Ich halte es für begrüßenswert, dass unser Grundstück für dieses Projekt einbezogen wird. Die Idee mit diesem Vorhaben passt thematisch ja hervorragend zu den Ausstellungsbereichen des Zoll- und Grenzmuseums“, so Mads Mikkel Tørsleff, der in der Planungsgruppe mitarbeitet.

Der Museumsleiter lässt sich spaßeshalber auf den Vergleich mit dem Jakobsweg ein: „Ob wir hier annähernd solch einen Bekanntheitsgrad bekommen, ist wohl fraglich. Historisch betrachtet hängen der Heerweg und der Jakobsweg aber irgendwie zusammen. Wer von Norden kommend den Pilgerweg nach Santiago antrat, der nahm den Ochsenweg und kam dabei durch Pattburg und das heutige Grenzgebiet“, so Tørsleff.

Er blickt der Umgestaltung des Museumsgrundstücks gespannt entgegen. Zum Glück bleibt auf der gegenüberliegenden Seite noch Platz für den eigenen Garten mit alten Apfel- und Obstsorten. Das ist ein Steckenpferd des Museumsleiters.

Mads Mikkel Tørsleff (Mitte) 2021 bei der Eröffnung des Museumsabschnitts zur regionalen Zoll- und Grenzgeschichte. Der Museumsleiter verspricht sich viel von den Plänen eines Heerweg-Hotspots (Archivfoto).

Im heutigen Zoll- und Grenzmuseum sind immer noch Bereiche des ursprünglichen Heimat- und Landwirtschaftsmuseums enthalten, und dazu passt die regionale Obstanbaugeschichte.

„Den einen und anderen Baum werden wir womöglich umpflanzen, insgesamt bleibt aber genug Platz für die Obstbäume“, so Tørsleff.

Ortsansässige als Sparringspartner

Eine große Fürsprecherin des Heerweg- und Grenzgendarmengartens ist auch Ninna Schrum, Vorsitzende des Ortsvereins Pattburg-Fröslee (Frøslev) und kraft Amtes Mitglied von „Bov Lokalråd“.

„Es ist in Verbindung mit der Gebietserneuerung schon länger an dem Projekt gearbeitet worden, und es gab viel Input aus dem lokalen Umfeld. Der vorgelegte Entwurf ist vielversprechend“, so die Pattburgerin.