Konzertveranstaltung

Weltklasse auf dem sandigen Bolzplatz

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Das Münchner Bläserquintett „Harmonic Brass“ lobt die tolle Akustik zwischen den beiden Schulgebäuden in Tondern.

Das Bläserquintett „Harmonic Brass“ begeisterte bei seinem zweiten Auftritt in Tondern. Wird es 2023 ein Wiedersehen in der Wiedaustadt geben?

Die Meinungen gehen auseinander: Passt ein hochklassiges Bläserkonzert auf einen graslosen Bolzplatz zwischen zwei Handballtore oder nicht? Es gibt jedoch keine zwei Meinungen darüber, dass das Münchner Bläserquintett „Harmonic Brass“ am Sonnabend erneut ein Weltklasse-Konzert auf dem (einstigen) Rasen der Ludwig-Andresen-Schule in Tondern gegeben hat.

Die vier Musiker und die Musikerin, die bereits auf den größten Bühnen der Welt gestanden haben, loben allerdings den Platz für seine Akustik. Bei Freiluftkonzerten können die Töne leicht „verschwinden“. Das ist in Tondern nicht der Fall. Im Gegenteil. Durch die Platzierung zwischen Brenner-Haus und Hauptgebäude der deutschen Schule hat die Akustik fast Konzertsaalqualität und gewährleistet brillanten Sound.

Ausschau nach Alternativen

Trompeter Hans Zellner (r.) ist der musikalische Kopf des Quintetts, während Hornist Andreas Binder gerne die Rolle des „Entertainers“ und Conferenciers übernimmt.
Trompeterin Elisabeth Fessler gehört seit 2014 zum Ensemble.
Posaunist Alexander Steixner (Jahrgang 1995) und Tubist Karl-Wilhelm Hultsch (Jahrgang 1996) gehören seit vier beziehungsweise seit zwei Jahren dem Münchner Bläserquintett an. Dabei leben sie in Österreich. Steixner ist gebürtiger Innsbrucker und ist seiner Heimatstadt treu geblieben, während der Dresdner Hultsch derzeit noch in Salzburg studiert.

Sollte es deshalb im kommenden Jahr zu einem Wiedersehen in der Wiedaustadt kommen, haben sich die Musizierenden bei einem Spaziergang durch die Stadt alternative Schauplätze angesehen. „Die Idee von einem Hafenkonzert an der stadtsanierten Schiffbrücke (Skibbroen, red. Anm.) fanden sie ganz witzig“, erzählt Dirk Andresen, Vorstandsmitglied der Deutschen Gemeindepflege für Tondern und Uberg, die das kostenlose Konzerterlebnis auch in diesem Jahr wieder ermöglicht hatte. Von einem Umzug an einen Standort in unmittelbarer Nähe der Fußgängerzone erhoffen sich die Veranstalter, dass noch mehr Zuhörende in den Genuss des hochklassigen Konzertes kommen.

Sommerliches Programm

Dirk Andresen begrüßte das Publikum im Namen der Deutschen Gemeindepflege für Tondern und Uberg.
Das Publikum saß im Schatten der Bäume.
Immer wieder wurde das Publikum zu begeisterndem Applaus hingerissen.

Eigentlich lautet das aktuelle Programm des Quintetts „Playlist“. „Für das Konzert in Tondern haben wir das Programm ein wenig abgeändert; wir haben es sozusagen ,sommerlicher’ gestaltet, dem Rahmen angepasst“, sagt Andreas Binder, Sprecher und Hornist des Ensembles.

So konnte das Publikum, gemütlich im Schatten der Bäume sitzend, seinen mitgebrachten Kaffee oder Wein zu „Sommermelodien“ genießen. Hatte es am Vormittag noch in Tondern geregnet, so strahlte am Nachmittag die Sonne.

Enorme Vielseitigkeit

Die historische „Flüstertüte“ eignet sich nicht nur für offizielle Durchsagen, sondern hat sich schon im vergangenen Jahr bei Binders charmanter Anmoderationen bei dem Freiluftkonzert bewährt.
Außer ihre Blasinstrumente hatte das Münchner Quintett auch einige Percussion-Instrumente in ihren Tourbus gepackt, die bei den schwungvolleren Stücken gegen Konzertende zum Einsatz kamen.
Die Musiker waren in der prallen Sonne ausgesetzt, während das Publikum im Schatten sitzen konnte. Es hatte aber niemand zu hoffen gewagt, dass das Wetter am Nachmittag noch so sommerlich werden würde. Am Vormittag hatte es in Tondern noch geregnet.

Die Vielseitigkeit des Quintetts imponierte erneut. So faszinierte „Harmonic Brass“ mit einer Paganini-Komposition, die der italienische Musikschaffende eigentlich für Violine geschrieben hatte. Um es für das Münchner Bläserquintett passend zu machen, hatte dessen musikalischer Kopf, Trompeter Hans Zellner, das anspruchsvolle Stück für Tuba neu arrangiert. Während das Publikum bei solchen Melodien andächtig lauschte, wurde bei anderen Stücken mitgewippt und mitgeklatscht. Die Bandbreite reichte bis hin zum funkigen Jazz. Beim Stück „Garden Party“ der isländischen Gruppe „Mezzoforte“ swingte das Publikum fröhlich mit.

Die Zuhörerinnen und Zuhörer drückten ihre Begeisterung mit heftigem Applaus und Beifallsrufen aus und zwangen die Blasmusiker zu mehreren Zugaben. Mit einer italienischen Weise, bei der Andreas Binder den Troubadour gab, endete dann schließlich das hochklassige Konzert auf dem Bolzplatz. Das Publikum blieb jedoch noch auf den mitgebrachten Campingstühlen und Picknickdecken sitzen und ließen den Nachmittag noch bei einem Gläschen Wein ausklingen.