Lärmpegelrichtwerte überschritten

Anwohner: Windkraftanlagen bei Böhlau mehr als grenzwertig

Kjeld Thomsen
Kjeld Thomsen Lokalredakteur
Böhlau/Bølå
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Åge Bräuner wehrt sich gegen die Werte der Windkraftanlagen vor seiner Haustür. Foto: Karin Riggelsen

Dänische Behörden hätten gegen deutsche Anlagen intervenieren müssen, so der Vorwurf von Åge Bräuner.

Åge Bräuner aus Böhlau kämpft gegen Windmühlen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Zu den bestehenden Windkraftanlagen auf dänischer Seite in Böhlau und Renz kamen 2013 bekanntlich 17 größere Windkrafträder auf deutscher Seite der Grenze in unmittelbarer Nähe zum Bräune-Anwesen hinzu. Der Böhlauer ist überzeugt, dass das Aufstellen der deutschen Anlagen nicht hätte zugelassen werden dürfen.

Die Lärmpegelrichtwerte bei ihm und bei weiteren Anrainern in Böhlau werden ab einer bestimmten Windstärke überschritten. Bräuner liegt eine Berechnung vor, die das dokumentiert. Auf eine Überschreitung hätte die Naturbehörde laut Bräuner aufmerksam sein müssen, als die Angelegenheit von deutscher Seite weitergeleitet wurde mit der Möglichkeit, Einwände vorzubringen.

Im Genehmigungsverfahren hätten die Lärmpegelberechnungen nach dänischer Norm einfließen müssen, so die Auffassung von Åge Bräuner, der seine Bedenken von Beginn an vorbrachte, ohne dass er etwas ausrichten konnte. Die Anlagen kamen. Bräuner lässt indes nicht locker. Über den Ombudsmand hat er eine Stellungnahme der Naturbehörde (heute Umweltbehörde) angefordert, er lud Politiker zu sich in den Garten ein und wandte sich auch an EU-Stellen, um die Problematik zu verdeutlichen. Er würde sich auch von der Kommune mehr Unterstützung wünschen (siehe Leserbrief).
Den Fall Böhlau griff Folketingspolitiker Christian Rabjerg Madsen (Sozialdemokraten) auf. Im Oktober fragte er offiziell beim Umwelt- und Lebensmittel-Minister Esben Lund Larsen an, ob eine in Aussicht gestellte Lärmpegelmessung für Böhlau erfolgt ist.

Antwort kam in der vergangenen Woche

In der vergangenen Woche kam die Antwort. Eine Messung sei nicht erfolgt, er sei sich der Problematik in Böhlau aber bewusst, so der Minister. „Ich habe vor diesem Hintergrund Gespräche mit dem schleswig-holsteinischen Minister für Energie, Landwirtschaft, Umwelt und Landdistrikte über die generelle Zusammenarbeit zwischen den Behörden über die Grenze bezüglich der Errichtung von Windkraftanlagen geführt.“ „Die Umweltbehörde hat sich an die deutschen Behörden gewandt, um den Geräuschpegel von den deutschen Anlagen mit den dänischen Lärmpegelrichtlinien abzugleichen. Das Treffen ist am 1. Dezember vorgesehen“, heißt es weiter.

Bräuner und Nachbarn werden das Ergebnis dieses Treffens mit Argusaugen verfolgen. Die 17 Anlagen mit einem millionenschweren Investitionsvolumen „werden sicherlich nicht wieder abmontiert“, so Bräuner zum Nordschleswiger. Wenn es ein Problem mit dem Geräuschpegel gibt, dann muss es aber ausgeräumt werden, so Bräuner – unabhängig davon, ob die Anlagen gar nicht erst hätten aufgestellt werden dürfen oder ob sie hier und jetzt Grenzwerte überschreiten.

Wird keine Lösung gefunden, ist eine angemessene Entschädigung das Mindeste, was die Anwohner in Böhlau erwarten können, so Bräuner, der angesichts dänischer Versäumnisse sogar mit einer Klage bei der EU-Kommission liebäugelt.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Eine neue Laufbahn“