Krug in Holbi

Kurzentschlossen und reiflich überlegt

Anke Haagensen
Anke Haagensen Lokalredakteurin
Holbi/Holdbi
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Peter Rømer steht ab Dienstag am Herd des Holdbi Kro am Aabenraavej in Holbi. Foto: Karin Riggelsen

Von der Millionenstadt nach Holbi: Der Familienrat hat entschieden. Peter Rømer übernimmt A Hereford Beefstouw am Aabenraavej.

„Hmpfr!“, ärgert sich Peter Rømer. Er war nur kurz weg, um einen Router für das Internet zu besorgen, damit am Dienstag der Kassenapparat funktioniert, und ausgerechnet in der Viertelstunde dann wird der neue Herd für den Krug in Holbi geliefert. Das 350 Kilogramm schwere Teil steht jetzt vor dem Gebäude und nicht in der Küche. „Wie das Teil jetzt reinkommt, darum muss sich der Monteur kümmern“, beschließt der 49-Jährige und kümmert sich selbst um andere – im Moment dringlichere – Dinge. Und davon gibt es reichlich: Am kommenden Dienstag will der neue Pächter den Krug wieder eröffnen. Dabei wurde erst vor gut einer Woche der Pachtvertrag ausgehandelt.

Zwei Monate hat das Restaurant leer gestanden. Ein bisschen frischer Wind muss sein. So werden sicher noch bis Dienstag die Handwerker durch das Haus wirbeln. Die Maler haben dem einst kreideweißen Gastraum etwas Farbe verliehen. Drei verschiedene Gelbtöne werden in den Abendstunden bei Kerzenschein gemütliche Atmosphäre ausstrahlen. Auf Wunsch von Peter Rømer haben die Maler den Barbereich schwarz gemalt. „Das sieht toll aus – modern“, findet auch Martina Sørensen, die bereits unter Rømers Vorgänger Paul Loichtl Restaurantchefin in Holbi war, und nun unter dem neuen Chef weitermachen wird.

Auch außen hat Peter Rømer dem Holdbi Kro schon seinen Stempel aufgedrückt. Man kann die schöne Terrasse des Hauses jetzt schon von der Landstraße sehen, nachdem er ein wenig Wildwuchs entfernt hat. „Ich denke, der Bretterzaun kommt auch noch weg. Der Holzverschlag da hinten“, sagt er und deutet auf eine kleinen Schuppen am Grundstücksrand, „muss auf jeden Fall noch weg.“ Der 49-Jährige möchte, dass seine Gäste aus dem Restaurant und später von der Terrasse einen ungestörten Ausblick auf die schöne Natur genießen können. „Ich hoffe, dass die früheren Gäste weiter zu uns kommen und dass wir auch neue Gäste begrüßen können“, sagt der gelernte Koch und Hotelökonom. Die offizielle Einweihungsfeier verschiebt er übrigens auch auf Mitte Januar. Dafür ist jetzt keine Zeit.

Ein bisschen Farbe muss sein – Gelbtöne sorgen für Gemütlichkeit. Foto: Karin Riggelsen

„Unser Lebensplan sah vor, dass wir irgendwann in die Heimat zurückwollten“

Peter Rømer freut sich auf den kommenden April. Dann wird die Familie nachkommen. Seine Frau und die drei gemeinsamen Töchter (12, 14 und 17 Jahre alt) müssen noch in München alles abwickeln, bevor sie nach Nordschleswig kommen.
Elf Jahre lang war die Isarstadt Lebensmittelpunkt der dänischen Familie. „Unser Lebensplan sah vor, dass wir irgendwann in die Heimat zurückwollten. Irgendwann ist jetzt“, stellt Peter Rømer fest. Auch wenn es den Eindruck haben könnte, dass die Entscheidung Hals über Kopf gefällt wurde, so ist sie doch reiflich überlegt. Die Familie hatte sich ja schon länger mit dem Gedanken getragen, nach Dänemark zurückzukehren. Als Peter Rømer dann von Bekannten auf einen Zeitungsartikel auf das leer stehende Restaurant in Holbi aufmerksam gemacht wurde, fuhr die Familie zunächst von München nach Nordschleswig, um sich vor Ort umzusehen.

„Wir waren sehr angetan. Dann hat der Familienrat getagt und sich dafür entschieden“, schildert Peter Rømer den Entscheidungsfindungsprozess. Da seine Töchter in München eine deutsche Schule besucht haben, aber zweisprachig aufgewachsen sind, weil seiner Frau und ihm das wichtig war, haben sie die Deutsche Privatschule Apenrade und das Deutsche Gymnasium für Nordschleswig gewählt. „Dann können alle drei Mädchen gemeinsam mit dem Bus nach Apenrade fahren. Die Linie 220 fährt ja direkt an unserer künftigen Haustür vorbei“, sagt Peter Rømer. Dies beweist, dass der Familienrat tatsächlich alles gut überlegt und besprochen hat.

Kontakt zum Verpächter

Nachdem sich die Familie positiv entschieden hatte, nahm Peter Rømer Kontakt zum Verpächter, dem Unternehmen Aage Damgaard ApS, auf. Freitag vor einer Woche fuhr er erneut nach Dänemark, um u. a. mit seinem Vorgänger Loichtl zu sprechen. Die letzten Modalitäten wurden dann im Laufe des Montags mit dem Eigentümer geklärt. Gut ist, dass das Unternehmen verlässliche Handwerker aus der Gegend kennt, die auch so kurzfristig Hand anlegen und sogar das Wochenende dafür opfern wollen. Wenn die Maler fertig sind, der Monteur den neuen Herd angebracht und die neuen Kühlschränke geliefert wurden, fehlt eigentlich nur noch der neue Bodenbelag im Eingangsbereich, dann kann alles wieder eingeräumt werden. Weitere Projekte – wie die Gästetoiletten – hat Rømer aus Zeitgründen verschoben. Für die Kunst an den Wänden sorgt übrigens der Verpächter höchstpersönlich. Direktor Lars Damgaard ist ein großer Kunstsammler und stellt einige seiner Werke zur Verfügung.

„Ich werde das Hereford-Beefstouw-Konzept der Familie Damgaard übernehmen. Nach und nach hoffe ich, auch ein paar eigene Ideen entwickeln und einbringen zu können“, sagt der gelernte Koch und Hotelökonom, der langjährige Erfahrung aus verschiedenen Häusern in Dänemark und im Raum München mitbringt. Ausgebildet ist er im Hotel Scheelsminde in Aalborg. Eine der Stationen seiner Karriere war der renommierte Falsled Kro. In seinen elf Jahren in München hat er zuletzt als Projektmanager in einer Stiftung gearbeitet, doch davor war er u. a. als Küchenchef des Tagungshotels La Villa am Starnberger See und bei der Cateringfirma Do & Co tätig. Diese Erfahrungen mit größeren Veranstaltungen hofft er natürlich, künftig auch in Holbi einbringen zu können.

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