Besatzungszeit

Zufällige Opfer des 9. April

Zufällige Opfer des 9. April

Zufällige Opfer des 9. April

Hadersleben/Haderslev
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Der Spielfilm „9. April“ mit Pilou Asbæk in der Hauptrolle wurde in Hadersleben gedreht. Hier eine Filmszene vom Mühlenplatz, wo auch einer der Museumsständer steht. Foto: Ute Levisen

Am Freitag jährt sich der Einmarsch deutscher Truppen in Hadersleben zum 81. Mal. Dänische und deutsche Soldaten lieferten sich damals an fünf Orten in der Domstadt vier Stunden lang erbitterte Gefechte. Diese hatten auch zivile Opfer. Zwei Angehörige der deutschen Volksgruppe wurden tödlich getroffen – von Maschinengewehrsalven der Wehrmacht.

Am 9. April 1940 begannen für Dänemark die dunklen Jahre der Besatzungszeit. Hadersleben war an jenem Tag Schauplatz von Kampfhandlungen zwischen dänischen und deutschen Soldaten. Unter den Opfern dieser Gefechte waren nicht nur Soldaten, sondern auch Zivilisten. Zwei Angehörige der deutschen Volksgruppe gerieten in die Schusslinie und wurden von einer Maschinengewehrsalve deutscher Soldaten tödlich getroffen.

Handwerker von deutschen Kugeln getroffen

Helmuth Weitling war einer von ihnen. Der Maurer war an diesem Tag mit Bauarbeiten an der Kaserne beschäftigt, als die Wehrmacht in die Domstadt einmarschierte. Gemeinsam mit seinem Berufskollegen, dem damals bereits pensionierten Eduard Jürgens, machte sich Weitling auf den Weg zum Kasernentor, als am Gammelting erste Schüsse fielen. Auf dem Bürgersteig gerieten beide Männer in die Schusslinie und erlagen noch vor Ort ihren Verletzungen.

Fünf Museumsständer erinnern bis zum 22. April an die Ereignisse vom 9. April in der Stadt Hadersleben. Hier ist der Ständer am Torvet zu sehen. Foto: Ute Levisen

Unterschiedliche Haltungen

„Sie waren beide Angehörige der deutschen Volksgruppe – aber sie hatten eine diametral entgegengesetzte politische Haltung“, erläutert Bent Vedsted Rønne, Leiter des Historischen Archivs und Museumschef der Kommune Hadersleben: „Während Jürgens ein Anhänger von Hitlers Politik gewesen ist, war Weitling überzeugter Sozialdemokrat.“

Der Haderslebener Journalist Flemming Just hat den vierstündigen Krieg auf Haderslebens Straßen am 9. April in seinem Buch beschrieben. Foto: Ute Levisen

Mehrheit sympathisierte mit Hitler-Deutschland

Weitling war bei Weitem keine Ausnahmeerscheinung unter den Deutsch-Nordschleswigern. Dennoch: Nach Einschätzung des Archivleiters war die Mehrheit der Volksgruppenmitglieder in Hadersleben ab den 30er Jahren auf der Seite Nazideutschlands. Andererseits habe es nicht wenige Deutsch-Nordschleswiger gegeben, die ihre Kinder bereits kurz nach der Machtergreifung Hitlers 1933 aus den deutschen Schulen abmeldeten.

Arbeiterfamilien distanzierten sich

„Dabei handelte es sich vornehmlich um Arbeiterfamilien, unter ihnen waren viele Sozialdemokraten“, so Vedsted Rønne, „die ihre Kinder vor einer ideologischen Beeinflussung im Sinne Hitler-Deutschlands bewahren wollten.“
Generell sei dieser Aspekt wenig erforscht, räumt Rønne ein: „Das liegt daran, dass die Geschichte normalerweise von Menschen mit einem hohen Bildungsgrad geschrieben wird, also in der Regel nicht von der Arbeiterklasse.“

Auch auf dem Mühlenplatz spielten sich am 9. April dramatische Kampfhandlungen ab. Foto: Ute Levisen

Vier Stunden lang Krieg

In seinem 2015 erschienenen Buch „Soldaten, der vidste, at han skulle dø. Beretninger om fire timers krig den 9. april 1940 i Sønderjylland” beschreibt der Haderslebener Journalist Flemming Just die Geschehnisse des 9. April in der Domstadt eingehend. Sein Werk ist unter anderem über das Historische Archiv erhältlich.

Straßenausstellung bis zum 22. April

Bis zum 22. April erinnern Museumsständer an fünf Orten in der Haderslebener Innenstadt in Wort und Bild an die damaligen Ereignisse. 2014 wurde in der Domstadt an den Originalschauplätzen der Film „9. April“, unter anderem mit Pilou Asbæk in der Hauptrolle, bekannt aus „Game of Thrones“, aufgenommen. Die Dänemark-Premiere des Spielfilms fand ein Jahr später in Hadersleben statt.

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