Deutsche Minderheit

Sie war in der ganzen Welt, ihr Herz bleibt aber immer in Ekensund

Gertraudt Jepsen schwamm mit Delfinen in der Karibik.

Gertraudt Jepsen wird am 5. März 70 Jahre alt. Ihr Leben als Journalistin, Fernsehmoderatorin, Presseleiterin bei Danfoss, Autorin und seit 2023 als Vorsitzende im Sozialdienst Nordschleswig führt sie weit umher. Am wichtigsten bleibt ihr jedoch die Familie, wie sie in ihrem Geburtstagsinterview erklärt.

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Zusammenfassung

  • Gertraudt Jepsen wird 70 Jahre alt und blickt auf ein bewegtes Leben als Journalistin, Pressesprecherin und Autorin zurück.
  • Heute leitet sie den Sozialdienst Nordschleswig, engagiert sich im Frauenhaus in Sonderburg und sucht Verstärkung im Vereinsvorsitz.
  • Trotz Weltreisen und großer beruflicher Projekte steht für sie ihre Familie in Ekensund im Mittelpunkt.

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Gertraudt Jepsen spricht nicht gern über sich selbst, sie steht lieber hinter als vor dem Mikrofon. „Aber ich werde am 5. März 70 Jahre alt – dann muss selbst die Vorsitzende des Sozialdienst Nordschleswig anderen einen kleinen privaten Einblick gewähren“, sagt sie. In ihrer Küche bei frisch gebrühtem Kaffee erzählt sie aus ihrem Leben, während ihr Blick über die Flensburger Förde schweift.

Nach dem Besuch der deutschen Schulen in Broacker (Broager) und Sonderburg und dem Abitur am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig studierte sie in Aarhus Germanistik und Spanisch. Neben dem Studium übernahm sie als Krankenpflegerin Schichten im Altersheim und finanzierte so ihre Reisen.

SWR, ARD, ZDF, DR, TV-Syd und Danfoss

Ein Praktikum beim ZDF brachte sie in die Skandinavien-Redaktion nach Kiel. „Da war ich geliefert. Dann habe ich einfach nichts anderes mehr gemacht. Ich habe mich ganz auf Fernsehen und TV-Journalistik konzentriert“, meint sie. Es folgten Anstellungen bei dänischen und deutschen Sendern. Sie arbeitete unter anderem für SWR, ARD, ZDF, DR und TV-Syd und half beim Aufbau der Region Sønderjylland-Schleswig.

Dreharbeiten in Fortaleza in Brasilien mit einem ehemaligen Manager, der Franziskaner Mönch wurde.

Ab 2000 arbeitete Gertraudt Jepsen als Presseleiterin beim Konzern Danfoss in Norburg (Nordborg), zuständig für Europa und Lateinamerika. Sie gehörte seit vielen Jahren dem deutschen und dem dänischen Journalistenverband an, arbeitete 25 Jahre lang als Zensorin an dänischen Universitäten und absolvierte eine Ausbildung in Coaching und Wirtschaftspsychologie. 2011 kündigte sie, behielt viele ihrer früheren Danfoss-Aufgaben jedoch unter eigener Fahne. „Danfoss war der beste Arbeitgeber, den ich je hatte“, sagt sie.

Fernsehen für Sozialdienst und Frauenhaus

Gertraudt Jepsen macht weiterhin Fernsehen – jetzt aber „nur“ für den Sozialdienst und das Frauenhaus „Sønderborg Kvinde- & Krisencenter“, wo sie seit 2018 als zweite Vorsitzende arbeitet. „Wenn ich dort eintrete, dann fällt irgendwie alles von mir ab. Man muss dort ganz zugegen sein, weil man für die dort untergebrachten Frauen Sicherheit gibt. Dort macht man einen Unterschied“, sagt sie über das Frauenhaus. Seit 2023 steht sie außerdem an der Spitze des Sozialdienst Nordschleswig und vertritt die deutsche Minderheit in „TV-Syds Repræsentantskab“.

Gertraudt Jepsen bei winterlichen Temperaturen in ihrem Garten

Nach einer Schicht im Frauenhaus legt sie alles ab. „Das habe ich gelernt. Wenn ich nachts schlafen gehe, sag ich: Gute Nacht, Gedanken. Dann leg ich alles weg“, erzählt sie, die seit vielen Jahren meditiert. Sie hört gern Hörbücher und lauscht unter anderem Michelle Obama, Isabel Allende, Hape Kerkeling und Tom Buk-Swienty.

Gut genug ist einfach nicht gut. So hab ich das nun mal.

Gertraudt Jepsen

2023 übernahm sie die Leitung des Sozialdienstes Nordschleswig, in dem auch ihre Mutter Inge viele Jahre aktiv war. „Das ist eine sehr große Aufgabe, weil der Sozialdienst sich weiter entwickeln muss“, sagt sie. Weil die Aufgabe so umfassend ist, sucht der Sozialdienst nun eine zweite Vorsitzende oder einen zweiten Vorsitzenden. „Ich hoffe, es ist jemand, der ordentlich mitanpacken kann – und vielleicht nächstes Mal den Vorsitz übernimmt. Ich kann ja nicht beibleiben“, meint sie.

Die Enkel sind „the love of my life"

Sie verbringt viel Zeit mit Mutter Inge, Tochter Lene und den Enkeln, die sie liebevoll „the love of my life“ nennt. Die Kinder sind häufig bei ihrer „mormor“ oder bei Uroma Inge, die sie Oma nennen, und halten beide in Gang. Für die Familie Jepsen bilden die drei nebeneinander liegenden Häuser an der Sundgade das Zentrum – alle stehen füreinander ein, essen ab und zu zusammen und helfen sich.

Mit den Enkelkindern Cathrine und Jonathan verbringt die Oma viel Zeit.

Gertraudt Jepsen beschreibt ihre Familie als international. Sie arbeitete einst in Südamerika, ihr Bruder in Australien, die Schwester in Hongkong. Über 25 Jahre lang reiste sie oft nach Kuba, 2016 wanderte sie den Camino nach Santiago de Compostela. „Ich sitze heute und bin einfach zufrieden. Ich bin so viel gereist, wie ich es wollte. Ich habe heute einfach keine Lust mehr auf alles Mögliche. Ich will nur zu Hause sein und mich hyggen“, sagt sie.

Ich bin mit Delfinen in der Karibik geschwommen, und das Gleiche würde ich gern mit Walen in Tonga tun.

Gertraudt Jepsen

Mit Scherereien wie Rheuma und anderen Gebrechen will sie keine Zeit verschwenden. „Aber ich bin manchmal auch wirklich müde“, gibt sie zu. „Wenn mein Körper sagt, dass ich nicht mehr kann, höre ich mit der freiwilligen Arbeit auf. Ich will selbst bestimmen. Das steht mir dienstgradmäßig zu“, sagt sie. 

Wenn die Schneeglöckchen zu Gertraudt Jepsens Geburtstag blühen, bringt das Glück.

Sie liebt ihr Haus an der Sundgade. „Mein Vater starb hier. Ich habe es meiner Mutter versprochen, und auch ich will hier mal rausgetragen werden. Dann will ich einfach runter in den Garten ziehen“, sagt sie und schaut über den schneebedeckten Rasen auf die Förde.

Ahnenforschung und Skatklub für Frauen

Wenn sie sich selbst mehr Zeit gönnt, will sie sich der Ahnenforschung widmen. Einer ihrer Vorväter baute 1906 die Kirche in Ekensund mit Ziegelsteinen aus dem Ort. „Sie wurde in deutscher Zeit gebaut und heute steht sie in Dänemark“, meint sie. Über diesen Mann möchte sie mehr herausfinden. Ein weiteres Projekt ist ein Skat-Club für Frauen. „Ich kenne die Regeln und ich liebe diesen Sport“, sagt sie. „Gut genug ist einfach nicht gut. So hab ich das nun mal“, meint sie.

Von Gertraudts Haus gibt es einen einzigartigen Blick hinaus auf die Flensburger Förde.

Einen großen Traum legt sie aber doch zur Seite. „Es gibt 194 Länder. Ich will jedes davon sehen, heißt es in einem Song. Ich bin mit Delfinen in der Karibik geschwommen, und das Gleiche würde ich gern mit Walen in Tonga tun. Aber das kann ich nicht mehr, weil ich nicht mehr so weit reisen möchte. So ist das. Dann schwimme ich eben hier mit den Enkeln“, sagt sie.

Ein besonderes Kapitel in ihrem Berufsleben bildet das Porträt der Danfoss-Witwe Bitten Clausen. An dem 208 Seiten langen Buch arbeitete Gertraudt Jepsen sechs Jahre lang neben ihrer Arbeit bei Danfoss. Das Werk ist heute ausverkauft, einzelne Exemplare finden sich in Antiquariaten. „Wir konnten richtig gut zusammen“, sagt sie über die Zeit mit Bitten Clausen, mit der sie viele Feiertage verbringt. 

„Je mehr wir uns kennenlernten, je mehr Respekt entstand. Davon habe ich sehr viel gelernt. Das war einfach super“, sagt sie. Viele Lesende loben, dass sie Bitten Clausen erzählen lässt und sich mit eigenen Kommentaren zurückhält.

Gertraudt Jepsen (unten links) mit ihrer Familie beim Urlaub auf Röm (Rømø)

Apropos Biografie: Gertraudt Jepsen sucht nach einem neuen „Opfer“. Wenn sie wieder mehr Zeit hat, will sie ein Buch über eine Frau aus Nordschleswig auf Sønderjysk schreiben. „Ich habe eine bestimmte Person im Visier“, sagt sie. „Aber ich habe mich noch nicht getraut, sie zu fragen“.