Deutsche Minderheit

Gemeinschaft: Sechs Tipps für ein besseres Vereinsleben

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Gemeinschaft wird in der deutschen Minderheit großgeschrieben – unter anderem wie hier beim Knivsbergfest.

Vereinsleben der Zukunft: Ein Themenabend war als Abschluss der Kampagne #wirmachengemeinschaft geplant, doch es kam ganz anders.

Wie stärken wir die Gemeinschaft? Wie schaffen wir Platz für alle? Wie sieht dein Verein der Zukunft aus? Mit diesen drei Fragen hat sich die deutsche Minderheit in den vergangenen Monaten auseinandergesetzt. Das Ergebnis: Sechs Tipps für eine bessere Vereinsarbeit.

Die Tipps wurden am Dienstagabend von Sally Flindt-Hansen, Kommunikationskonsulentin des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), bei einem Vereinsabend auf dem Knivsberg vorgestellt. Dabei stammen die Tipps nicht von ihr selbst, sondern aus der Postkartenaktion, die Teil der Kampagne #wirmachengemeinschaft gewesen ist.

180 Postkarten wurden ausgefüllt, und aus diesen ergeben sich folgende Tipps für das Vereinsleben und die Gemeinschaft in der deutschen Minderheit.

1 Zu viele Vereine

Es gibt in der Minderheit zu viele kleine Vereine, die um dieselben Mitglieder und Vorstandsmitglieder kämpfen. Durch eine Zusammenlegung zu größeren Vereinen könnten Synergien erreicht werden. Es gibt heute einen Dschungel von Mitgliedschaften – eine Minderheiten-Basismitgliedschaft wäre eine Möglichkeit.

2 Bessere Integration

Ich wünsche mir eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Vereinen. Es gibt zu viele konkurrierende Angebote für eine Zielgruppe an einem Tag. Weniger ist mehr.

Zitat aus der Postkartenaktion

Neue Mitglieder sollten besser betreut werden, indem es einen festen „Willkommensplan“ gibt, zum Beispiel mit einer Buddy-Regelung, bei der ein bestehendes Mitglied ein neues Mitglied betreut.

Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und das Erklären von Abläufen sind entscheidend, um neue Mitglieder zu integrieren.

3 Rekrutierung von Ehrenamtlichen

Das A und O in der Rekrutierung von ehrenamtlichen Kräften ist eine deutliche Aufgabenbeschreibung – das gilt für Einzelaufgaben und für Vorstandsposten: Worin besteht die Aufgabe, wie groß ist der Zeitaufwand, wie soll die Aufgabe gelöst werden, wer kann dir helfen?

Dabei geht es bei der Rekrutierung weniger um Fachwissen als um das Interesse des Einzelnen. Auch für die ehrenamtliche Arbeit ist ein Willkommensplan von großem Nutzen.

Statt Mails oder Rundbriefe zu schreiben, ist der direkte Kontakt zu empfehlen: Möchtest du mir helfen? Kannst du diese Aufgabe für den Verein übernehmen?

4 Gute Kommunikation

Eine offene, freundliche, positive und einladende Kommunikation ist wichtig. Minderheiten-Abkürzungen und vorausgesetztes Basiswissen sind oft Barrieren für neue Mitglieder. Der Verein sollte auf gute, digitale Kommunikationswege umsteigen und die eigenen Angebote besser bewerben.

Jeder kann ehrenamtliche Arbeit leisten. Es muss nicht immer im Ausschuss oder Vorstand sein – es kann auch im Kleinen sein.

Ursula Petersen, Leiterin des Sozialdienstes Nordschleswig

5 Anerkennung und Lob

Lob und Anerkennung sind oft der einzige Lohn im Ehrenamt und sollten daher auch bewusst eingesetzt werden. Vielleicht ist manchmal als Dank aber auch ein Blumenstrauß oder eine neue Vereinsjacke eine Möglichkeit.

6 Aktivitäten und Angebote

Vereine sollten neue Trends aufgreifen und für mehr Vielfalt im Angebot sorgen. Macht Umfragen dazu, was sich die Mitglieder wünschen, und probiert neue Sachen einfach aus.

In meinem Verein der Zukunft hat das Ehrenamt Status. Es ist cool, sich ehrenamtlich zu engagieren. Die Ehrenamtler sind Stars und sind unglaublich wertgeschätzt.

Zitat aus der Postkartenaktion

Denkt dabei gerne an mehr alltagserleichternde Aktivitäten, etwa gemeinsames Kochen, Ausflüge, Kurse für Kinder und Eltern gleichzeitig.

Kein Ende, sondern ein Neubeginn

Initiiert wurde die Aktion #wirmachengemeinschaft durch die Schleswigsche Partei (SP) und den Sozialdienst Nordschleswig. Später haben sich weitere Verbände der Minderheit, wie der Deutsche Jugendverband für Nordschleswig und der Bund Deutscher Nordschleswiger ebenfalls in dem Projekt engagiert.

Es gibt so viel mehr Interessengemeinschaften als nur Sport.

Sally Flindt-Hansen, BDN-Kommunikationskonsulentin

Eigentlich war der Themenabend am Dienstag, an dem über 60 Vereinsleute aus der Minderheit teilnahmen, als krönender Abschluss gedacht.

„Es ist aber ganz und gar kein Endpunkt, sondern ein neuer Startschuss für einen weiteren Prozess, wie wir die Freiwilligkeit in Zukunft sichern können“, sagte Ruth Candussi, Sekretärin der Schleswigschen Partei. „Die SP wird damit kommunalpolitisch arbeiten. Und wir werden in den Verbänden der deutschen Minderheit damit weiterarbeiten.“