Eishockey

Herninger Pokalsieg mit fadem Beigeschmack

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Herning Blue Fox wurde in Woyens dänischer Pokalsieger, obwohl die Mannschaft im Halbfinale eigentlich schon ausgeschieden war.

Die Wogen hatten sich nach dem dramatischen Pokal-Aus von SønderjyskE am Rande des Pokalfinales noch nicht gelegt. Claus Fonnesbech vom dänischen Verband verteidigt jedoch die Entscheidung auf dem Eis. Für Spieler und Funktionäre von SønderjyskE drohen Sanktionen.

Herning Blue Fox ist dänischer Pokalsieger im Eishockey. Der Rekordmeister hat sich im Endspiel vor 3.700 Zuschauerinnen und Zuschauern in Woyens mit 4:3 nach Verlängerung gegen Herlev Eagles durchgesetzt.

Nicht wenige Zungen werden behaupten, dass es der erste dänische Pokalsieger der Geschichte ist, der das Halbfinale verloren hat. Herning Blue Fox war in der Verlängerung des Halbfinales bereits geschlagen, doch die Schiedsrichter Jens Christian Gregersen und Kenneth A. Nielsen gaben nach zehnminütiger Beratung mit Supervisor Claus Hansen den SønderjyskE-Treffer nicht.

„Wir finden, dass der Review auf dem Eis zu lange gedauert hat, meinen aber, dass wir zur richtigen Entscheidung gelangt sind. Es ist keine einfache Entscheidung gewesen, es ist nicht schwarz oder weiß, aber unter den Fachleuten aus dem Ausland, mit denen wir in Kontakt standen, sind 75 Prozent für eine Aberkennung des Tores, 25 Prozent dagegen“, sagt Claus Fonnesbech am Rande des Pokalfinales im Interview mit dem „Nordschleswiger“.

Herning-Torwart Mathias Seldrup hat sich mit seinem linken Fuß hinter dem linken Pfosten in eine ungünstige Position gebracht.

Der aus Herning stammende Verwaltungschef von Danmarks Ishockey Union (DIU) führt an, dass die Schiedsrichter entscheiden mussten, ob der Herninger Torwart daran behindert worden sei, an den Puck zu kommen. Der blaue Torraum, in dem der Torhüter geschützt ist, sei dabei von großer Bedeutung.

Wichtige und unwichtige Regelverstöße

„Unser Urteil war, dass ihm durch den Kontakt in ausreichendem Maße die Möglichkeit genommen wurde, an den Puck zu kommen“, so Fonnesbech.

Unerheblich sei seiner Ansicht nach, dass es dem Torwart mit dem linken Fuß hinter dem linken Pfosten selbst im Spagat nicht möglich gewesen wäre, an den Puck am anderen Pfosten zu gelangen.

Unerheblich sei auch, dass der erste Kontakt ein Beinstellen des Torwarts an Stürmer Cameron Brown außerhalb des blauen Torraums war.

Und zu guter Letzt sei es auch unerheblich, dass die Schiedsrichter auf dem Eis auf Tor entschieden haben und nicht zu 100 Prozent überzeugt waren, was für eine Änderung der Entscheidung eigentlich erforderlich ist. Die Schiedsrichter hatten den aufgebrachten SønderjyskE-Spielern auf dem Eis erklärt, dass es eine Fifty-fifty-Entscheidung wäre.

„Ich kann zu 100 Prozent nachvollziehen, dass man bei SønderjyskE anderer Meinung ist. In meiner Funktion bei der Nationalmannschaft hätte ich auch einen Challenge eingefordert. Wir sind aber zu dem Schluss gekommen, dass es kein reguläres Tor war“, so Claus Fonnesbech.

Nach dem Beinstellen seitens des Torwarts kommt es zum Kontakt zwischen Schulter von Brown und Kopf von Seldrup.

Sanktionen nicht ausgeschlossen

Die Wutausbrüche aus dem SønderjyskE-Lager nach der Schlusssirene könnten noch Konsequenzen haben. Sanktionen gegen SønderjyskE-Spieler und Funktionäre sind nicht ausgeschlossen.

„Wir können den Frust über den Ausgang verstehen, aber nicht notwendigerweise akzeptieren. Wir werden in der kommenden Woche darüber beraten. Verschiedene Sanktionen sind eine Möglichkeit. Wir haben ein gewisses Verständnis und haben auch eine Erklärung von Klaus Rasmussen dafür, was passiert ist“, sagt der DIU-Verwaltungschef.

Entscheidung der Schiedsrichter

Der Direktor und Sportchef von SønderjyskE war nach Spielende aufs Eis gegangen, um erst seine Spieler vom Eis zu holen und danach, um den Schiedsrichtern seine Meinung zu geigen.

Die Schiedsrichter hatten nach Spielende auf den Supervisor verwiesen, doch laut Fonnesbech wurde die Aberkennung des Tores von den Schiedsrichtern auf dem Eis und nicht von Supervisor Claus Hansen am Bildschirm entschieden.

Fonnesbech sieht kein Problem darin, dass der ebenfalls aus Herning stammende Claus Hansen in einem Spiel mit Herning Blue Fox der Supervisor ist.

Mit seiner ungünstigen Position des linken Fußes ist es für Seldrup unmöglich, die letzten rund 30 Zentimeter des Tores abzudecken.

„Claus ist einer unserer absolut besten Supervisoren. Wir haben versucht, Leute aus Thyborøn zu holen, aber die haben wenig Ahnung vom Eishockey. Eishockey-Dänemark ist klein, und wir blicken nicht auf den Herkunftsort, sondern auf die Qualität“, sagt Fonnesbech und weist darauf hin, dass es nicht viele Supervisoren in Dänemark gibt und andere nicht zur Verfügung stehen.

Drittes aberkanntes SønderjyskE-Tor gegen Herning

Für SønderjyskE war es bereits das dritte Tor innerhalb von neun Monaten gegen Herning, das nach umstrittenen Entscheidungen aberkannt wurde.

Eine Bevorteilung des Rekordmeisters, wie es in vielen Fan-Kreisen ein Thema ist, gebe es allerdings nicht, unterstreicht Fonnesbech.

„Ich glaube nicht, dass Herning favorisiert wird. Ich glaube, dass alle Schiedsrichter vollkommen objektiv sind, wenn sie Eishockey pfeifen. Sonst hätten wir weitaus mehr Diskussionen“, meint der DIU-Verwaltungschef.

Diskussionen über Schiedsrichter hat es aber in den vergangenen Wochen und Monaten in Hülle und Fülle gegeben.

Mit dem generellen Schiedsrichter-Niveau zeigt er sich in der Spitze zufrieden, es fehle aber die Breite.

Aufgebrachte SønderjyskE-Spieler wollten mit den Schiedsrichtern ein ernstes Wort reden.

Imageschaden fürs dänische Eishockey

„Wir hatten zwei Schiedsrichter bei der Junioren-WM in Kanada, die im Viertelfinale hervorragend waren. In der Spitze sind wir vernünftig unterwegs, aber wir hätten gerne 40 und nicht nur 20 gute Schiedsrichter. Es ist klar, dass ich ein wenig geringere Qualität in meiner vierten Reihe habe, und diese nicht gerne im gegnerischen Powerplay einsetzen möchte, um in der Eishockeysprache zu bleiben“, so Claus Fonnesbech nach einem Final Four, bei dem das dänische Eishockey wieder einen erheblichen Imageschaden erlitten hat.

Daran konnten die Erklärungsversuche des DIU-Verwaltungschefs nichts ändern. Er hat mit seinen Aussagen die wenigsten überzeugt.

Unterm Strich stand eine Mannschaft mit dem Pokal da, die im Halbfinale schon verloren hatte.