Gesundheit

In Nordschleswig tätiger Palliativmediziner erhält Auszeichnung

Auszeichnung für in Nordschleswig tätigen Palliativarzt

Auszeichnung für in Nordschleswig tätigen Palliativarzt

Sonderburg/Sønderborg
Zuletzt aktualisiert um:
Der Palliativmediziner und Wissenschaftler Dr. Georg Bollig nahm als Initiator des erfolgreichen Konzeptes „Letzte Hilfe“ den Heinrich-Prera-Preis stellvertretend für sein gesamtes Team entgegen. Foto: Sygehus Sønderjylland

Diesen Artikel vorlesen lassen.

Im „Sygehus Sønderjylland“ hat Dr. Georg Bollig mit seinem Team das Konzept „Letzte Hilfe“ für Angehörige und medizinisches Personal bei der Begleitung sterbender Menschen initiiert. Der in Schleswig lebende Arzt erhielt den Heinrich-Prera-Preis bei einer Digital-Feierstunde in Halle.

Der seit 2016 als Wissenschaftler und Palliativmediziner für den nordschleswigschen Krankenhausverbund „Sygehus Sønderjylland“ tätige Arzt Dr. Georg Bollig ist in Halle/Saale vom dortigen Hospiz- und Palliativzentrum mit dem Heinrich-Prera-Preis ausgezeichnet worden. Der Facharzt für Anästhesiologie, der zusammen mit seinem am Krankenhaus Sonderburg angesiedelten palliativmedizinischen Team in ganz Nordschleswig Patienten betreut, wird für das von den Beteiligten entwickelte Konzept von „Letzte-Hilfe-Kursen“ geehrt, das international auf große Aufmerksamkeit stößt.

Konzept für Angehörige und Professionelle

Kern des Konzeptes ist es, Angehörigen, Personal in der Pflege und auch medizinischem Personal Maßnahmen zu vermitteln, die die Begleitung von Sterbenden verbessert. „Mit dem Konzept ‘Letzte Hilfe‘ wollen wir vor allem die Erfüllung des bei vielen unheilbar kranken Menschen vorhandenen Wunsches ermöglichen, in ihrem eigenen Zuhause sterben zu können“, berichtet Georg Bollig dem „Nordschleswiger“.

Bis zu 80 Prozent der Menschen wünschen sich, in den eigenen vier Wänden zu sterben, wenn der Zeitpunkt gekommen ist.

Georg Bollig, Palliativmediziner in Nordschleswig

Untersuchungen haben nach seinen Angaben gezeigt, dass bis zu 80 Prozent der Menschen sich wünschen, in den eigenen vier Wänden zu sterben, wenn der Zeitpunkt gekommen ist. „Ermöglicht wird das aber meist nur 20 Prozent der Sterbenden“, so der aus dem Rheinland bei Köln stammende Arzt, der während der Studienzeit und Facharztausbildung elf Jahre an der Universität Bergen in Norwegen tätig gewesen ist, bevor er nach Dänemark gewechselt ist.

Ambulante Einsätze in ganz Nordschleswig

Bollig, der auch als Notfallmediziner gearbeitet hat, leistet für das „Sygehus Sønderjylland“ viele ambulante Einsätze bei Patienten in allen Teilen Nordschleswigs. „Daneben bin ich im Forschungsbüro und als Lektor an der Süddänischen Universität (SDU) tätig“, berichtet der Mediziner. Das Konzept der „Letzten Hilfe“ ist in zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen auf internationales Interesse gestoßen und bereits an 30.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer vermittelt worden, wie es in einer Mitteilung des Hospiz- und Palliativzentrums in der Universitätsstadt Halle heißt, das ebenso wie der an Georg Bollig verliehene Preis nach dem katholischen Priester, Krankenpfleger und Klinikseelsorger in Halle, Heinrich Prera (1938-2004), benannt ist, der ein Wegbereiter der Hospize für Sterbende in Deutschland gewesen ist.

Grenzüberschreitendes Interregprojekt in Vorbereitung

Georg Bollig berichtet, dass er selbst viele Vorträge vor Tausenden Interessierten in Deutschland über das Letzte-Hilfe-Konzept gehalten habe. „Wir bereiten jetzt im deutsch-dänischen Grenzland ein Interregprojekt vor, damit das Konzept weiter Verbreitung finden kann“, so Bollig, der dabei auch an eine Berücksichtigung der Minderheiten zu beiden Seiten der Grenze denkt. „Es geht darum, kulturelle Unterschiede beim Umgang mit Sterbenden zu berücksichtigen“, so der Mediziner, der mit seiner Familie in Schleswig lebt, wo seine Kinder nach der Rückkehr aus Norwegen an die dortige dänische Schule wechseln konnten. „Ich bin dort dann auch in den Kreis der dänischen Minderheit aufgenommen worden und gehöre zu den Grenzpendlern, die es momentan ja nicht immer einfach haben“, so der Mediziner.

Praktische Anleitung zu „Letzter Hilfe"

Das Konzept „Letzte Hilfe“ umfasst unter anderem leicht erlern- und umsetzbare Ansätze für Angehörige, aber auch für Pflegende, Ärzte und Beschäftigte in anderen Gesundheitsberufen. Es geht dabei um Kenntnisse beim Umgang mit sterbenden Menschen wie der Mundpflege und Linderung von Durst, Übelkeit und Atemnot sowie der Vorsorgeplanung. Teil des Konzeptes, das Bollig mit seinem Team erarbeitet hat, ist das Bedürfnis vieler Angehöriger von sterbenden Menschen, mit anderen über das Thema Sterben und Tod zu sprechen. Auch die Verarbeitung des Geschehens ist Teil des Konzeptes.

Während der Preisübergabe nahm Georg Bollig stellvertretend für alle am Kurskonzept Mitwirkenden eine vom halleschen Bildhauer Bernd Göbel gestaltete Medaille entgegen. Bollig erklärte während der Feierstunde: „Der Heinrich-Prera-Preis ist ein guter Weg, die Idee und die praktische Anwendung der Palliativversorgung aus dem rein professionellen Umfeld wieder stärker in die Bevölkerung zu bringen. Ich würde mich freuen, wenn er dazu beiträgt, dass die Letzte Hilfe so selbstverständlich wird wie die Erste Hilfe.“

Konzept aus Nordschleswig in Halle nützlich

Die leitende Ärztin der ambulanten Palliativversorgung in Halle, „Elisabeth Mobil“, Yvonne Kriese, erklärte während der Preisvergabe, dass das Konzept des Teams aus dem dänischen Nordschleswig ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern viele Anregungen gegeben habe. „Das Sterben gehört zum Leben. Für viele Menschen ist es trotzdem eine absolute Ausnahmesituation und weit weg von ihrer sonstigen Normalität. Der Kurs vermittelt wunderbar, dass die verschiedenen Gefühle, Wahrnehmungen und Reaktionen am Lebensende ganz normal sind, weil die Situation, in der sie sich befinden, für sie nicht normal ist. Das zu wissen, gibt Handlungssicherheit, nimmt Ängste und vermittelt Ruhe, Geborgenheit. Also das, was man sich am Lebensende wünscht“, sagte Yvonne Kriese.

Mehr lesen

Leserbrief

Thore Naujeck
Thore Naujeck
„Schenkt den lokalen Machern Gehör und stärkt die Grenzregion“