Zweisprachige Ortsschilder

Stadtrat stimmt über Ortsschild ab

Stadtrat stimmt über Ortsschild ab

Stadtrat stimmt über Ortsschild ab

Hadersleben/Haderslev
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Bildschirmfoto vom Interview in TV Syd Foto: Ute Levisen

Venstre setzt die langjährige Debatte über zweisprachige Ortsschilder auf die politische Tagesordnung – und zwar bereits im April. Dass es sich dabei keineswegs um einen verfrühten Aprilscherz handelt, bestätigt Fraktionschef Allan Emiliussen.

Die Zeit für eine erneute Diskussion über zweisprachige Ortsschilder sei zum 100. Jahrestag der Wiedervereinigung gekommen, betont Allan Emiliussen, Fraktionschef von Venstre im Haderslebener Stadtrat. Womöglich bereits auf dessen Aprilsitzung werden die Politiker fünf Jahre nach der aufsehenerregenden Abstimmung über Dänemarks berühmtestes Ortsschild „Haderslev – Hadersleben“ somit erneut die Chance haben, Farbe zu bekennen.

Keine Symbol-, sondern Signalpolitik

Diese Botschaft kommt auch für den Repräsentanten der Schleswigschen Partei im Stadtrat, Carsten Leth Schmidt, überraschend. Entsprechend groß ist seine Freude. Zumal es bei den zweisprachigen Ortsschildern um mehr gehe, als um Symbolpolitik, wie Leth stets betont. Fraktionschef Emiliussen sieht das genauso:

„Wir senden damit ein Signal, um auf das Erreichte im Grenzland hinzuweisen, auf unsere Identität, auf unsere Geschichte und Kultur, die eng miteinander verbunden sind“, so Emiliussen. Er habe sich mit Bürgermeister H. P. Geil (Venstre) in der Schilderfrage beraten. „Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass das große Jubiläum in diesem Jahr der perfekte Anlass ist, die Schilder erneut auf die politische Tagesordnung zu setzen.“

Allan Emiliussen (Mitte) hier im Gespräch mit Fabrikant Carl Engel und seinem Stadtratskollegen Kjeld Thrane (Konservative Volkspartei) Foto: Ute Levisen

Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass das große Jubiläum in diesem Jahr der perfekte Anlass ist, die Schilder erneut auf die politische Tagesordnung zu setzen.

Fraktionschef Allan Emiliussen, Venstre

Ausgang ungewiss

Vor fünf Jahren war eine entsprechende Abstimmung im Rat, es auf einen Versuch mit zweisprachigen Ortsschildern in Hadersleben ankommen zu lassen, knapp gescheitert. Auch heute, eine halbe Dekade später, ist der Ausgang einer Abstimmung ungewiss – obgleich sich in der Zwischenzeit einiges getan hat:

Voraussetzungen haben sich geändert

„Die Prämissen haben sich geändert, sagt Emiliussen: Habe man früher eine 50:50-Verteilung der Gegner und Fürsprecher beobachten können, so habe sich das Meinungsbarometer in den vergangenen Jahren deutlich zugunsten der Schilder verschoben: „Vor allem jüngere Leute stehen diesem Thema aufgeschlossen gegenüber.“

In der älteren Bevölkerung treffe man, weiß der Politiker aus Erfahrung, eher auf Vorbehalte und Widerstand. Schließlich habe die deutsch-dänische Geschichte das Grenzland geprägt – im Bösen wie im Guten.
Die neuerliche Abstimmung über das zweisprachige Ortsschild in der Domstadt werde daher keine Frage der Parteidisziplin sein, sondern der persönlichen Einstellung.

Alles an einem Ort

Für Bürgermeister H. P. Geil ist das zweisprachige Ortsschild zugleich Ausdruck dessen, dass sich die Zeiten gewandelt haben: „Im großen Jubiläumsjahr blicken wir zurück und nach vorn. Man kann sehr wohl drei Identitäten haben: eine dänische, eine europäische und eine Minderheitenidentität – für mich versinnbildlicht dieses Schild alle drei.“

Hier geht es zum Interview mit TV Syd

Dänemarks berühmtestes Ortsschild gehört heute dem Museum Sønderjylland. Foto: Ute Levisen

Bent Iversen, Stadtratspolitiker der Volkssozialisten, rät Venstre davon ab, das zweisprachige Ortsschild auf die Tagesordnung zu setzen. Er schlägt stattdessen vor, dass sich die vier Kommunen untereinander einigen. Auch eine Volksabstimmung sei ein gangbarer Weg.

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