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Wie Parkscheibe und Heckenschnitt deutsch-dänische Kulturunterschiede offenbaren

Julia Schatte ist in der Kommune Apenrade für die Menschen zuständig, die sich aus verschiedenen Ländern in Apenrade ansiedeln.

Vergangenes Wochenende hatte die Kommune Apenrade ins Folkehjem geladen: Bei Vorträgen und Brunch sollten Zugezogene erfahren, wie es hierzulande läuft: Inklusive Nachhilfe in der Frage, wie man aufgrund unterschiedlicher Kulturauffassungen Streit mit den neuen Nachbarinnen und Nachbarn vermeidet. 

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Zusammenfassung

  • Apenrade hat neue Einwohnerinnen und Einwohner mit einem Willkommensbrunch und zahlreichen Infoständen empfangen.
  • Im Mittelpunkt standen praktische Orientierung im deutsch-dänischen Grenzland und Tipps, wie man Missverständnisse mit Nachbarn vermeiden kann.
  • Anhand von Beispielen wie Heckenschnitt und zweisprachiger Parkscheibe wurden kulturelle Unterschiede und ungeschriebene Alltagsregeln deutlich gemacht.

Diese Infobox wurde mithilfe von KI generiert und von der Redaktion geprüft.

Eine Art Strichliste für soziale Kontakte? Eine zweisprachige Parkscheibe? Das sind nur zwei von vielen Besonderheiten, die frisch Zugezogene in Nordschleswig auf dem Zettel haben sollten. Und weil der Kopf in der Regel aufnahmefähiger ist, wenn der Magen nicht ganz leer ist, hat die Kommune Apenrade (Aabenraa) vergangenen Sonntag Zugezogene zu einer Willkommensveranstaltung ins Folkehjem eingeladen. 

Dort liegt der Duft von Brötchen, Rührei und gebratenem Speck in der Luft. Der „Kongesaalen“ ist nahezu voll besetzt. Es ist wohl eine der eher seltenen Anlässe, zu denen man Bürgermeister Jan Riber Jacobsen vier Sprachen sprechen hört: Er begrüßt die im vergangenen Jahr in Apenrade Zugezogenen auf Deutsch, Dänisch, Englisch und zum Schluss sogar Portugiesisch. Dafür bekam er dann auch Applaus.

Aus Deutschland seien 2025 nur wenige zugezogen, erzählt Jan Riber Jacobsen am Rande der Veranstaltung. „Die meisten kommen dieses Mal aus Dänemark. Einige aus Großbritannien, einige aus Deutschland und einer aus Portugal“, erklärt der Bürgermeister die Zahlen.

Brunch und Vorträge für Zugezogene 

Knapp 200 Zugezogene sind der Einladung der Kommune gefolgt. Julia Schatte, in der Kommune mit weiteren Kolleginnen und Kollegen für die Zugezogenen zuständig, formulierte es in ihrer Ansprache so: „Wir begleiten auch vor, während und nach dem Umzug, damit ihr gut Fuß fasst und euch wohlfühlt.“ 

Infos zu Job und Kulturangeboten, Orientierung in der Stadt und im Grenzland geben, untereinander ins Gespräch kommen, sich vernetzen und austauschen: Das ist das Ziel der Veranstaltung.

Ein großes Aufgebot an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kommune und Partnerkommunen: alle dafür da, zu informieren und die Fragen der Zugezogenen zu beantworten

Der eine oder die andere mag sich verwundert die Augen reiben angesichts des Aufwands, den die Kommune dafür betreibt: Kooperationspartnerinnen und -partner hatten im Foyer Informationsstände aufgebaut, darunter das „Botschafternetzwerk für deutsche Zugezogene“ und der „Bund Deutscher Nordschleswiger“ (BDN).

„Das ist unsere Willkommenskultur“, sagt Julia Schatte, und ihre Kollegin Ruth Faber fügt hinzu: „Wir wollen ja nicht, dass die Leute zu Hause sitzen und frustriert sind. Das hier ist auch dazu da, Gesicht zu zeigen.“

Dass sich die Mühe offenbar lohnt, zeigt unter anderem die Reaktion von Eva Maria Ginsberg, die mit dem Gedanken spielt, auszuwandern. „Ich bin ganz begeistert, wie freundlich und mit welcher Hilfsbereitschaft wir hier empfangen werden“, sagt die 54-Jährige aus Frankfurt strahlend. Sie steht am Stand des „Botschafternetzwerk für deutsche Zugezogene“, hat sich dort gerade erkundigt, wo man Dänisch lernen kann.

Eva Maria Ginsberg (rechts) im Gespräch mit Tina Schwenke, die ehrenamtlich bei Fragen zur Integration hilft.

Außerdem will die Frankfurterin wissen, warum man hierzulande eine zweisprachige Parkscheibe braucht. Fragen, auf die Tina Schwenke Antworten hat. Sie ist vor vier Jahren nach Loit (Løjt) gezogen, hatte die vergangenen 30 Jahre immer Urlaub in Dänemark gemacht. 

„Wir haben uns viel damit beschäftigt, deshalb hat uns dann nicht mehr viel überrascht“, erzählt Tina Schwenke, die in Flensburg arbeitet. Außerdem hilft sie im „Botschafternetzwerk für deutsche Zugezogene“  – eine Initiative der Kommune – ehrenamtlich Menschen wie Eva Maria Ginsberg und anderen, die auswandern wollen oder schon ausgewandert sind.

Beim Heckenschnitt ist Schluss mit Hygge 

Nach dem Brunch und ersten Gesprächen an den Infoständen geht es in kleinen Gruppen weiter – eine davon geleitet von Julia Schatte und Sally Flindt-Hansen vom BDN. Und hier geht es schnell an einen der Kernpunkte des Auswanderns: die deutsch-dänische Verständigung. „Wir haben eine Hecke gemeinsam mit unseren dänischen Nachbarn. Wie spreche ich das mit dem Heckenschnitt an, ohne übergriffig zu sein?“, will Nils Ahrens wissen. Er wohnt mit seiner Familie seit ein paar Monaten hier. 

Wie sag' ich's meinen dänischen Nachbarn? Sally Flindt-Hansen vom BDN bietet kulturelle Übersetzungshilfe.

Ein Fall für Sally Flindt-Hansen. Sie erklärt dem Neuankömmling in Nordschleswig, wie die Däninnen und Dänen in Sachen Heckenschnitt ticken: „Erst mal eine Beziehungsebene aufbauen! Und dann kann man sachlich werden“, erklärt Sally Flindt-Hansen. Aber erst nachdem man ein paar Mal einen Kaffee oder ein Bier zusammen getrunken habe, sagt die Kommunikationskonsulentin des BDN mit einem Augenzwinkern. 

Es ist wichtig, dass man nicht auf sein Recht pocht.

Sally Flindt-Hansen

Themen wie Heckenschnitt, Zäune oder auch der Humor machten die deutsch-dänischen Kulturunterschiede deutlich, so die Nordschleswigerin. „Ich habe ja 20 Jahre in Deutschland gelebt, aber bin da mit meinem dänischen Humor oft ins Fettnäpfchen getreten“, gibt sie zu. Ebenso sei es wichtig, nicht auf Biegen und Brechen etwas umzusetzen, nur weil man das Recht dazu hat. 

„Natürlich habe ich das Recht, auf meinem Grundstück einen Zaun zu ziehen. Aber besser ist es, das mit den Nachbarn zu besprechen, wenn man keinen Streit will.“ Auch wegen solcher Fragen findet Sally Flindt-Hansen es wichtig, dass der BDN auf solchen Veranstaltungen vertreten ist. „Wir sagen ja immer, dass wir Brückenbauer sind.“ Dazu gehöre eben auch, zwischen den Kulturen zu „übersetzen“. Nicht sprachlich, aber in der Bedeutung. 

Zweisprachige Parkscheibe im Grenzland 

Und dann kommt noch eine Sache zur Sprache, die im Zweifel richtig viel Geld kostet. Zumindest auf dänischer Seite. 970 Kronen habe sie zahlen müssen, nur weil sie in Nordschleswig eine deutsche Parkscheibe genutzt habe, erzählt eine Auswanderin. Umgekehrt kassieren auch dänische Autofahrerinnen und -fahrer ein Knöllchen, wenn sie zum Beispiel in Flensburg ihre „P-Skive“ benutzen und erwischt werden. 

Eine kleine Runde von drei deutschen Zugezogenen und einer Interessentin: sie nehmen wertvolle Informationen mit, sagen sie.

Und so werden Julia Schattes Ausführungen über die zweisprachige Parkscheibe einerseits mit Humor, andererseits aber auch sehr dankbar aufgenommen. Somit ist das Geheimnis um die Strichliste mit den Sozialkontakten und der zweisprachigen Parkscheibe zumindest in dieser Runde gelüftet. 

Ob Zuwanderer und Schlagzeuger Nils Ahrens sein Heckenschnitt-Problem auf nordschleswigsche Art lösen wird? Eine Antwort auf diese Frage versucht „Der Nordschleswiger“ zu einem späteren Zeitpunkt in Erfahrung zu bringen.