Deutsche Minderheit

Doppelte Ausgrenzung: Theaterstück beleuchtet zum Weltfrauentag das Leben als Frau und Jüdin

Ingela Wieking (l.) und Claudia Knauer waren maßgeblich an der Planung des diesjährigen Programms zum Weltfrauentag beteiligt.

Kultur: Was macht die Minderheit dieses Jahr zum Weltfrauentag? Die Wahl fiel auf ein Theaterstück über die deutsche Schriftstellerin Rahel Varnhagen. Claudia Knauer erklärt, wieso die Lebensgeschichte der jüdischen Frau selbst heute noch inspiriert. 

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Ein Theaterstück über eine Frau, die ihr Leben selbst in die Hand genommen hat, soll am 8. März viele Zuschauerinnen und Zuschauer anlocken. „Mir ist wichtig, dass möglichst viele kommen. Vor allem auch Männer“, betont Büchereidirektorin Claudia Knauer. Der Verband Deutscher Büchereien Nordschleswig richtet dieses Jahr die Veranstaltung zum Weltfrauentag aus.

Es wurde sich für das Stück „Rahel – Die Wege muss man suchen“ entschieden, bei dem Anette Daugardt die Jüdin Rahel Varnhagen verkörpern wird. Mit dabei ist ihr Schauspielpartner und Ehemann Uwe Neumann, welcher verschiedene Gesprächspartner von Varnhagen darstellen wird.

Starke Frauen mit selbst geschriebenen Stücken hervorheben

Zusammenfassung

  • Zum diesjährigen Weltfrauentag veranstaltet die deutsche Minderheit eine Theateraufführung. 
  • Das Duo Anette Daugardt und Uwe Neumann porträtiert mit dem Stück über Rahel Varnhagen eine emanzipierte, oft unterschätzte Frau des 18. Jahrhunderts.
  • Veranstalterin Claudia Knauer betont die anhaltende Notwendigkeit von Gleichberechtigung und wünscht sich viele Besucherinnen und Besucher, besonders auch Männer.

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Dafür kommt das Schauspiel-Duo erneut nach Nordschleswig. Claudia Knauer und ihr Veranstaltungsteam waren von deren vergangenen beiden Veranstaltungen begeistert und haben das Paar daher erneut angefragt. Daugardt und Neumann schreiben ihre Stücke selbst und orientieren sich dabei oft an starken Frauen aus der Vergangenheit. Als starke Frau wurde sich dieses Mal für Rahel Varnhagen entschieden.  

Rahel war ihrer Zeit voraus

Rahel Varnhagen, geboren 1771, war eine jüdische Schriftstellerin, die in Berlin lebte. In den Worten von Claudia Knauer hat Varnhagen „ein ganz anderes Leben geführt als die anderen Frauen im 18. Jahrhundert“.

Es wird absolut höchste Zeit, die Macht zu teilen.

Claudia Knauer

Das liegt vor allem an dem emanzipierten Lebensstil der Frau. Als Mädchen und dazu auch noch jüdisch durfte sie keine höhere Schule besuchen. Deshalb brachte sie sich ihr Wissen über Literatur und Philosophie selbst bei. Zudem reiste sie viel und betrieb ihren eigenen Salon in Berlin. Dieses Leben wäre für viele Frauen zu dieser Zeit unvorstellbar gewesen.

Unterschätzte Frauen

In ihrem Salon trafen sich allerhand Gelehrte, Literaturschaffende, Politikerinnen und Politiker und weitere Intellektuelle. Zu den Gästen zählten unter anderem Heinrich Heine, Bettina von Arnim und Johann Wolfgang von Goethe. Doch trotz ihrer Vernetzung in den kulturellen Kreisen durfte Varnhagen nie selbst am öffentlichen Diskurs teilnehmen. Und das aus zwei Gründen: Sie war Frau und Jüdin. 

Dass Frauen unterschätzt und diskriminiert werden, ist jedoch keine vergangene Thematik aus dem 18. Jahrhundert. Sie ist bis heute aktuell. Büchereidirektorin und Veranstalterin Claudia Knauer betont, dass immer weiter daran gearbeitet werden müsse, Frauen in der Gesellschaft mehr zu repräsentieren. Denn eins steht für sie fest: „Es wird absolut höchste Zeit, die Macht zu teilen.“

Mir ist wichtig, dass möglichst viele kommen. Vor allem auch Männer.

Claudia Knauer

Varnhagen ließ sich jedoch durch die Diskriminierung nicht unterkriegen und zeigte durch Mut und Selbstbestimmung, dass Frauen sich nicht verstummen lassen, ergänzt Knauer. Da die Schriftstellerin nicht am öffentlichen Diskurs teilnehmen konnte, teilte sie ihre Gedanken und Positionen per Briefwechsel mit ihrer intellektuellen Bekanntschaft. Heute sind an die 6.000 Schreiben von ihr bekannt. 

Ein Theaterstück, das zum Nachdenken anregt

Die Theateraufführung wird am Sonntag, dem 8. März, um 15 Uhr im Haus Nordschleswig aufgeführt. Dazu werden Kaffee und Kuchen gereicht. Zudem werden Anette Daugardt und Uwe Neumann zu Gesprächen über das Stück zur Verfügung stehen.

Claudia Knauer freut sich bereits auf die regen Diskussionen. „Wir hatten immer ein ganz tolles Publikum, welches intensiv mitarbeitete“, sagt sie über die letzten Veranstaltungen mit Anette Daugardt. Auch dieses Mal wird das Theaterstück viel Gesprächsstoff mit sich bringen. 

Geregeltes Konzept für den Frauentag

Seit vergangenem Jahr wird der Weltfrauentag nach einem festen System in der deutschen Minderheit gefeiert. Der Kulturkoordinationsausschuss des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN) hat 2024 beschlossen, dass jeweils ein Mitglied – zu dem die meisten Verbände und Organisationen der deutschen Minderheit zählen – eine Veranstaltung für den Frauentag plant. „Ich sehe auf jeden Fall den Bedarf, den Tag so zu feiern“, unterstreicht Claudia Knauer an dem geregelten Konzept. 

Nächstes Jahr wird die Musikvereinigung Nordschleswig das Programm für den Weltfrauentag planen.