Bootsunglück

Jahrestag der Dammkatastrophe jährt sich zum 60. Mal

Jahrestag der Dammkatastrophe jährt sich zum 60. Mal

Jahrestag der Dammkatastrophe jährt sich zum 60. Mal

Hadersleben/Haderslev
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Der Haderslebener Außendamm: Das Ausflugsboot „P 840 Turisten" verunglückte an einem warmen Sommertag im Juli 1959. Foto: Karin Friedrichsen

Am 8. Juli, gedenkt Hadersleben der Opfer des tragischen Bootsunglücks auf dem Damm. 57 Menschen kamen dort 1959 ums Leben. Bei der Zeremonie wird das Erinnerungsbuch zu der Katastrophe wieder herausgebracht.

Stift und Kommune richten Gedenkstunde aus

Das Haderslebener Stift und die Kommune Hadersleben richten die Feier aus. Der Gedenktag wird um 16 Uhr im Gemeindehaus der St. Severin Kirche eingeleitet. Das Gedenkbuch „Den tavse katastrofe“ („Die stille Katastrophe“) wird anlässlich des Jahrestages wieder herausgebracht und Mitautor Flemming Just stellt das Werk im Gemeindehaus vor.

Der Vorsitzende des Haderslebener Kunstvereins, Hans Vilhelm Bang, spricht des Weiteren über die Sonderausstellung, „8. Juli“, die am 21. September im Alten Hafenamt eröffnet wird. Der Künstler Anders Moseholm bestückt die Ausstellung mit Werken, die sich auf das Bootsunglück beziehen. Der 59-Jährige wurde erst im reifen Alter darauf aufmerksam, dass sein Vater den vielen Ersthelfern angehörte.

Flemming Just mit dem neu erschienenen Gedenkbuch Foto: Karin Friedrichsen

Andacht in der St. Severin Kirche

Bischöfin Marianne Christiansen feiert ab 16.45 Uhr eine Andacht in der St. Severin Kirche. Anschließend gehen die Teilnehmer durch den Dammpark zur Kranzniederlegung an der Gedenkstätte auf der Dammhalbinsel. Die Kranzniederlegung beginnt um 17.30 Uhr. Auf der Halbinsel wurde vor zehn Jahren ein Granitdenkmal enthüllt. Auf dem Stein stehen die Namen der Toten: 31 der 57 Opfer stammen aus Hadersleben. Unter den Opfern waren auch Touristen aus unter anderem Belgien.

Das Ausflugsboot „Dorothea“, das 2018 in Betrieb genommen wurde, wird mit Rücksicht auf Opfer und Hinterbliebenen am Montag den Fahrbetrieb einstellen. Nach der Gedenkfeier wird „Dorothea“ mit Betroffenen zu der Stelle fahren, wo sich das Unglück ereignete. Dort, in Höhe des Friedhofes Dammager, haben die Passagiere die Möglichkeit sich der tragischen Ereignisse zu erinnern und Blumengebinde ins Wasser zu legen. Anmeldung für die Fahrt online unter dambaaden@haderslev.dk.

„Den tavse tragedie" beschreibt die Ereignisse in Hadersleben im Juli 1959. Die Autoren haben auch mit Hinterbliebenen, Opfern, Ersthelfern und Rettungsmitarbeitern gesprochen. Foto: Karin Friedrichsen

Katastrophe hinterlässt tiefe Wunden

Der Haderslebener Ove Kirketerp verlegt das Erinnerungsbuch von Flemming Just und Poul-Erik Thomsen neu. Das Buch wurde erstmals im Sommer 2009 von „JyskeVestkysten“ und „Historisk Arkiv Haderslev“ herausgegeben. Flemming Just, ehemals Lokalredakteur bei „Jyske Vestkysten“, schrieb das Werk gemeinsam mit seinem Kollegen Poul-Erik Thomsen.

Die Katastrophe hinterließ eine tiefe Wunde bei den betroffenen Familien und der Stadt. Die Trauer wurde damals größtenteils verschwiegen. Die Gedenkfeier 2009 war bei vielen Menschen ein Anlass dazu, ein Stück Vergangenheitsbewältigung zu betreiben, stellten die Autoren fest. „Es herrschte wohl die allgemeine Einstellung, dass die Katastrophe zu groß war, um sie in Worte zu kleiden“, sagt Flemming Just.

Erstausgabe ist aktualisiert worden

„Die gegenwärtige Buchausgabe basiert hauptsächlich auf dem Erstausgabe. Ergänzt wird es unter anderem mit einer Reportage von der Gedenkveranstaltung 2009 sowie einem Interview Anders Moseholm (59). Der Künstler wurde zufällig darauf aufmerksam, dass sein Vater zu den Ersthelfern gehörte, als Tote und Verletzte aus dem Wasser geborgen wurden. Das Buch ist in einer Auflage von 800 Exemplaren erschienen.

Die Autoren beschreiben den Unfallhergang folgendermaßen:
„P 840 Turisten“ so der Name des Ausflugsbootes, das 1924 gebaut wurde.
Schiffsführer Hans Riistofte übernahm das Boot bei dem Kauf des Restaurant „Damende“. „Turisten“ wurde 1954 saniert. Fünf Tage vor dem Unglück wurde der Motor ausgebessert und nicht von der staatlichen Schifffahrtskommission gutgeheißen.
Riistofte stand am Ruder am 8. Juli 1959. Statt der zugelassenen 35 Passagiere befanden sich 93 Gäste an Bord.
Als der Motor auf Höhe des Friedhofes Dammager aussetzte, hantierte Riistofte mit einem Benzinkanister. Benzin tröpfelte auf den brandhießen Motor, bei der nachfolgenden Explosion fing das Boot Feuer und 57 Menschen starben, trotz des Einsatzes von mutigen Ersthelfern und Krankenhauspersonal.
Riistofte wurde der fahrlässigen Tötung schuldig gesprochen und zu acht Monaten Gefängnis verurteilt.

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