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Gedenken: Den Stolpersteinen ein Stück näher

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Archivleiter Bent Vedsted Rønne kündigt eine Arbeitsgruppe zu den Stolpersteinen an. Bislang erinnert nur eine Gedenktafel an einen Helden der Stadt aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Rede ist vom Haderslebener Kapitän Gustav Schröder.

Hadersleben ist seinen „Stolpersteinen“ ein Stück nähergekommen. Eine Gruppe des Historischen Archivs der Kommune arbeitet daran, die internationale Gedenkinitiative in die Domstadt zu bringen, um der Opfer des Faschismus zu gedenken. Angeregt hatte dies seinerzeit die Partei der deutschen Minderheit. Mit zwei Stolpersteinen soll es losgehen.

Seit gut vier Jahren macht sich die Schleswigsche Partei (SP) für die Stolpersteine stark – dafür, eine der größten dezentral organisierten internationalen Mahnmal-Initiativen zum Gedenken der Opfer des Hitler-Faschismus nach Hadersleben zu bringen.

Mit Blick auf die Stolpersteine ist nach vier Jahren ein neuer Meilenstein erreicht. Das Historische Archiv der Kommune Hadersleben arbeitet an der Umsetzung dieser Initiative.

Kontakt zu zwei Familien

Eine Recherchegruppe unter der Leitung von Archivchef Bent Vedsted Rønne leistet die Vorarbeit für die Stolpersteine.

„Wir haben Kontakt zu zwei Familien“, sagt Archivleiter Bent Vedsted Rønne. Sie würden der Gedenkinitiative positiv gegenüberstehen. Eine Arbeitsgruppe unter der Leitung des Archivs befasst sich mit der Recherche und leistet damit die Vorarbeit für die Stolpersteine.

Recherche zu Opfern aus dem Widerstand

„In der Kommune Hadersleben haben wir etwa sechs, sieben Menschen, derer wir mit einem Stolperstein gedenken könnten. Es handelt sich bei ihnen um Leute aus dem dänischen Widerstand. Jüdische Opfer der Nazis haben wir in Hadersleben nicht“, sagt der Archivleiter.

Langwieriges Verfahren

Die Stadt Hadersleben ehrt bereits einen ihrer Helden aus dem Zweiten Weltkrieg: Seit 2018 erinnert eine Gedenktafel in der Fußgängerzone an Kapitän Gustav Schröder. 1939 hatte dieser einem Befehl getrotzt und damit 937 Juden vor dem sicheren Tod gerettet.

Bevor die Stolpersteine in der Altstadt vor den Häusern der Opfer verlegt werden können, wird allerdings noch ein Jahr ins Land ziehen.

„Wir müssen alle betroffenen Familien um Erlaubnis bitten – und auch die Steine müssen als Kunstwerk behördlich genehmigt werden“, erläutert Vedsted Rønne das Verfahren: „Wir beginnen unsere Arbeit mit zwei Familien.“

Freude bei der SP

Carsten Leth Schmidt, hier im Gespräch mit dem damaligen israelischen Botschafter bei der Schröder-Gedenkausstellung, hatte vor vier Jahren angeregt, dass sich Hadersleben der internationalen Stolpersteine-Initiative anschließt.

Der Haderslebener Kommunalratsabgeordnete Carsten Leth Schmidt von der SP freut sich: „Zwei Steine sind ein guter Anfang! Historisch gesehen ist es höchste Zeit, über Geschichte und Gegenwart nachzudenken. Die Stolpersteine sind ein guter Anlass.“

Vor vier Jahren hatte Leth Schmidt angeregt, dass sich die Domstadt der internationalen Initiative der Stolpersteine anschließt. Unterstützung fand er damals in seinem Ratskollegen, dem kommunalen Kulturausschussvorsitzenden Kjeld Thrane von der Konservativen Volkspartei, der die Anregung der Schleswigschen Partei dankbar aufgegriffen hatte.

Zwei Steine sind ein guter Anfang! Historisch gesehen ist es höchste Zeit, über Geschichte und Gegenwart nachzudenken. Die Stolpersteine sind ein guter Anlass.

Carsten Leth Schmidt, SP

Stolpersteine: Ein Anlass zum Nachdenken

Die Gedenkinitiative Stolpersteine ist ein internationales Kunstprojekt des deutschen Künstlers Gunter Demnig, das der Opfer des Nationalsozialismus gedenkt. Begonnen im Jahr 1992, verlegt Demnig in den Gehweg eingelassene Betonquader mit einer Messingplatte vor den letzten freiwillig gewählten Wohnorten der NS-Opfer. Auf den Platten sind Name, Lebensdaten und das Schicksal der Menschen eingraviert. Die Stolpersteine gibt es für Opfer verschiedener Gruppen, unter anderem für Menschen jüdischen Glaubens, Sinti und Roma, politische Gefangene, Homosexuelle und Euthanasieopfer. Mit über 100.000 verlegten Steinen in mehr als 20 Ländern Europas ist es das größte dezentrale Mahnmal der Welt.