Deutsche Minderheit

Ein „außergewöhnlicher“ Botschafter für das Grenzland verabschiedet sich

Veröffentlicht Geändert
Pascal Hector ist vier Jahre lang deutscher Botschafter in Kopenhagen gewesen.

Pascal Hector hat die deutsche Minderheit so häufig besucht wie kein deutscher Botschafter vor ihm. Als Saarländer kommt er aus dem deutsch-französischen Grenzland und hat diese Erfahrung in seine Arbeit eingebracht.

Für Pascal Hector begann der Kontakt zur deutschen Minderheit mit dem Knivsbergfest, und er endete auch mit ihm.

„Ich hatte sofort diesen überwältigenden Eindruck eines gelungenen Festes mit vielen glücklichen Menschen“, erinnert er sich.

Knapp vier Jahre später verabschiedete sich der Hauptvorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), Hinrich Jürgensen, an demselben Ort von ihm. Er habe sich von etlichen Botschaftern verabschiedet, aber „noch nie von einem, der so oft bei uns in Nordschleswig war, wie Sie“.

Es sind mehr als nur freundliche Worte. Auch die dänische Generalkonsulin in Flensburg (Flensborg), Annette Lind, bestätigt dem bald ehemaligen Botschafter ein ernst gemeintes Engagement für die Region und ihre Menschen.

„Pascal Hector war ein ganz außergewöhnlicher Botschafter für das Grenzland. Man hat ihm deutlich angemerkt, dass er selbst aus einem Grenzland stammt“, sagt sie dem „Nordschleswiger“.

Auf Hectors eigenen Grenzland-Hintergrund werden wir noch zurückkommen. Zunächst zurück zu seinem ersten Knivsbergfest im Jahr 2021. Zu diesem Zeitpunkt war er noch nicht offizieller Botschafter, sondern lediglich „designierter“, was heißen will, dass sein Posten noch durch einen Besuch bei der Königin abgesegnet werden musste.

Er hat ein gutes Gespür für die Bedeutung der Minderheiten auf beiden Seiten der Grenze.

Annette Lind

Erste Kontakte zur Minderheit

Er war bereits am Tag davor angereist und traf sich am Abend mit Vertreterinnen und Vertretern der Minderheit in Apenrade (Aabenraa) zu einem Essen.

„Damit zählten sie zu den allerersten Kontakten, die ich in hier Dänemark hatte.“

Tags darauf nahm Hector bereits an der Eröffnung in der Mulde teil, um danach einigen der Sportveranstaltungen zuzuschauen. Beim offiziellen Empfang hat er seine erste Rede gehalten: „Natürlich auf Deutsch bei der deutschen Minderheit.“

Es folgte ein Programmpunkt, der ihm sofort zusagte: die Kaffeetafel, das Sønderjysk Kaffebord. „Es ist einerseits etwas sehr Typisches für Nordschleswig, und andererseits esse ich gerne so guten Kuchen.“

Und so reiste er, gesättigt von Eindrücken und Kuchen, nach Kopenhagen zurück.

Pascal Hector bei seinem letzten Knivsbergfest am 21. Juni – mit Hinrich Jürgensen (r.) und BDN-Generalsekretär Uwe Jessen

„Was mich sehr beeindruckt hat, ist, wie positiv die Verbindung zwischen der Minderheits- und der Mehrheitsbevölkerung ist.“

„Minderheit ist wichtige Gruppe“

Der erste Besuch auf dem Berg war der Beginn eines engen Austausches mit der Minderheit. Hector besuchte nicht nur häufig die Minderheit, sondern sie auch ihn. Oder in den Worten von Hinrich Jürgensen: „Sie haben auch immer Ja gesagt, wenn wir gefragt haben, ob wir Sie mit einer Delegation in der Residenz überfallen dürfen.“

„Die Minderheit ist eben eine sehr wichtige Gruppe, weil sie diese Brückenfunktion im Grenzland hat. Deswegen ist es für einen deutschen Botschafter in meiner Überzeugung sehr wichtig, enge Kontakte zu pflegen, um auch die Minderheit größtmöglich zu unterstützen“, begründet der Botschafter sein Engagement.

Eigene Grenzland-Erfahrung

Generalkonsulin Annette Lind hat auch diese Unterstützung beobachtet: „Er hat ein gutes Gespür für die Bedeutung der Minderheiten auf beiden Seiten der Grenze.“

Dieses Gespür kommt nicht von ungefähr, womit wir wieder bei Pascal Hectors persönlicher Biografie wären. Er ist in Saarbrücken im Saarland aufgewachsen, Frankreich liegt in Sichtweite.

Die positive Grenzerfahrung bedeutet, dass man im Austausch steht mit jemandem, der anders ist und deswegen eine Bereicherung.

Pascal Hector

„Man hat ein besseres Verständnis für die Besonderheiten einer Grenzlandbevölkerung“, meint er.

Hector sieht Austausch als Bereicherung

Zwar gibt es im deutsch-französischen Grenzgebiet keine offiziellen Minderheiten, aber „es gibt eine Bevölkerung, die in der Nähe wohnt, zu der man fast täglich Kontakt hat“.

Er sieht es daher als ein Ziel, ein Grenzland ohne negative Grenzerfahrung zu schaffen. Man müsse sich auf die positive Grenzerfahrung konzentrieren.

„Die positive Grenzerfahrung bedeutet, dass man mit jemandem im Austausch steht, der anders ist. Sie ist eine Bereicherung.“

Konferenz als persönliches Anliegen

Aus diesen Erkenntnissen entstand die Idee eines Projekts, das Hector fast vom Beginn seiner Amtszeit an in Dänemark betrieben hat. „Es war mir ein Herzensanliegen.“

Dieses Herzensanliegen war eine Konferenz, bei der sich Vertreterinnen und Vertreter aus dem deutsch-französischen Grenzland mit jenen aus dem deutsch-dänischen austauschen konnten. „Wir haben festgestellt, dass die Probleme weitgehend dieselben sind.“

Es sei ihm dabei vor allem darum gegangen, Kontakte herzustellen. Die Praktikerinnen und Praktiker vor Ort sollten miteinander vernetzt werden.

„Das war mein persönliches Projekt. Es war mir wichtig, die beiden Grenzlanderfahrungen, meine persönliche aus der Jugend und die aus dem Grenzland hier, die ich als Botschafter kennengelernt habe, zusammenzubringen.“

Reden in dänischer Sprache

Ein weiteres persönliches Projekt besagt ebenfalls so einiges über Pascal Hector. Er hat sich von Anfang an vorgenommen, Dänisch zu lernen – was ihm auch gelungen ist. Wenn er nicht gerade zur deutschen Minderheit gesprochen hat, hielt er so manche Rede auf Dänisch.

„Es ist eine Frage des Respekts, aber natürlich auch eine praktische Frage“, sagt er.

Botschafter in Kroatien

Am 20. Juli verlässt Pascal Hector das Königreich Dänemark, um die Stelle als deutscher Botschafter in Kroatien anzutreten. Im Reisegepäck hat er vier Jahre Erfahrung aus dem deutsch-dänischen Grenzland. In dem neuen Gastland gibt es 22 anerkannte Minderheiten, darunter eine deutsche.

„Ich freue mich darauf, mit der dortigen deutschen Minderheit den Kontakt zu pflegen – aber auch in anderen Rahmen mit den übrigen Minderheiten.“

Pascal Hector wird in Kopenhagen von Anke Meyer abgelöst.