Sexualität

LGBT+ werden in Dänemark diskriminiert

LGBT+ werden in Dänemark diskriminiert

LGBT+ werden in Dänemark diskriminiert

Paul Sehstedt
Apenrade/Aabenraa
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Nicolaj Laue Juhl bei seiner Rede beim LGBT+-Gottesdienst am Folkehjem Foto: Paul Sehstedt

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Nicolaj Laue Juhl hat die Diskriminierung von homosexuellen Jugendlichen statistisch erfasst – und hat sie am eigenen Leib erfahren.

„Ich werde niemals vergessen, wie traumatisierend meine Schulzeit war, nachdem ich mich zur meiner Sexualität öffentlich bekannte“, erzählt Nicolaj Laue Juhl während des Gottesdienstes der Vielfältigkeit im „Genforeningsparken“ in Apenrade am Sonntag. Offen berichtete er über seine persönlichen Erlebnisse, die ihn fast zum Selbstmord getrieben hätten.

Der 23-jährige aus Woyens (Vojens) verließ Nordschleswig und ist heute hauptberuflich als Sprecher der LGBT+-Jugendgruppe tätig. In dieser Eigenschaft hat er den ersten landesweiten Bericht über das Wohlergehen und die Situation von LGBT+-Schülerinnen und -Schülern in Dänemark, der mit dem Titel „Stop diskrimination i skolen“ im Februar erschien, erarbeitet.

Diskriminierung queerer Menschen

„Im dänischen Schulwesen wird eine systematische Diskrimination von LGBT+-Schülern betrieben, und ich habe feststellen müssen, dass dieser Missstand alarmierende Ausmaße angenommen hat“, erklärt Juhl in einem Gespräch mit dem „Nordschleswiger“.

„Sie fühlen sich sechsmal einsamer als ihre Mitschüler, und mehr als jeder Zweite hat sich selbst verletzt. 44 Prozent sind in den Grundschulen benachteiligt oder gemobbt worden, und fast 90 Prozent wurden mit Worten wie Schwuler, Lebbe, Gay, Homo oder Tranny negativ angesprochen.“

„Wie hast du selbst diese Angriffe überstanden? Wurdest du von deinen Eltern unterstützt?“

„Meine Eltern standen zu mir, aber ich war zur Behandlung bei einem Psychologen, da ich Selbstmordgedanken hatte“, erinnert sich Juhl. „Die Unterstützung meiner Eltern bedeutet viel für mich, aber das ist nicht genug. Auch andere müssen helfen, damit wir uns voll anerkannt fühlen.“

Dänemark: Schlechter als der Ruf

Während Nicolaj noch in Nordschleswig lebte, hatte er keinen Partner; den hat er inzwischen in Kopenhagen gefunden.

„Über viele Jahre hat Dänemark sich eingebildet, wie gut die Situation für LGBT+-Personen ist, und wir haben andere Länder auf unseren Umgang mit der Vielfältigkeit, der Demokratie und Freiheit hingewiesen“, fährt der Sprecher fort. „Aber wir müssen uns der Wirklichkeit stellen, denn unser Glanzbild wurde zu einem gefährlichen Ruhekissen, das Kinder und Jugendliche täglich bedroht. Das Ziel muss sein, diese rohe Kultur aufzubrechen. Die Jugend soll lebensfrohe und vielfältige Menschen hervorbringen und sie nicht zugrunde richten, weil andere nicht sie akzeptieren wollen, wie sie sind.“

Begriffsdefinitionen – Pride

Queer: Das Wort ist ein Anglizismus und ein Begriff für Personen, die sich nicht mit der heteronormativen Norm identifizieren. Er kann mit „seltsam“ oder „sonderbar“ übersetzt werden und wurde in der Vergangenheit abwertend benutzt. Mit der Aids-Bewegung haben die queeren Menschen den Begriff jedoch aufgewertet und nutzen ihn nun, um sich selbst zu bezeichnen.

Heteronormativität: Das ist eine Weltanschauung, die nur zwei Geschlechter (männlich und weiblich) und heterosexuelle Beziehungen anerkennt.

Nicht-binär: Weicht vom traditionellen Modell der zwei Geschlechter ab. Ein Begriff mit denen sich Menschen definieren, die sich weder ausschließlich als Frau noch ausschließlich als Mann fühlen.

LGBTQ+: Dieser Begriff ist eine Abkürzung und steht für Lesbian, Gay, Bisexual, Trans*, Queer und Plus. Das Plus steht für alle anderen Menschen, sie sich diesen Begriffen nicht zuordnen. Das Kürzel wurde im Laufe der Jahre ergänzt und ausgebaut, es gibt verschiedene Varianten.

Sexuelle Orientierung: Die sexuelle Orientierung gibt an, zu wem man sich emotional und sexuell hingezogen fühlt. Dazu zählen unter anderem die Homosexualität, Bisexualität oder auch die Pansexualität.

Transgender: Oberbegriff für alle Menschen, deren Geschlechtsidentität (teilweise) nicht dem ihnen körperlich zugeordneten Geschlecht entspricht.

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