Häusliche Gewalt

Frauen sitzen in Frauenhäusern fest

Frauen sitzen in Frauenhäusern fest

Frauen sitzen in Frauenhäusern fest

Nordschleswig
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Das Frauenhaus Apenrade hat Frauen in eigene Wohnungen geschleust. Foto: Karin Riggelsen

Die Corona-Krise hat zur Folge, dass die Bearbeitung der Fälle von häuslicher Gewalt eingestellt wurde. Sie läuft nur schleppend wieder an.

Von einem Gefängnis in ein anderes. So beschreiben die Leiter der Frauenhäuser in Apenrade/Aabenraa und Hadersleben/Haderslev die Situation vieler Bewohnerinnen der Frauenhäuser.

Während des Shutdowns im öffentlichen Dienst wurde die Bearbeitung ihrer Fälle eingestellt. Nachdem die Frauen von ihrem gewalttätigen Partner geflohen waren, ging erst einmal nichts weiter.

„Es war ein Problem, dass sie zu uns kamen, und dann passierte nichts. Das war eine große Belastung für die Frauen und hat Frustrationen ausgelöst“, sagt Ulla Kristoffersen, Leiterin des Frauenhauses Hadersleben.
In Apenrade war die Situation nicht anders.

„Für die Frauen war das ein Rückschlag. Sie hingen in der Warteschleife und dadurch verloren viele den Mut. Wir bemerkten, dass sie sich von gemeinsamen Aktivitäten zurückzogen“, sagt die Leiterin des dortigen Frauenhauses, Hanne Frederiksen.

Befürchtet Probleme bis in den Herbst

Und die Bearbeitung der Fälle ist nach der Öffnung des öffentlichen Dienstes nur schleppend wieder angelaufen.

„Es fehlen weiterhin Entscheidungen. Ich habe den Eindruck, dass man im Familienhaus (Familieretshuset) Aktenberge vor sich herschiebt. Ich befürchte, diese Situation kann sich noch bis in den Herbst hineinziehen“, so Kristoffersen.

„Familieretshuset“ bearbeitet Scheidungen und Trennungen von Partnerschaften, Fragen der Vormundschaft und bietet Beratung an.

Über eigene Aufgaben hinaus

In Apenrade hat das Frauenhaus Erleichterung für Frauen geschaffen, indem man über die eigenen Aufgaben hinausgegangen ist.
„Wir haben auch ohne eine offizielle Entscheidung Frauen in eigene Wohnungen geschleust und für die Nachbehandlung gesorgt. Selbstverständlich haben wir dabei sichergestellt, dass die Frauen auch dazu bereit waren“, erläutert Frederiksen.

„Nun habe ich jedoch den Eindruck, dass die Behörden sich etwas zu sehr darauf verlassen, dass wir das lösen.“
Zwar hätten die längeren Aufenthalte nicht nur negatives gebracht, da es bedeutet habe, dass man die Arbeit im Frauenhaus vertiefen konnte, meint Ulla Kristoffersen.

„Insgesamt ist es jedoch hart für die Frauen. Sie leben ja hier mit ihren Kindern in so etwas wie einer unfreiwilligen Wohngemeinschaft. Ihr Leben steht still“, erläutert sie.

„Sie sind aus dem Gefängnis einer gewalttätigen Beziehung geflohen, und dann fühlen sie sich im Frauenhaus eingesperrt“, ergänzt die Kollegin aus Apenrade.

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