Leitartikel

„Eine Chance für DR“

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Danmarks Radio hat viele richtige Antworten auf die Sparzwänge. Nun bleibt dem Sender zu wünschen, dass sich die Politik zügeln kann und sich nicht noch mehr in DRs Angelegenheiten einmischt und zum Beispiel den Anteil dänischer Musik bestimmen will, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Danmarks Radio hat den Rotstift gezückt: Jeweils drei Fernseh- und Radiokanäle sowie bis zu 400 Mitarbeiter sind aus dem Haushalt rausgeschnitten. Harte Zeiten in der dänischen TV- und Rundfunkanstalt, die reagieren musste, nachdem eine Mehrheit im Folketing die DR-Gelder in den nächsten fünf Jahren um 20 Prozent kürzen wird. Dienstag war erst der Beginn einer langen Anpassungsrunde.

So hart – und ungerecht – es sich bei Danmarks Radio auch anfühlen mag: Die Umstellung ist auch eine Chance. Danmarks Radio hatte sich in den vergangenen Jahren zu weit ausgebreitet und die Public-Service-Verpflichtung (zum Teil) aus den Augen verloren – beziehungsweise versucht, alle Bereiche abzudecken. Die Konkurrenz verleitete DR dazu, immer mehr leichte Kost in Form von Unterhaltung anzubieten. Zuschauerquoten wurden für DR wichtiger als der Bildungsauftrag eines öffentlich-rechtlichen Senders.

Dass DR es ähnlich sieht, zeigt die Überschrift im (digitalen) Magazin „Det nye DR“ – ein Spar- und Entwicklungsplan heißt es dort. Mit einem kleinen Haushalt kann Danmarks Radio natürlich nicht das gleiche Medienpaket anbieten wie bisher, und das werden auch Fernsehzuschauer und Radiohörer zu spüren bekommen. Allerdings bleiben DR immer noch über drei Milliarden Kronen und mehr als 3.000 Mitarbeiter. Damit kann man immer noch eine ganze Menge Fernsehen, Radio und digitale Angebote machen.

Nun heißt es von Danmarks Radio: Qualität vor Volumen, Kultur, Kinder und (richtige) Dokus vor Unterhaltung, ausländischen Filmen und Serien sowie Sport. Positiv ist außerdem, dass die regionalen Sender nicht vom Rotstift umfasst werden. DR möchte nämlich, dass noch mehr Nachrichten aus der Provinz die Grundlage für Landesnachrichten bilden.

Danmarks Radio hat viele richtige Antworten auf die Sparzwänge. Nun bleibt dem Sender zu wünschen, dass sich die Politik zügeln kann und sich nicht noch mehr in DRs Angelegenheiten einmischt und zum Beispiel den Anteil dänischer Musik bestimmen will. Der tiefe Einschnitt der Politiker war notwendig, aber jetzt müssen sie wieder einen Schritt zurücktreten. Sonst riskieren wir ein Staatsfernsehen der ganz anderen Art, wie es sich niemand wünscht.

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