Leitartikel

„Fall Østergaard: Sieg im Kampf gegen Sexismus?“

Fall Østergaard: Sieg im Kampf gegen Sexismus?

Fall Østergaard: Sieg im Kampf gegen Sexismus?

Kopenhagen
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Wenn sexuelle Belästigung zukünftig dazu führt, dass Karrieren zu Bruch gehen, dann ist dies ein wichtiger Schritt, um dem Problem beizukommen. Fraglich ist jedoch, ob vom Sturz des Radikalen Vorsitzenden diese Signalwirkung ausgeht, meint Walter Turnowsky.

Es dürfte wohl eine der dramatischsten Folgen für einen machtvollen Mann in einem Fall von sexuelle Belästigung sein: Morten Østergaard musste am Mittwoch den Vorsitz von Radikale Venstre abgeben, nachdem bekannt wurde, dass er derjenige war, der sich an der Parteikollegin Lotte Rod vergriffen hatte.

Dies kann als Durchbruch im Kampf, um dem Problem beizukommen, gewertet werden. Kann, wohlgemerkt.

Denn wenn sexuelle Belästigung für denjenigen die Konsequenz hat, dass die Karriere zu Bruch geht, dann wird das durchaus eine abschreckende Wirkung haben. Eine Wirkung die zu dem notwendigen Gesinnungswandel beitragen kann. Ein solches Verhalten soll sozial ähnlich geächtet werden, wie es Alkohol am Steuer mittlerweile wird.

Forscher auf dem Gebiet hegen die Hoffnung, der Fall Østergaard könne diese Wirkung haben. Der Sturz Østergaards zeige, dass es nicht mehr akzeptabel sei zu agieren wie bisher, meint zum Beispiel Marie Bruvik Heinskou von der Universität Kopenhagen.

Dies wird jedoch nur geschehen, wenn die Konsequenzen in künftigen Fällen ebenso dramatisch sind, wie sie für Østergaard waren.

Dabei ist wichtig, festzuhalten, dass es nicht die Tatsache war, dass er vor zehn Jahren seine Hand auf Lotte Rods Schenkel gelegt hatte, die ihn zu Fall gebracht hat. Es ist die Tatsache, dass er nicht die Wahrheit gesprochen hat.

Mittlerweile ist von der dramatischen Sitzung der Radikalen durchgesickert, dass es Rod war, die Østergaard als denjenigen nannte, der sie belästigt hatte. Dies geschah als Reaktion darauf, dass er erklärt hatte, die Radikalen-Führung sei bei der Handhabung des Falls nicht befangen. Auch in den Wochen davor hatte Østergaard, wenn vielleicht nicht regelrecht gelogen, dann doch falsche Tatsachen vorgespiegelt.

Nach Einschätzung von politischen Kommentatoren hätte die sexuelle Belästigung an sich ihm nicht unbedingt den Vorsitz gekostet. Daher kann man auch nicht zwingend daraus folgern, dass sexuelle Belästigung in Zukunft ernstere Folgen für denjenigen haben wird, der sie begeht. Der Fall Østergaard kann einen Prozess in diese Richtung anstoßen. Doch bis wir dort ankommen, braucht es noch einen ganzen Teil Einsatz und Diskussion.

Erinnert sei dabei daran, dass immer noch so gut wie alle Fälle von sexueller Belästigung an Arbeitsplätzen, in Parteien und Organisationen vertraulich behandelt werden, wenn überhaupt. Solange dies der Fall ist, geht von einer eventuellen Kündigung auch keine Signalwirkung aus.

Erinnert sei auch daran, dass der Außenminister Dänemarks immer noch Jeppe Kofod heißt.

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